Daniela Winkler: „Kindergarten jetzt wirklich gratis“. Vor dem Landtagsbeschluss sprach Landesrätin Daniela Winkler mit der BVZ über Neuerungen, Kritik und weitere Pläne.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 17. Oktober 2019 (05:28)
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„Zwei Drittel der Gemeinden steigen besser aus.“ SP-Landesrätin Daniela Winkler zur Kritik an finanziellen Belastungen. Foto: Millendorfer
Millendorfer

BVZ: Was sind die Herzstücke des neuen Kindergarten-Gesetzes?

Daniela Winkler: Der Hauptbestandteil ist die Beitragsfreiheit. Das heißt, dass für Kindergarten und Kinderkrippe ab 1. November kein Beitrag zu bezahlen ist. Es ist wie in der Schule: Man bringt die Kinder in den Kindergarten und muss nichts dafür bezahlen. Ausnahmen sind natürlich Essens- und Materialbeiträge oder Ähnliches.

Die Öffnungszeiten sollen auch angepasst werden. Wie sieht das in der Praxis aus?

Öffnungszeiten sind künftig zu erweitern, wenn es bei mindestens vier Kindern pro Altersklasse konkreten Bedarf gibt. Es gibt in vielen Kindergärten ja bereits sehr gute Zeiten, aber in speziellen Fällen kann es noch ausgebaut werden. Die Gemeinden können das selbst organisieren oder Kooperationen mit anderen Gemeinden oder Vereinen eingehen. Je nach Bedarf soll auch die Ferienbetreuung bei schulpflichtigen Kindern ausgebaut werden.

Stichwort Gemeinden: Hier gibt es viel Kritik angesichts neuer finanzieller Belastungen durch den Gratis-Kindergarten …

Wir haben die Förderung komplett umgestaltet, von einer Gruppen- auf eine Personalförderung. So werden vom Land 60 bis 65 Prozent der Personalkosten pro Pädagogin abgedeckt. Damit steigen zwei Drittel der Gemeinden besser aus als zuvor. Jene, die sehr hohe Beiträge verlangt haben, werden um die Elternbeiträge zu einem gewissen Teil umfallen. Die Frage ist aber, warum vergleichbare Gemeinden das mit geringeren Beiträgen geschafft haben.

Auf die Kommunen kommen – mit den Themen Pflege oder Mindestlohn – ja noch mehr Kosten zu. Wie wird das kommuniziert?

Es gibt auch viele Dinge, womit die Gemeinden entlastet werden und man muss das in einem Gesamtpaket sehen. Das Land zahlt mehr, weil wir die Herausforderungen angehen müssen. Natürlich werden die Gemeinden auch, wenn man es realistisch betrachtet, etwas mehr bezahlen müssen.

Die Bio-Wende ist ebenso in aller Munde. Sie schlägt sich ja auch im Kindergarten nieder.

Hier gilt ebenso, dass bis 2021 auf 50 Prozent und bis 2024 auf 100 Prozent Bio-Anteil umgestellt wird. Wir wollen mit gesundem Bio-Essen schon bei den Kleinsten anfangen. Die Umstellung auf 50 Prozent sollte für keinen Gastwirt ein Problem sein, natürlich muss man sich damit auseinandersetzen. Zur Diskussion um eine mögliche Teuerung des Kindergarten-Essens ist zu sagen, dass es eine einkommensabhängige Förderung für die Eltern gibt.

Die Englisch-Stunde für Volksschüler ist gut angelaufen. Könnte es ein ähnliches Modell auch in Kindergärten geben?

In den Volksschulen haben wir damit gute Erfahrungen und ich möchte nicht ausschließen, dass man das einmal auch in den Kindergärten anbietet. Derzeit ist es aber noch zu früh, jetzt wird das aktuelle Programm abgearbeitet.

Welche Neuerungen könnte es in der Kinderbetreuung noch geben?

Wir haben den Betreuungsschlüssel bislang als Zielformulierung geregelt – eine Betreuungsperson für vier Kinder im Krippenbereich und ein Schlüssel von eins zu zehn im Kindergarten. Das ist für mich ein großes Ziel – den Betreuungsschlüssel dahingehend neu zu regeln, um auch den Bildungscharakter noch stärker zu leben. Die neue Personalförderung schafft auch Anreize dafür.

Interview: Wolfgang Millendorfer