Geteiltes Burgenland: Landflucht und „Sturm aufs Land“. Im Südburgenland kämpft man gegen Abwanderung, im Norden wird es langsam eng.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 21. November 2018 (05:52)
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Symbolbild

Die Bezirks-Bilanz zeigt ein bekanntes Problem: Von Neusiedl am See bis Mattersburg verzeichnet man in den Gemeinden Zuzug, in Oberpullendorf beträgt der Saldo exakt null Prozent, im Landessüden wächst Oberwart leicht; in den Bezirken Güssing und Jennersdorf muss man sich aber Strategien gegen die Landflucht einfallen lassen.

Die BVZ arbeitete in Kooperation mit der Recherche-Plattform „Addendum“ die Wanderungs-Zahlen der vergangenen 15 Jahre auf und legt einige Extrem-Beispiele offen.

Problem Überalterung: Die Jugend wandert ab

So wandert im Südburgenland gerade die Jugend ab. Das größte Minus verzeichnet Heiligenbrunn im Bezirk Güssing. Bürgermeister Johann Trinkl sieht ein Problem im Job-Mangel: „Die S7 hätte schon vor 20 Jahren gebaut werden müssen“, verweist er unter anderem auf die Debatten um den Schnellstraßen-Ausbau.

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Bevölkerungsentwicklung im Burgenland seit 2003. Quelle: Statistik Austria/Addendum 2018, Bild: Evellean/Shutterstock.com, Grafik Bischof

Im Nordburgenland hingegen nimmt das Wachstum zum Teil überhand, wie Beispiele aus dem Bezirk Neusiedl am See zeigen: In Gemeinden wie Kittsee und Parndorf siedeln sich aufgrund der Nähe zu Bratislava auch immer mehr Menschen aus der Slowakei an. In Leithaprodersdorf etwa stellt sich die Gemeinde gegen unkontrolliertes Wachstum und vergibt Baugründe nur an Bürger mit Ortsbezug.

Bei der Frage, wieviele junge Menschen abwandern und wieder zurück kommen, schneidet Potzneusiedl am schlechtesten ab: Fast jeder zweite junge Gemeindebürger zog in den 15 Jahren weg, nur fünf Prozent kamen zurück. Die „treueste Jugend“ haben Edelstal und Kittsee: Nur sieben Prozent verlassen die Gemeinden. Die meisten „Rückkehrer“ verzeichnet Raiding im Bezirk Oberpullendorf: Über 40 Prozent der Abgewanderten kamen wieder.