Briefwahl verschob alle Mandate. Einen Rekord von 925.090 abgegebenen bzw. 917.927 gültigen Stimmen erreichten die Briefwähler bei der Nationalratswahl - und sie haben kräftig umgerührt. Die Mandatsstände aller Parteien haben sich gegenüber Sonntag verändert. Wahlsieger ÖVP verlor zwei auf 71 Mandate. Die Grünen profitierten stark: Sie bekamen noch drei Mandate auf 26 dazu - und haben jetzt ihr bestes NR-Ergebnis aller Zeiten.

Von APA, Redaktion. Update am 30. September 2019 (22:57)
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Knapp eine Million Wahlkarten werden noch ausgezählt

Auch NEOS schnitten in der am Montag ausgezählten Briefwahl überdurchschnittlich gut ab - und stocken noch um ein Mandat auf 15 auf. Die Wahlverlierer verloren noch jeweils einen weiteren Nationalratssitz - so dass die SPÖ künftig nur mehr 40 und die FPÖ 31 Abgeordnete stellen wird.

Die Verschiebungen änderten jedoch nichts an den möglichen Koalitionsmehrheiten: Die ÖVP hätte sowohl mit dem bisherigen Partner FPÖ, als auch mit der SPÖ und den Grünen die Mehrheit im Parlament. Eine rot-blaue Koalition - vor der die ÖVP im Wahlkampf immer warnte - ist weit entfernt davon, die Hälfte (92) der 183 Abgeordneten zu stellen. SPÖ und FPÖ kommen zusammen nur auf die 71 Mandate, die die ÖVP jetzt schon alleine hat.

Ungewöhnlich an diesem Briefwahlergebnis war, dass die SPÖ - die zuletzt immer profitierte - diesmal ein wenig verlor auf nunmehr 21,22 Prozent. Bei der ÖVP setzte sich das schon bei der EU-Wahl beobachtete Muster fort, dass sie durch die Wahlkartenauswertung im Stimmenanteil sinkt. Dies fiel mit jetzt 37,54 (statt zuvor 38,35) Prozent recht kräftig aus. Die FPÖ verlor wie immer auf nur mehr 16,21 Prozent.

Die Grünen haben - zwei Jahre nach dem Rauswurf aus dem Nationalrat - mit 13,80 Prozent ihr bestes NR-Ergebnis seit der Gründung geschafft. Auch NEOS holten (in ihrer dritten Wahl) mit 8,06 Prozent ihren Topwert. Die Liste JETZT - die 2017 noch acht Mandate geholt hatte - blieb heuer samt Briefwahl mit 1,85 Prozent weit unter der Vier-Prozent-Hürde.

Die abgegebenen Briefwahlstimmen haben die Wahlbeteiligung zwar noch kräftig erhöht - von 60,61 Prozent in der Urnenwahl am Wahlsonntag auf nunmehr 75,07 Prozent. Aber das ist dennoch der zweit-schlechteste Wert der Zweiten Republik. Nur 2013 war die Beteiligung mit 74,91 Prozent noch ein wenig schwächer.

Bei der ersten von ÖVP-Chef Sebastian Kurz ausgerufenen vorzeitigen Wahl im Jahr 2017 war das Interesse kräftig auf 80,00 Prozent gestiegen. Als Kurz jetzt - nach dem "Ibizagate"-Crash der türkis-blauen Regierung - schon nach zwei Jahren wieder zu den Urnen rief, blieben wieder deutlich mehr Wahlberechtigte zu Hause.

Um eine Spur wird die heurige Beteiligung allerdings noch steigen: Denn am Donnerstag sind noch - nach Schätzung der Hochrechner - 30.000 bis 40.000 Wahlkarten auszuwerten. Dann steht das Ergebnis der Nationalratswahl endgültig fest. Amtlich wird das Ergebnis allerdings erst mit der Sitzung der Bundeswahlbehörde am 16. Oktober.