„Politik macht Spaß“: Roland Fürst im Gespräch

Erstellt am 05. August 2022 | 05:23
Lesezeit: 3 Min
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Roland Fürst. Geschäftsführer und Landtagsabgeordneter.
Foto: BVZ
Seit drei Jahren ist Roland Fürst Landesgeschäftsführer der SPÖ. Der BVZ erklärte er, warum er noch lange nicht genug hat und wie es hinter den Kulissen läuft.
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Über den Urlaub von Politikern will Roland Fürst nicht diskutieren, den habe sich jeder verdient, selbst ÖVP-Kanzler Karl Nehammer, mit dem der SPÖ-Geschäftsführer sonst streng ins Gericht geht: „Der Mythos, dass nur ein Politiker, der 150 Stunden pro Woche arbeitet, ein guter Politiker ist, stimmt so nicht mehr. Ruhephasen sind extrem wichtig.“

Dass diese Ruhephasen in seinem Fall zuletzt eher zu kurz gekommen sind, gibt Fürst ebenso zu: Vor drei Jahren ist er als damaliger Leiter des Sozial- Departments von der FH Burgenland ins „Rote Haus“ gewechselt, jetzt organisiert er bereits den dritten Wahlkampf, dieses Mal für die Gemeinderatswahlen im Oktober.

„Dampfplaudern in der Politik, das lässt der Landeshauptmann nicht zu.“

Noch nie habe die Bundes- und sogar Weltpolitik so sehr in die Gemeinden hineingestrahlt wie jetzt, sagt Fürst: „Es geht auf allen Ebenen um soziale Gerechtigkeit.“ Das Lieblingsthema bleibt der Mindestlohn, den man auch im Programm der Bundespartei einfordert.

Die Kommunalwahlen sieht nicht nur Fürst als eine Art „Zwischentest“ für die Landtagswahlen 2025; immer eng abgestimmt mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der für Fürst ein Grund dafür ist, dass er selbst in der Politik landete: „Ich wäre wahrscheinlich nirgends anders tätig, weil ich zutiefst überzeugt von seinem Zugang bin – den Leuten zuhören und dann auch umsetzen.“

Weil Neuerungen meist rasch durchgezogen werden, „stößt das ,System Doskozil‘ manchmal vielleicht auch auf Widerstand“.

Dass die Landes-SPÖ geschlossen agiert, ist kein Geheimnis, der Parteichef sei jedoch „trotz Macher-Image nicht beratungsresistent“. Wobei: „Dampfplaudern in der Politik, das lässt der Landeshauptmann nicht zu.“ Deshalb seien manche Kommentare in Richtung Bundes-SPÖ vielleicht anders rübergekommen. Aber, wird Fürst nicht müde klarzustellen: Das Auskommen mit der Parteivorsitzenden Pamela Rendi-Wagner sei ein gutes. „Im Hinblick auf die desaströse Bundesregierung ist auch nicht die Zeit, innerparteiliche Konflikte auszutragen.“

Neuwahlen im Bund – die man mit Rendi-Wagner bestreiten würde – fordert Fürst fast täglich; bei möglichen späteren Koalitionen lässt er aufhorchen: Als Ex-Grüner (1990 bis 1993 in Niederösterreich) schließt Fürst eine Paarung mit den heutigen Grünen aus, auch im Land. Ansonsten bleibt der Lieblingsgegner die ÖVP; als Sozialwissenschaftler gehe er aber immer auf die Menschen zu.

Wie es für ihn selbst weitergeht – ob er einem Ruf in die Bundespolitik oder in die Landesregierung folgen würde –, ist für Fürst zum Geschäftsführer-Jubiläum schnell beantwortet: „Es macht mir Riesenspaß und dabei bleibt es auch. Sonst schließe ich nichts aus, aber ich strebe auch nichts an und lasse mir keinen Druck machen.“