Rot-schwarzes Duo mit der Mission für den Wein. Ex-VP-Landesrat Andreas Liegenfeld und Doskozil-Büroleiter Herbert Oschep wollen „die extrem große Marke“ zur zentralen Burgenland-Botschaft machen.

Von Markus Stefanitsch und Alexandra Gollubics-Prath. Erstellt am 29. April 2021 (05:12)
Weinliebhaber
Ohne Ideologie, aber mit voller Kraft für den Wein als größte Marke des Landes im Einsatz: Der Neo-Chef des Nationalen Weinkomitees Andreas Liegenfeld und der Aufsichtsrat der ÖWM, Doskozil-Büroleiter Herbert Oschep.
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BVZ: Als Aufsichtsräte in der Österreich Wein Marketing (ÖWM) sitzen Andreas Liegenfeld und Herbert Oschep im wichtigsten Wein-Gremium Österreichs. Weinbaupräsident Liegenfeld ist auch Vorsitzender des Nationalen Weinkomitees. Wie wird die burgenländische Weinwelt österreichweit wahrgenommen?

Andreas Liegenfeld: Wenn der Büroleiter eines Landeshauptmannes in ein Gremium wie die ÖWM geschickt wird, dann ist das eine Botschaft. Es wird vermittelt, dass hier ein Wille da ist von Landesseite, den Wein auf eine ganz wichtige Stelle zu setzen – eine Win-win-Situation für die Weinwirtschaft im Burgenland. Das Burgenland hat dort eine sehr intensive Stimme. Dass man mit mir erstmals einen Burgenländer zum Vorsitzenden des Nationalen Weinkomitees wählt, zeigt, dass man sich als Burgenländer schon entsprechend wahrgenommen fühlt. Und drittens ist da noch Christian Zechmeister, der Prokurist der ÖWM und die Nummer zwei nach Geschäftsführer Chris Yorke – er macht perfekte Arbeit und vergisst natürlich auch seine burgenländischen Wurzeln und Freunde nicht.

Herbert Oschep: Wenn man das erste Mal als Neuling in ein Gremium wie die ÖWM kommt, hat man natürlich einen gewissen Respekt. Das Burgenland hat ja nur rund 3,4 Prozent der österreichischen Bevölkerung, aber so kommt man sich als Burgenländer dort nicht vor, sondern eher wie bei unserem Landtagswahlergebnis, also fast 50 Prozent (lacht). Aber das ist in erster Linie der Verdienst vom Andi, er ist ja schon viel länger dabei und seine Expertise wird dort von jedem respektiert.

Liegenfeld: Herbert hat sich in die Thematik auch extrem eingelebt. Es macht ihm sichtlich große Freude, nicht nur in seiner Aufgabe als Vertreter des Landes in der ÖWM, sondern auch in der Wein Burgenland. Sein Zugang zur Weinwerbung ist pragmatisch, direkt und dadurch bringen wir auch sehr viel weiter.

Sie kommen aus unterschiedlichen politischen Lagern. Bringt der Wein eine Wiederbelebung der rot-schwarzen Achse?

Oschep: Da geht es nicht um ideologische Dinge. Der Wein ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor im Land und wenn man da nicht bereit ist, auf die wichtigsten Winzer zu hören, ist man selber schuld. Für uns war völlig klar, dass wir Andi Liegenfeld gebeten haben, weiter mit uns zusammenzuarbeiten. Da geht es nicht darum, einen Alt-ÖVP-ler zu holen, um die jungen

ÖVPler zu ärgern. Sondern da-rum, dass man die besten Köpfe in die wichtigsten Gremien holt. Von meiner Seite her ist das nicht nur eine Arbeitsbeziehung, sondern mittlerweile auch ein freundschaftliches Verhältnis.

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Verbinder zwischen Wein und Politik: Andreas Liegenfeld (ÖVP) lebt und liebt den Wein.
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Liegenfeld: Das kann ich nur bestätigen. Ich war ja schon in meiner Zeit in der Regierung ein Verbinder. Ich hatte mit dem damaligen Landeshauptmann Hans Niessl eine ganz gute Zusammenarbeit, ebenso mit dem damaligen Büroleiter Hans Peter Doskozil – im Endeffekt ist das nicht abgerissen. Ich bin Interessensvertreter der Weinwirtschaft des Burgenlandes, dementsprechend wichtig ist es, eine gute Zusammenarbeit zu suchen, nur so bringt man etwas weiter. Deswegen bleibe ich aber schon ein Bauernbündler und habe meine Gesinnung.

Was sind die nächsten Schritte der Achse Oschep-Liegenfeld?

Oschep: Es geht jetzt einmal da-rum, die Corona-Krise halbwegs zu überwinden, dass Öffnungsschritte stattfinden und dann muss man schauen, dass die Winzer wieder in den Markt hineinfinden. Wichtig ist, den Heim-Markt Gastronomie, Hotellerie extrem zu forcieren. Es gibt viele Winzer, für die viel weggebrochen ist. Aktionen wie die Gassl-Feste vorigen Sommer müssen wir vermehrt starten, gleichzeitig soll dieser burgenländische Weinsommer ein Markenzeichen des Landes werden.

