FPÖ: Hofer übergibt Vorsitz im Burgenland an Petschnig. FPÖ-Bundesparteichef Norbert Hofer übergibt seine Funktion als burgenländischer Landesparteiobmann an seinen dortigen bisherigen Stellvertreter, Alexander Petschnig. Das gab die FPÖ am Donnerstagabend bekannt.

Von APA / BVZ.at und Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 15. Oktober 2020 (19:26)
Hofer und Petschnig nach ihrer Wahl beim Parteitag im März. Jetzt wird der Chefsessel übergeben.
 
Wolfgang Millendorfer 

"Ich habe der Landespartei die Starthilfe gegeben und die Entscheidung getroffen, mich voll und ganz auf die bundespolitischen Aufgaben zu konzentrieren", so Hofer via Pressemitteilung.

Es gebe im Burgenland "zweifellos eine große Chance, dass die Landespartei wieder zu alter Stärke erwächst", sagte Hofer. Der ehemalige Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat und Landtagsabgeordnete Petschnig war beim Landesparteitag der FPÖ Burgenland am 7. März von den Delegierten zum Landesparteiobmann-Stellvertreter gewählt worden. Ihm obliege die Aufgabe, die weiteren Weichenstellungen für die Landesgruppe vorzunehmen, erklärte nun Hofer. Das betreffe auch "die weitere Vorgangsweise rund um möglicherweise parteischädigendes Verhalten des ehemaligen Abgeordneten Manfred Haidinger", darüber werde der Landesparteivorstand beraten. Haidinger war beim Landesparteitag gegen Hofer zur Obmann-Wahl angetreten.

Im Rahmen der letzten Klausur des burgenländischen Landesparteivorstands am 2. und 3. Oktober sei es gelungen, auch für schwierige Problemstellungen Lösungsansätze zu finden. "Ich habe volles Vertrauen in die Landespartei, die mit Sicherheit die richtigen Entscheidungen treffen wird", erklärte Hofer. Die Landespartei habe sich seit der letzten Landtagswahl in den Umfragen "deutlich erholt" und sei zuletzt bei rund 14 Prozent gelegen, betonte der FPÖ-Bundesparteichef.

Petschnig „automatisch“ neue Nummer eins

Die Überlegungen zu diesem Schritt habe es bereits vor der Wien-Wahl gegeben, jetzt sei der Wechsel rasch erfolgt, erklärt der neue Landesparteichef Alexander Petschnig auf BVZ-Anfrage: Vor dem Parteitag im März sei man davon ausgegangen, dass Landeshauptmann Hans Peter Doskozil mehr auf Bundesebene agieren werde, weshalb man mit Norbert Hofer auch im Land sozusagen ein „Gegengewicht“ aufbieten wollte. „Mit dem Commerzialbank-Skandal ist jetzt alles mehr auf Landesebene geblieben, weshalb es aus unserer Sicht Sinn macht, dass der Parteivorsitzende auch im Landtag sitzt“, so Petschnig.

Als einziger Stellvertreter Hofers – wie bei der innerparteilichen Wahl im März entschieden – rückt Petschnig automatisch an die Spitze nach. Neue Wahl sei laut Statuten keine nötig: „Da haben wir extra das Bundesparteigericht befragt.“ Intern bleibt die Frage aber dennoch spannend: Trat Hofer vor dem Parteitag doch kurzfristig anstelle von Petschnig an, da sich mit Gegenkandidat Manfred Haider eine Kampfabstimmung abzeichnete.

Mit Verweis auf diese Wahl wird in der FPÖ derzeit alles als statutarisch abgesichert gesehen. Allerdings hat Petschnig selbst nun keinen Stellvertreter. Eine Situation, die man in absehbarer Zeit beheben will – wozu allerdings wieder ein Parteitag nötig wäre. Angesichts der Corona-Situation und weil man die Sitzung nicht virtuell abhalten möchte, sucht man in der FPÖ noch nach einem gangbaren Weg.