Wort-Duell am See. Eröffnungs-Reden voller Andeutungen: Direktor Edelmann, Intendant Haider und ein Schlagabtausch vor Publikum.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 15. Juli 2021 (03:31)
Millendorfer

Die Premieren-Rede hält Peter Edelmann – das war schon immer fix. Auch wenn es im Vorfeld des großen Abends mediale Sticheleien um einen Fototermin gegeben hatte, der ohne den künstlerischen Direktor stattfand. Die besagte Rede hielt der ehemalige Mörbisch-Intendant Edelmann auch. Außerplanmäßig griff danach aber noch sein Nachfolger und Musiktheater-Generalintendant Alfons Haider zum Mikrofon.

Das Premierenpublikum hatte einerseits auf die „West Side Story“ (siehe Seiten 42/43) gewartet und andererseits auf launige Eröffnungsformeln, wie sie einst von Harald Serafin kultiviert worden waren. Ein wenig erwartete man auch den Gesprächsstoff, den die Fortsetzung des künstlerischen Schlagabtauschs schließlich auch hergab.

Musical statt Operette: Entscheidung gefallen

In Anlehnung an ein Zitat aus der „West Side Story“ meinte Edelmann, er träume von einem Ort und einer Zeit, „wo Qualitätstheater möglich ist, das von Fachleuten gemacht wird, wo man nicht durch persönliche Befindlichkeiten anderer entmachtet wird“.

Hintergrund ist vor allem auch die künftige Ausrichtung der Seefestspiele: Wie berichtet, hatte Edelmann für 2022 bereits die „Lustige Witwe“ als Operetten-Klassiker am Plan. Es wird aber das von Haider favorisierte Musical „The King and I“ geben; nicht zuletzt, um auch jüngeres Publikum anzusprechen.

Die von Edelmann angesprochene „Freiheit der Kunst“ werde weiterhin bestehen, konterte Haider ebenfalls vor Publikum, „es müssen aber auch Entscheidungen getroffen werden“. Und: Es müsse nicht immer Operette sein. In diesem Sinne rief Haider dazu auf, man möge „Menschen, die eine Veränderung bringen wollen, vielleicht zumindest eine Chance geben, bevor man sie verurteilt.“

Die weitere Zusammenarbeit soll in jedem Fall „professionell“ ablaufen, wird betont. Allein künstlerisch kann man zufrieden sein: An der 100.000-Besucher-Marke wird gekratzt.