Liegenfeld: Dieses Gastgebersein haben wir schon etwas verlernt gehabt. Man braucht auch die Medien, um Kunden überhaupt aufmerksam zu machen. Auf der anderen Seite ist das Öffnen unserer Winzerhöfe manches Mal vergessen worden. Mir ist generell die weintouristische Symbiose eine wichtige Plattform. Kundenbindungsprogramme gehören künftig gefördert – wir müssen schauen, dass wir bei ganz moderner Weinwerbung mit dabei sind. Wir Burgenländer brauchen nicht mehr in die Welt fahren, um uns Weintechnologie anzuschauen, da sind wir Weltmeister. Wir brauchen momentan eine Phase der Wertschöpfungssteigerung, sprich in der Vermarktung, in der Wahrnehmung, das dauert eine Weile, aber das ist die nächste Periode.

Wo kann man ansetzen?

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Vom Biertrinker zum Weinliebhaber: Herbert Oschep (SPÖ) bringt sich in der ÖWM stark fürs Burgenland ein.
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Oschep: Umfragen zur Bekanntheit von Weingebieten zufolge wird das Burgenland immer ganz vorne genannt. Aber im touristischen Bereich haben wir den burgenländischen Wein nicht so eingebunden, wie es notwendig wäre und das war ein großer Fehler, weil man im Land damit eine extrem große Marke hat. Da müssen wir jetzt versuchen, den Wein größtmöglich in allen Bereichen mitzunehmen. Ich glaube auch, dass ein Schweizer, Deutscher oder Wiener zwei bis drei Tage ins Land kommt, nur wegen des Weins – das ist möglich.

Vorbild Steirische Weinstraße?

Oschep: Man muss schon fast neidisch in die Steiermark blicken, wie die es schaffen, sich zu positionieren, da sind wir mindestens zwei Schritte hinterher. Wir im Burgenland haben wunderschöne Plätze, den besten Wein, da ist noch viel drinnen.

Liegenfeld: Wir haben ein viel intensiveres Kulturangebot als Nebengeräusch, wir sind auch näher bei Wien, haben den Neusiedler See als dominantes Landschaftselement. Ein ganz attraktives Ziel für uns ist etwa Parndorf, ein Verbindungsbereich verschiedenster Angebotsmöglichkeiten, das hat die Südsteiermark zum Beispiel nicht. Man muss aber schon sagen, die Weinbranche bei uns hat sich in den letzten Jahren extrem in Richtung Qualität entwickelt. In den 90er Jahren war eine Schockstarre nach dem Weinskandal. Die Branche wird jetzt immer professioneller. Es werden sich auch die Märkte verschieben, das sieht man jetzt durch Covid. Wir haben noch nie so einen Online-Markt gehabt wie jetzt, es ist noch nie so viel Wein verschickt worden wie im letzten Jahr.

Welche Emotionen verbinden Sie mit dem burgenländischen Wein?

Oschep: Der Wein ist deshalb so interessant für mich, weil er jedes Jahr ein bisserl anders ist. Da sind so viele Aspekte, die reinspielen, der Winzer ist oft Passagier. Du kannst noch so gute Arbeit leisten, wenn du zum falschen Zeitpunkt Minusgrade oder Hagel hast, dann hast du einfach Pech. Daher ist es für mich so beeindruckend, dass es unsere Winzer schaffen, jedes Jahr ein phänomenales Produkt herzustellen. Ich habe Respekt vor der Arbeit der Winzer und mir imponiert, dass sich ein rein burgenländisches Produkt weltweit mit den Besten messen kann.

Liegenfeld: 25 Prozent der burgenländischen Weinbaufläche sind übrigens schon bio. Die Vorgabe des Landes ist für uns ein Ziel, da muss ein jeder dementsprechende Schritte setzen. Ich glaube auch, dass anfängliche Irritationen zwischen Land und Landwirtschaftskammer nicht mehr da sind. Aber: Wenn ich bio mache, muss ich auch die Absätze haben. In den letzten Jahrzehnten hat der burgenländische Wein extrem an Bekömmlichkeit gewonnen. Da haben wir vom Klimawandel profitiert. Wir haben bei Rot- und Weißwein weniger Säure, mehr Frucht, gesündere Trauben mit extremer Reife. Sodbrennen bekommt man vom Mineralwasser und nicht mehr vom Wein. Aber auch Fleiß, Innovationsbereitschaft und Bildung der Winzer haben zur Verfeinerung beigetragen.

Welche Trinkempfehlung geben Sie ab?

Oschep: Meine Lieblingssorte ist Cabernet Sauvignon. Jeder, der sich für Wein interessiert, soll sich darauf einlassen. Man merkt ja ohnehin selber, was einem schmeckt. Ich habe früher nur Bier getrunken und überhaupt keinen Wein und dann mit meinem Schwiegervater zu verkosten begonnen. Ich habe mich so herangetastet.

Liegenfeld: Meine Lieblingssorte ist temporär immer eine andere, momentan ist es Weißburgunder. Nachdem ich nicht Obmann vom Wasserleitungsverband, sondern Weinbau-Präsident bin, trinke ich konsequent meine Flasche pro Tag. Schon ein vierfacher Doktor hat mal gesagt, eine Flasche Wein schadet niemandem. Es ist eine burgenländische Tugend, dass man um ein, zwei Achterl mehr trinken kann, als der Durchschnitt, das halten unsere Gene aus.