Lehrer brauchen Hilfe bei „Problemschülern“. Pädagogen „opfern“ Freistunden für die Betreuung auffälliger Schüler. Von allen Seiten wird mehr Personal gefordert.

Von Wolfgang Millendorfer und Alexandra Gollubics-Prath. Erstellt am 15. Mai 2019 (05:22)
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Gegen Mobbing und Co. Die Lehrer wünschen sich mehr Unterstützung. Foto: Shutterstock/„Africa-Studio“

Eskalationen wie jene an der HTL Ottakring, wo der Konflikt zwischen einem Lehrer und Schülern bundesweit für Schlagzeilen sorgte, sind im Burgenland zwar nicht bekannt – Probleme im Schul-Alltag gibt es aber immer wieder.

Die vom Bildungsministerium angekündigten „Time-Out-Klassen“ (siehe ganz unten) seien „an sich ja nichts Neues“, meint Bildungsdirektor Heinz Josef Zitz im BVZ-Gespräch: Abgesehen davon, dass man „den Begriff überdenken sollte“, stelle sich die Frage der genauen Umsetzung. Sowohl Zitz als auch die Lehrergewerkschaft wünschen sich vom Bund mehr Ressourcen, sprich: mehr finanzielle Mittel für Lehrerposten.

Als Vorsitzender der Lehrergewerkschaft an Pflichtschulen umschreibt es Manuel Sulyok (FSG) so: „Die ,Time-Out-Klassen‘ bekämpfen nur die Symptome. Will man die Ursachen bekämpfen, dann braucht man Ressourcen.“

In der Praxis werde die Betreuung derzeit oft von Pädagogen in den Freistunden übernommen. Davon berichten auch Sulyoks Vorgänger Johann Farkas und FCG-Gewerkschafter Helmut Gaal: „Dass die Lehrer auch zusätzlich viele Dinge erledigen, sieht man in der Öffentlichkeit nicht.“ Bildungsdirektor Zitz betont aber, dass es auch Unterstützung gebe, etwa durch das System der Schulassistenz.

Sozialarbeit an Schulen wird zum Politikum

Das Problem fehlender Ressourcen sei aber kein rein burgenländisches, sagen Zitz und Gewerkschaft unisono. Auch in der Bildungsdirektion zählt man hier verstärkt auf den Bund.
Einen Vorstoß gibt es seitens der Grünen, die mit einem Antrag flächendeckende Sozialarbeit für Schulen fordern. Modelle dazu gebe es bereits, meint Grünen-Sprecherin Regina Petrik: „Das Geld im Land wäre da, es ist nur die Frage, wofür es ausgegeben wird.“

SPÖ-Landesrätin Daniela Winkler verweist auf ein Bundes-Projekt, mit dem noch bis Schulschluss ein Sozialarbeiter im Land tätig ist. Das Land leiste „mit der Finanzierung von rund 200 Vollzeitbeschäftigten im schulsozialen Bereich einen wesentlichen Beitrag“, betont Winkler. Wenn im Herbst das neue Investitionsgesetz in Kraft tritt, werden Unterstützungslehrer nicht mehr zu 100 Prozent vom Bund finanziert – das Land muss 50 Prozent der Kosten übernehmen.