Landesholding-Chef: „Wir sind nicht immer angenehm“. Landesholding-Chef Hans Peter Rucker über seine Rolle und wie er dafür sorgt, dass die öffentliche Hand gut wirtschaftet: „Wir sind Sparringpartner der Unternehmen.“

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 28. Januar 2021 (05:12)
Hans Peter Rucker
Landesholding Burgenland

BVZ: Wie geht es der Landesholding in der Corona-Krise?

Hans Peter Rucker: Mit unterschiedlichen Unternehmen sind wir auch unterschiedlich betroffen. Tourismus- und Kulturbetriebe trifft es massiv, bei Unternehmen wie der Energie Burgenland läuft der Geschäftsbetrieb fast reibungslos weiter.

Die Landesholding ist enorm gewachsen, der Landeshauptmann spricht ja offen von „mehr Staat als Privat“. Wohin geht die Reise?

Rucker: Wir haben einiges dazubekommen, das Haydn-Konservatorium, die Verkehrsbetriebe, die Anteile der Fußballakademie aus der Insolvenz des SV Mattersburg oder eine Tochtergesellschaft für Kommunikation. Bestimmte Bereiche werden aber nicht weitergeführt, wie das Geschäft der Facility Management für private Unternehmen. Ich sehe es also eher so: Wenn sich volkswirtschaftliche Notwendigkeiten, aber auch betriebswirtschaftliche Chancen ergeben, dann werden wir die nutzen.

Es gab aber auch Kritik. Beim Facility Management wird davon gesprochen, dass dieser Bereich mit dem 1.700-Euro-Mindestlohn für das Land nicht mehr machbar ist.

Rucker: Diese Dienstleistungen im privaten Bereich sind privaten Unternehmen vorbehalten. Das ist kein Betätigungsfeld für die Holding. In diesem Facility- Management-Bereich liegt die Lohnkurve unter dem Mindestlohn, der in der Landesholding auch gezahlt wird. Es ist aber schon politisches Ziel im Land, dass in allen Unternehmen die Menschen den Mindestlohn bezahlt bekommen.

Sind fünf Spitals-Standorte für Sie als Holding-Chef vertretbar?

Rucker: Die Standortgarantie gibt die Politik vor, die Aufgabe des Managements ist eine gute Versorgung. Ich halte die Standorte für wichtige regionale Einrichtungen. An Spezialisierungen kommt man aber nicht vorbei, sie sichern die Häuser auch langfristig ab. Es ist nicht möglich, überall alles anzubieten.

Was sind aus Ihrer Sicht die großen Herausforderungen für 2021?

Rucker: Mit der Wirtschaftsagentur wollen wir Möglichkeiten schaffen, Unternehmen über einen Beteiligungsfonds Eigenkapital zur Verfügung zu stellen und in Krisenfällen Beteiligungen einzugehen. Das Hochfahren der Tourismusbetriebe ist eine weitere Herausforderung und wenn es losgeht, ist es wichtig, die Chance, die sich im Inlandstourismus bietet, zu nutzen.

Droht uns in der Krise eine Pleitewelle, wie viele befürchten?

Rucker: Tourismus und Gastronomie sind durch die Schließungen schon sehr stark gefordert. Was mich positiv stimmt, ist das burgenländische Handwerk. In Summe sind wir als Land bis jetzt besser durch die Krise gekommen als andere und ich glaube, das wird so bleiben.

Sie sind in laufendem Austausch mit dem Landeshauptmann. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Rucker: Sehr gut. Der Landeshauptmann ist als Aufsichtsratsvorsitzender ein wesentlicher Entscheidungsträger. Er hat ja auch eine Dynamik, die alle im Unternehmen entsprechend antreibt. Das ist zwar sehr fordernd, aber für das Unternehmen und das Land ist das natürlich positiv.

Während zum Beispiel in der Wien Holding vieles untergeordnet ist, sind im Burgenland einzelne Geschäftsfelder noch sehr dominant. Sehen Sie das auch so?

Rucker: Das hängt ja immer auch von den handelnden Personen ab. Die Frage ist, wo man seine Positionierung ansetzt. Wir haben als Landesholding nicht die Aufgabe, eine Marke zu sein und in der Öffentlichkeit zu stehen. Die Landesholding ist darauf ausgerichtet, die Prozesse zu optimieren.

Könnte es ein Ziel sein, mehr in der Landesholding zu zentralisieren? Dass man hier etwa auch Auskunft zum Strom bekommt …

Rucker: Nein, wir sind, wenn man so will, schon eine große Gemischtwarenhandlung mit zehn unterschiedlichen Bereichen. Die Entscheidungen müssen vor Ort fallen. Wir wollen die Gesellschaften betriebswirtschaftlich fordern. Das ist nicht immer eine angenehme Rolle, aber das ist das Erfolgsrezept. Wir sind Sparringpartner dieser Unternehmen und ein aktiver Eigentümer, der etwas fordert. Das ist vielleicht oft die Schwäche, die es bei öffentlichen Unternehmen gegeben hat.

Sind Sie der Kontrolleur oder Umsetzer, um zu zeigen, dass die öffentliche Hand sehr wohl wirtschaftlich arbeiten kann?

Rucker: Wir sind die Stelle, die dafür sorgen muss, dass die öffentliche Hand im Burgenland wirtschaftlich agiert. Wir machen das voller Selbstbewusstsein, wir haben bewiesen, dass wir das können. Es gehört auch dazu, dass man unangenehm ist.

Landeshauptmann Doskozil erwartet sich, dass die Energie Burgenland noch viel besser performt. Das klingt ein bisschen, als wäre es bisher zu wenig passiert.

Rucker: Die Energie Burgenland hat gute Ergebnisse. Aber im Energiemarkt steckt so eine Dynamik, da braucht es ein noch dynamischeres Management, das sagt, wir wollen das Unternehmen auch danach ausrichten. Und das ist der Hintergrund dieser Personalentscheidungen.

Interview: Markus Stefanitsch