Schnellstraßen-Sicherheitsausbau sorgt für Tempodebatte. Im Burgenland läuft der Sicherheitsausbau der S1, für die S4 soll er 2021 beginnen. Inzwischen wird bereits über das künftige Tempolimit - derzeit sind es 100 km/h - diskutiert: Grüne sowie Vertreter von SPÖ und ÖVP sprechen sich bezüglich der S4 gegen eine Anhebung aus. Das Bündnis Liste Burgenland (LBL) will hingegen für beide Schnellstraßen eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 18. Oktober 2019 (13:24)
BH Mattersburg
Schnellstraßen-Knoten Mattersburg. Die Baustelle startet am 23. April und soll Ende September abgeschlossen werden.

Sowohl die Burgenland Schnellstraße (S31) vom Knoten Mattersburg bis zur Anschlussstelle Weppersdorf als auch die Mattersburger Schnellstraße (S4) vom Knoten Mattersburg bis zum Knoten Wiener Neustadt werden verbreitert und erhalten eine bauliche Mitteltrennung. "Wenn nun die beiden Schnellstraßen um Hunderte Millionen ausgebaut werden, empfinden wir es als Schikane der Autofahrer, wenn gleichzeitig das Tempolimit bei 100 km/h bleiben soll", stellte LBL-Obmann Manfred Kölly am Freitag in einer Aussendung fest.

Sollte ein Ausbau des Lärmschutzes notwendig sein, so sei dieser "natürlich gemeinsam mit dem Sicherheitsausbau zu machen", so Kölly. "Wenn unbedingt nötig, kann selbstverständlich das Tempo in der Nähe von Ortschaften reduziert werden, aber eben nicht auf der ganzen Strecke", argumentierte der Bündnisobmann. Kölly kündigte einen Antrag im Landtag zur Erhöhung des Tempolimits auf 130 km/h auf der S4 und S31 sowie zur Anpassung der Lärmschutzeinrichtungen an.

"Jeder Kilometer, der schneller gefahren wird, hat auch höhere Emissionen. Das heißt, wir müssen eigentlich das Tempo heruntersetzen schon aus Klimaschutzgründen und keinesfalls hinaufsetzen", sprach sich Regina Petrik, die Landessprecherin der Grünen, gegen eine höheres Tempolimit aus.

"Schneller fahren heißt auch, dass man schneller reagieren muss, dass man, wenn man abgelenkt ist, schneller einen Unfall produziert", sagte Petrik zur APA. Die meisten Unfälle würden durch unangemessene Fahrweise und durch Ablenkung passieren. "Das heißt, jeder, der sagt, das Tempo muss hinaufgesetzt werden, spielt dem in die Hände, dass die Umwelt noch mehr verschmutzt wird und dass noch mehr Unfälle geschehen werden."

SPÖ-Landesgeschäftsführer Roland Fürst und der Bad Sauerbrunner Bürgermeister Gerhard Hutter (Liste Bad Saauerbrunn) hatten bereits am Dienstag dafür plädiert, auf der S4 entlang der Ortschaften Tempo 100 als Höchstgeschwindigkeit beizubehalten. Die ÖVP Burgenland brachte am Donnerstag im Landtag einen Antrag ein, der "den Sicherheitsausbau und Tempo 100" auf der S4 garantieren solle.

Tempo 130 sei derzeit reine Spekulation, weil seitens der Asfinag noch nicht konkret feststehe, wie der Ausbau letztendlich sein werde, hieß es aus dem Büro von Landeshauptmannstellvertreter Johann Tschürtz (FPÖ). Eine Entscheidung betreffend die erlaubte Höchstgeschwindigkeit werde erst getroffen, sagte eine Asfinag-Sprecherin auf APA-Anfrage.

Mittlerweile hat sich auch eine Bürgerinitiative gebildet, die sich unter dem Motto "Sicherheit ja - STOPP Autobahn S4" für eine Umplanung des Projekts noch vor Ende der Einreichfrist ausspricht. Das Anliegen sei, die Schnellstraße gar nicht zur Autobahn auszubauen. "Die Einreichunterlagen sind hundertprozentig auf Tempo 130", so ein Sprecher der Bürgerinitiative. Der einzige Weg, um die durch den Verkehr verursachten Schadstoffe zu reduzieren, wäre nach Ansicht der Initiative die Senkung der Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h.