Schnedl im Interview: „Es war eine sehr harte Zeit“. Ex-KRAGES-Geschäftsführer René Schnedl gab der BVZ ein ausführliches Interview über den Generalvergleich, die Politik, seine Entlassung und warum er „immer weiterkämpfte“.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 09. Januar 2019 (06:32)
Millendorfer
„Für mich ist das Kapitel abgeschlossen.“ Schnedl beim BVZ-Gespräch. Heute arbeitet der Ex-KRAGES-Chef bei „ISS Facility Services“ als Leiter des Kompetenzzentrums Gebäudetechnik. Foto: Millendorfer

BVZ: Abseits der finanziellen Einigung war auch die Erklärung, dass alle Vorwürfe entkräftet wurden, ein Teil des Vergleichs. Ist die Sache damit abgeschlossen?

René Schnedl: Diese Erklärung war ein essenzieller Punkt, sonst könnte man immer noch etwas hineininterpretieren. Auch wenn man diese eineinhalb Jahre nicht so einfach wiedergutmachen kann. Für mich ist das Kapitel abgeschlossen. Ich bin kein Racheengel, wobei man den Schaden nicht zu 100 Prozent wegbekommt, bei der Aggressivität, mit der gegen mich vorgegangen wurde.

Wie beurteilen Sie heute die Gründe für Ihre Entlassung?

Das war aus meiner Sicht eine persönliche, rein emotionale Geschichte, die man mit allen möglichen Gründen rechtfertigen wollte. Da hat man sich von oberster Stelle eingebracht, das wurde ja auch im Sonderlandtag gesagt. Es gibt viele, die es anders sehen und das vor Gericht mit ihrer Aussage bestätigt haben.

Offiziell ging es in der Diskussion aber auch um geplante Reformen.

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Ex-KRAGES-Chef Rene Schnedl

Einzelne Punkte, die jetzt erfolgreich laufen – wie die Akutordinationen oder die Magnetresonanz – wurden schon damals begonnen und haben sich jetzt eben um zwei Jahre verzögert. Es wurde diskutiert, welche Abteilungen ich schließen wollte. Ich wollte gar nichts schließen. Wir wollten nur das finanztechnische Loch mit Ideen füllen. Dass die Vorhaben auch Reformen bedeutet hätten, war klar. Dass man diese dann auf jene zurückführen wollte, die es ausführen sollten, ist nicht fair. Informiert waren immer alle.

Wie kam es dann zur Einigung?

Das war nur möglich, weil Hans Peter Doskozil die Zuständigkeit von Norbert Darabos übernommen hat. Mit Darabos hätte ich persönlich nicht gesprochen, da waren jegliche Worte schon verwirkt. Ein Gespräch ist nach zwei Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft unmöglich.

Für Aufsehen sorgte die Überbringung der Kündigung bei Ihrem Wohnhaus samt Polizeieinsatz …

Wenn die Anwälte zum Wohnhaus fahren, kann das nur rein emotional sein. Eine Entlassung kann man durchaus anders übergeben. Man wollte mich unter Druck setzen. Und das ist schon etwas, womit ich heute noch schwer umgehen kann, weil es meine Familie betroffen hat. Genauso wie man dann viele aus meinem Bekanntenkreis vor Gericht gezerrt hat.

Wie ist es Ihnen danach ergangen?

Es war eine sehr harte Zeit. Ich habe wieder ganz unten anfangen müssen. Selbst bei den Nachbarn in Gloggnitz musste ich erleben, wie sie wirklich sind. Man kann sich das vorstellen wie einen Aussätzigen, mit dem keiner spricht. Sogar meine Kinder wurden damit konfrontiert. Man muss sich schon vorstellen, was man da alles angerichtet hat.

Und wie haben Sie diese Zeit dann sozusagen überstanden?

Wenn man Familie hat, dann gibt‘s kein Aufgeben. Man muss weiterkämpfen. Ich war mir nie zu schade, jeden Beruf auszuüben. Ich wäre sogar wieder ins Taxi gestiegen, nur damit es weitergeht. Für mich war das wahrscheinlich auch ein Weckruf. Ich habe wieder gelernt, worauf es im Leben ankommt.

Hat die KRAGES aus Ihrer Sicht unter der Sache gelitten?

Die KRAGES-Mitarbeiter haben gekämpft, bis auf ein paar Ausreißer. Die Mitarbeiter waren – wie heute auch – fleißig und haben es sich nicht verdient, durch den Schmutz gezogen zu werden, genauso wie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Man kann das so sehen: Emotionale Entscheidungen, oder „Nicht-Entscheidungen“, haben sich direkt auf die KRAGES und die Barmherzigen Brüder ausgewirkt. Wäre Doskozil schon früher gekommen, wäre die KRAGES in vielen Bereichen Vorreiter in ganz Österreich. Ich glaube, die Geschwindigkeit, die Doskozil an den Tag legt, hätte gut mit mir zusammengepasst. Wir waren damals zu schnell für die Politik und jetzt kann es sein, dass Doskozil zu schnell für die Unternehmen im Gesundheitswesen ist.