Darabos: „Nein“ zu Impfpflicht. Soziallandesrat Darabos gegen Zwangsmaßnahmen. Impfrate vor allem bei 15- bis 30-Jährigen gering. Experten warnen vor Skepsis.

Von Alexandra Gollubics-Prath. Erstellt am 06. Februar 2019 (05:40)
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„Sicherheitsgurt“. Ärzte empfehlen in vielen Fällen Impfungen.

Die (wieder) aufgeflammte Diskussion um eine etwaige Masern-Impfpflicht spaltet das Land. Während einige Bundesländer Zustimmung signalisieren, spricht sich Burgenlands Landesrat Norbert Darabos (SP) gegen Zwangsmaßnahmen aus. Impfen bedeute „einen Eingriff in die körperliche Integrität“, das Land setze „auf Aufklärung und Information“.

Ein vorsichtiges „Jein“ zu einer generellen Impfpflicht kommt von Ärztekammer-Präsident Michael Lang – aber auch er sieht ein Problem dabei, „dass es um einen Eingriff in persönliche Rechte geht“. Was Lang für unbedingt notwendig erachtet, ist eine Impfpflicht in Gesundheitsberufen: „Es gehört zur Berufsethik dazu, dass man Patienten nicht schaden will. Wobei mittlerweile im Burgenland bei Einstellungen sehr wohl auf den Impfstatus geachtet wird.“

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Im Burgenland ist aktuell noch keine Masern-Erkrankung bekannt – auch 2018 gab es laut Büro Darabos nur einen einzigen Fall, die betroffene Person stammte aus der Slowakei. In den letzten zehn Jahren seien im Burgenland nur 16 Masern- und Röteln-Erkrankungsfälle gemeldet worden, heißt es.

Von einer „Insel der Seligen“ könne deshalb aber nicht die Rede sein, relativiert Albrecht Prieler, Kinderarzt und Impfreferent der Ärztekammer Burgenland: „Man sieht ja, wie schnell Masern eingeschleppt werden können.“

Impfskepsis wegen „Fake-News“ im Netz

Damit die Krankheit als ausgerottet gelten kann, bräuchte es laut WHO eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent. Ein Wert, von dem auch das Burgenland entfernt ist. „Bei Kleinkindern liegen wir mit knapp 90 Prozent gar nicht so schlecht, bei den 10- bis 14-Jährigen sind es aber etwa 80 Prozent und bei den 15- bis 30-Jährigen sind wir sogar noch darunter“, so Prieler.

Schuld an der „Impfmüdigkeit“ seien vor allem Internetberichte über mögliche schwere Nebenwirkungen, so Prieler: „Da gibt es etwa eine gefälschte Studie eines britischen Arztes, die von Autismus spricht.“ In 25 Jahren Praxis sei ihm jedenfalls „noch kein einziger Impfschaden vorgekommen“.

Impfplan Österreich 2019; Foto: Africa Studio/Shutterstock.comGrafik: Bischof

Generell brauche es mehr Aufklärung, fordert die Deutschkreutzerin Susanne Schmid, Fachärztin für Innere Medizin und Präsidentin des Bundeselternverbands: „Bei Zeckenimpfungen sieht man, dass gute Informationskampagnen sehr wohl hilfreich sein können.“ Vor allem bei Über-14-Jährigen, die schon selbst entscheiden könnten, sollten Schulärzte eine „zweite Chance für Impfungen“ schaffen, so Schmid. Impfen müsse als „Sicherheitsgurt“ vor Krankheiten verstanden werden und „so selbstverständlich werden wie das Angurten im Auto.“

Daten und Zahlen

Gesundheitsbefragung 2014: 75,3% der Burgenländer gaben an gegen FSME geimpft zu sein; 74,8 % gegen Tetanus ; 47,9% gegen Diphtherie; 44,2% gegen Polio; 14,7% gegen Pneumokokken; 11,1% gegen Grippe.

Landesförderung : 20 Euro pro Impfung für Meningokokken B im 1. Lebensjahr (2 Impfungen) und eine Auffrischungsimpfung im 2. Lebensjahr.

Elektronischer Impfpass: Dieser befindet sich in Ausarbeitung und soll im Burgenland „frühestens ab 2021“ kommen, wie es aus dem Büro von Soziallandesrat Norbert Darabos (SPÖ) heißt.