Wasserzuleitungs-Diskussion: „Grüner Gatsch“ statt See. Bernhard Kohler (WWF) zeichnet ein düsteres Szenario für den Neusiedler See. Im Falle einer Dotierung mit Donau-Wasser würde das Algenwachstum überhand nehmen.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 17. September 2020 (05:33)
Talk-Runde. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Diskussion ins Netz verlegt: Christian Sailer, Moderatorin Barbara Tóth, Bernhard Kohler und Claudia Szivatz-Spatt.
BBR

„Wir würden einen gelb-grünen Gatsch haben, in dem niemand mehr baden will.“ Mit diesem Zitat ließ Bernhard Kohler vom WWF vergangene Woche in einem Online-Talk, der von Freda, der grünen Zukunftsakademie, organisiert wurde, aufhorchen.

Thema der Web-Veranstaltung war das „Naturjuwel Neusiedler See“. Diskutiert wurde, welche Auswirkungen eine Wasserzuleitung aus der Donau für den Neusiedler See haben würde, aber auch, mit welchen Problemen die Region bei einer Austrocknung des Sees konfrontiert wäre. Als Experten geladen waren neben Bernhard Kohler, Christian Sailer (Leiter der Task Force Neusiedler See) und Tourismusforscherin Claudia Szivatz-Spatt.

Zurück zum oben angesprochenen „gelb-grünen Gatsch“: Diesen befürchtet Kohler für den See im Falle einer Fremdwasser-Dotierung. Er erklärt das mit einer Verringerung des Salzgehalts, die Folge einer Zuführung des kalkhaltigen, aber salzarmen Donauwassers wäre. Wegen des Sodagehalts bleiben anorganische Trübepartikel allerdings in Schwebe. Die Trübe sei entscheidend, weil sie den Lichtzutritt und damit das Algenwachstum begrenze, sagt Kohler. Christian Sailer betonte wiederholt, eine Dotierung des Sees werde genau geprüft. Das sei die Aufgabe der Task Force. Erst wenn klar sei, dass die Wasserqualität passe, werde es eine Zuleitung geben: „Was wir nicht möchten, ist, dass das Gefüge des Sees gestört wird“, so Sailer.

Einen interessanten Aspekt sprach Tourismusforscherin Claudia Szivatz-Spatt an. Die Austrocknung des Neusiedler Sees wäre ein Problem für die gesamte Region. Kurzfristig würde sich wohl ein sogenannter „Dark Tourism“ entwickeln, der dort entsteht, wo sich Katastrophen ereignet haben. Schlussendlich würde der See-Tourismus allerdings zum Erliegen kommen, glaubt Szivatz-Spatt.