Neusiedler See: Weniger Wasser, viel Schlamm. Bootsfahrer klagen über Probleme im Hafen, Gemeinden müssen Schlamm abpumpen. Schuld ist der Wasserstand.

Von Wolfgang Millendorfer, Birgit Böhm-Ritter und Sigrid Janisch. Erstellt am 25. Juli 2018 (04:46)
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In manchen Strandbädern und Häfen werden niedrige Wasserstände beobachtet.

Vor einer „zunehmenden Verschlammung“ des Neusiedler Sees wurde bereits vor zehn Jahren im Rahmen eines grenzüberschreitenden EU-Projektes gewarnt. In den Seegemeinden ist der Schlamm aktuell wieder ein Thema: Vermehrt hört man von Problemen in den Häfen und Wasserständen von 50 Zentimetern in Strandbädern.

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In manchen Strandbädern und Häfen werden niedrige Wasserstände beobachtet. Der Schlamm wird mit Spezialbooten meist im Winter ausgebaggert (Bild links). See-Experte Helmut Rojacz (M.) gibt Entwarnung.

Traditionell hat man am Westufer des Sees mehr mit dem Schlamm zu kämpfen – etwa in Breitenbrunn oder Purbach. „Sinkt der Wasserstand um weitere zehn Zentimeter, wird es für die Segler kritisch“, meint etwa Sabine Schwarz, Geschäftsführerin des Stadtmarketings Purbach. Abhilfe schaffen die Gemeinden mit dem Ausbaggern des Sees, das aus Naturschutzgründen nur in den Wintermonaten erlaubt ist, sowie mit dem Abpumpen von Schlamm.

„Das Abpumpen wäre jetzt wieder notwendig“, sagt der Obmann der Breitenbrunner Seglergemeinschaft, Paul Laister. Auch Bürgermeister Helmut Hareter (SP) bestätigt: „Heuer kommen ein niedriger Wasserstand und viel Schlamm zusammen.“

Das Abpumpen habe man für kommenden Winter empfohlen, dann startet auch die Umgestaltung des Breitenbrunner Seebades durch die Esterházy-Betriebe. Generell wird in den Seegemeinden alle fünf bis acht Jahre Schlamm abgepumpt, in Absetzbecken gesammelt und in der Folge auch für die Landwirtschaft verwendet. Sollten die Becken überfüllt sein, sind die Gemeinden für die Leerung zuständig. Streng verboten ist die Entsorgung im Schilfgürtel, betont Roman Zehetbauer vom Naturschutzreferat.

Experte Rojacz: „Es gibt auch viele Legenden …“

Stichwort Schilf: Als Geschäftsführer eines Transportunternehmens, das im See auch Baggerungen durchführt, beobachtet Günter Böhm eine „zunehmende Verlandung“. Entwarnung gibt hingegen See-Experte Helmut Rojacz, Referatsleiter für wasserwirtschaftliche Planung im Landesdienst.

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See-Experte Helmut Rojacz (M.) gibt Entwarnung.

„Es gibt da auch viele Legenden und Spekulationen. Schlamm ist im See immer vorhanden, hier sind auch alle Proben unbedenklich. Probleme verursacht der Wasserstand, das spürt man heuer nach dem heißen Frühjahr“, so Rojacz.

Die Hafenanlagen seien ein „Schwachpunkt“, wo sich mehr Schlamm absetze, generell würden die Maßnahmen aber ausreichen. „Probleme gibt es nur in Gemeinden, die dem nicht nachkommen“, so Rojacz.