Debakel um Landes-EDV. Das Land setzte im Zuge einer EDV-Umstellung rund zwei Millionen Euro in den Sand. Die Opposition spart nicht an Kritik und die EDV hat seit kurzem einen neuen Chef.

Von Alexandra Gollubics-Prath. Erstellt am 24. November 2016 (04:46)
BVZ-Archiv
Anwälte taten laut Landesamtsdirektor Ronald Reiter „alles, was rechtlich möglich war.“

Gehörig Staub wirbelte kürzlich der jüngste Prüfbericht des Landesrechnungshofs (LRH) auf: In der EDV-Abteilung des Landes seien rund zwei Millionen Euro verschwendet worden. Gerüchte über Verluste gab es bereits vor zwei Jahren, wie die BVZ exklusiv berichtete.

Geplante EDV-Umstellung endete in Fiasko

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LRH-Direktor Andreas Mihalits: „Unterlagen kommen nur von der geprüften Stelle.“

Konkret geht es um die Weiterentwicklung eines EDV-Programms zur Lohnverrechnung für rund 8.000 aktive und pensionierte Landesbedienstete und Politiker. Dieses Programm hätte mit Unterstützung externer Dienstleister bis 2012 in eine neue Programmiersprache übersetzt werden sollen — was fehlschlug. Bis dahin waren Kosten von rund 2 Millionen Euro entstanden, die laut LRH für die Weiterentwicklung nicht verwertbar waren.

Das Land zog 2014 einen Schlussstrich und lagerte die Lohnverrechnung in Form einer Kooperation mit dem Land Oberösterreich aus. Einige vom LRH genannten Gründe für den Fehlschlag: „unzureichendes Projektmanagement, mangelhafte Projektplanung und fehlende eigene Personalressourcen.“

Opposition: „Sozialistische Geldvernichtung“

In Bezug auf eine mögliche Haftung sprach der erst seit heuer amtierende Landesamtsdirektor Ronald Reiter gegenüber der BVZ von einem „Rechtskonstrukt“, wonach „alles, was rechtlich möglich war“ über die Anwälte des Landes und der betroffenen Firma getätigt worden sei.

Heftige Kritik hagelte es von der Opposition: „Sozialistische Geldvernichtung“ ortete ÖVP-Landesgeschäftsführer Christoph Wolf. Für die Grünen ist das Land „kolossal“ gescheitert. Die Verantwortlichen müssten sofort zur Rechenschaft gezogen werden, forderte LBL-Chef Manfred Kölly.

Die frühere Landes-EDV und jetzige Informationstechnologie hat nun übrigens nach erfolgter Ausschreibung mit Rudolf Ivancsits einen neuen Leiter. Vorgänger Karl Pinter sei „noch im Personalstand“, so Reiter.