Pflege: Warten auf Ausbau. Bedarfs- und Entwicklungsplan ist noch nicht fertig, aber Betreiber sind startklar. ÖVP warnt vor Engpässen, Darabos relativiert.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 01. August 2018 (04:53)
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v.l.n.r. Landesrat Darabos: „,Pflege daheim‘ als Anliegen.“ Hilfswerk-Obmann Klikovits: „Zu viel Bürokratie.“ ÖVP-Chef Steiner: „Fünf nach zwölf in der Pflege.“

Einen zusätzlichen Ansturm erwarten die 44 burgenländischen Heime nach der Abschaffung des Pflegeregresses. Während im Sozialbericht bereits erhoben wurde, dass bis zum Jahr 2021 mindestens 250 Betten mehr benötigt werden, wartet man weiterhin auf den Bedarfs- und Entwicklungsplan des Landes.

Dieser wurde ursprünglich im Herbst 2017 und zuletzt für Juli angekündigt, muss aber noch fertiggestellt werden, wie es im Büro von Soziallandesrat Norbert Darabos (SPÖ) heißt. Das Problem: Erst wenn der Landes-Plan vorliegt, gibt es de facto Genehmigungen für die Ausbaupläne einzelner Betreiber. „Damit hängen wichtige Ausbauprojekte seit bald einem Jahr in Schwebe“, übt ÖVP-Landesobmann Thomas Steiner Kritik am Landesrat: „Darabos bekommt dieses wichtige Thema einfach nicht in den Griff. Ein Teil dieser Pflegebetten könnte schon stehen. Das ist Dilettantismus auf Kosten der Pflegebedürftigen und Organisationen.“

„Der Ausbau der ,Betreuung daheim‘ ist unser zentrales Anliegen“Landesrat Darabos

Gegenüber der BVZ bestätigten etwa das Hilfswerk, der Arbeitersamariterbund (ASB) und die Caritas Ausbaupläne, „aber natürlich in Abstimmung mit dem Bedarfs- und Entwicklungsplan“, betont ASB-Geschäftsführer Wolfgang Dihanits. Sene Cura erweitert den Standort in Nikitsch um 30 Plätze. Seitens der Diakonie will man sich auf die mobile Betreuung konzentrieren, auch andere streichen deren Bedeutung hervor.

Hier setzt das Land an: Für den 600-Euro-Zuschuss zur 24-Stunden-Pflege gab es seit Februar 683 Anträge. „Der Ausbau der ,Betreuung daheim‘ ist unser zentrales Anliegen“, so Landesrat Darabos, „damit kommen wir dem Wunsch vieler Pflegebedürftiger nach.“ Der Bedarfsplan sei aber eine wesentliche Grundlage, so Steiner: „Es geht um die rechtzeitige Sicherung der Versorgung.“

Ein weiteres Problem sieht der burgenländische Hilfswerk-Obmann Oswald Klikovits: So würden die Hilfsorganisationen mit der Dokumentation „in Bürokratie förmlich untergehen“: „Wenn unsere Mitarbeiter den Computer genauso lange pflegen wie die Betroffenen, kann etwas nicht stimmen.“