"Leichte Beruhigung" wegen Großprojekt in Fertörakos. Im Burgenland ist in Bezug auf das im ungarischen Fertörakos geplante Großprojekt am Neusiedler See "leichte Beruhigung" eingekehrt, wie Landesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ) bei einer Pressekonferenz am Freitag betonte. Bei einem ersten Treffen mit ungarischen Vertretern seien "einige Unklarheiten" beseitigt worden. Außerdem wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet.

Von Redaktion APA. Update am 29. Oktober 2019 (12:09)
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Landesrätin Astrid Eisenkopf und Hannes Klein (Geschäftsführer Welterbe Neusiedler See)
Alexandra Gollubics-Prath

Die geplante Freizeitanlage mit Hotel, Wasser- und Freizeitpark sowie Anlegeplätzen für Boote und Campingplatz hatte im Burgenland für Aufregung gesorgt, weil man Auswirkungen auf den UNESCO-Welterbestatus des Neusiedler Sees befürchtete. Eisenkopf habe bei dem Treffen deshalb "klar gemacht, dass Naturschutz- und Welterbekonformität ein wichtiges Anliegen von uns ist". Von ungarische Seite habe man versichert bekommen, dass das auch ihre oberste Prämisse sei, sagte Eisenkopf.

Die Ungarn hätten bereits alle Bescheide eingeholt, das Projekt sei demnach "für in Ordnung befunden worden", so die Landesrätin. Auch Ruth Pröckl, Koordinatorin für das UNESCO-Weltkulturerbe im Bundeskanzleramt, habe im Zuge der Gespräche festgestellt, dass "auf den ersten Blick der Welterbestatus hier nicht gefährdet ist", sagte Eisenkopf. Bei dem Treffen sei auch versichert worden, dass es "von ungarischer UNESCO-Seite" eine Stellungnahme gebe, die bestätige, dass das Projekt das Welterbe nicht gefährde. Diese soll Eisenkopf in den kommenden Tagen zugesendet werden.

Eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die das Burgenland immer wieder gefordert hatte, sei laut dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus nicht notwendig. "Die auf ungarischer Seite durchgeführte UVP wurde als ausreichend angesehen. Das ist zur Kenntnis zu nehmen", sagte Eisenkopf.

Man habe nun mit den ungarischen Vertretern eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet. Damit werde der Informationsaustausch gewährleistet, auch Unklarheiten könnten so frühzeitig beseitigt werden, betonte Eisenkopf. Die Gruppe werde sich laufend treffen und beraten.

Hannes Klein, Geschäftsführer des Vereins Welterbe Neusiedler See, sah in dem Treffen einen ersten positiven Schritt. "Es gibt jetzt persönliche Ansprechpartner. Wir können uns damit künftig, auch was andere Projekte betrifft, besser austauschen", betonte er. In Zukunft werde man also "noch viel enger und besser zusammenarbeiten" können, meinte auch Eisenkopf.

FPÖ-Klubobmann Geza Molnar zeigte sich in einer Aussendung über die "positiven Signale" erfreut. Das Hauptproblem sei bisher der Mangel an belastbaren Informationen gewesen. Dieses sei nun aber wohl gelöst.

Grüne wollen grenzüberschreitende Prüfung

Kritisch äußert sich Grünen-Landessprecherin Regina Petrik. Sie verweist auf einen Antrag, mit dem auf eine UVP gedrängt werden soll und meint: „Man darf sich in so einer wichtigen Sache doch nicht mit kleinen symbolischen Zusagen aus Ungarn abspeisen lassen. Wem das Seeufer und der Naturschutz, das Welterbe Fertő-Neusiedlersee und der Klimaschutz wirklich wichtig sind, darf doch nicht vor den ungarischen Behörden in die Knie gehen.“

Die Grünen wollen sich nun – mit Unterstützung des neuen Nationalrates und früheren Europa-Parlamentariers Michel Reimon – für eine grenzüberschreitende UVP einsetzen. In den kommenden Wochen ergeht dazu eine Anfrage an die Europäische Kommission.