Pucher: Vom Big-Boss zum „Watschenmann“. Der Auftritt des Ex-Commerzialbank-Chefs im U-Ausschuss bewegte in mehrfacher Hinsicht. Manchmal ging es auch „deftig“ zu.

Von Markus Wagentristl und Bernhard Fenz. Erstellt am 11. Februar 2021 (05:55)
Zu zweit vor dem U-Ausschuss: Martin Pucher mit seiner Frau Elisabeth. Sie unterstützte ihn auch beim Blättern im Fragenkatalog. 
Millendorfer

„Er ist schon im Haus!“ Als Martin Puchers Ankunft im Kulturzentrum Eisenstadt die Runde machte, wunderten sich die Medien und Beobachter des U-Ausschusses. Nicht weil der Commerzialbank-Chef nach mehreren Anläufen überhaupt gekommen war, sondern weil es doch recht unbemerkt passiert war.

Die BVZ war, wie berichtet, schon bei der Abfahrt von Puchers Wohnhaus in Hirm dabei, mit Polizeischutz ging es in die Tiefgarage des Ausschuss-Schauplatzes im Kulturzentrum. Ein zweites Mal wunderten sich die Medien, als über die für die Befragungen eingerichtete Video-Leinwand verkündet wurde, dass Pucher keine Einwände gegen einen kurzen Fototermin hatte. Die Bilder vom gesundheitlich angeschlagenen ehemaligen Bank-Boss werden bleiben.

Der tiefe Fall des starken Mannes

Martin Puchers Macht und sein Talent, diese auszuspielen, sind schon seit Auffliegen der Affäre eine Konstante, wenn nach Erklärungen für die Bank-Blase gesucht wird. Im U-Ausschuss hat es mittlerweile eine gewisse Tradition, dass beinahe jede Auskunftsperson darauf hinweist, Pucher sei ein „Chef mit allen Facetten“ gewesen („Wenn er was wollte, musste man springen“); er selbst sieht sich nun als „Watschenmann“.

Und zugleich war es auch Pucher selbst, der bei seinem Auftritt jenes Bild bestätigte, das so viele von ihm zeichnen. Vor allem im Umgang mit seiner Frau Elisabeth kam es zum Vorschein. Sie stand ihm in der Befragung geduldig zur Seite, sie bekam auch die immer wieder aufkommende Ungeduld ihres Mannes direkt zu spüren.

Große Bühne für das Ehepaar Pucher. Das „Highlight“ des U-Ausschusses im Kulturzentrum Eisenstadt dauerte knapp eine Stunde lang. Der Auftritt ließ auch tief in die Beziehung von Martin und Elisabeth Pucher blicken.
Millendorfer

Inhaltlich gab es auch politischen Zündstoff (Puchers frühere ÖVP-Mitgliedschaft oder die Goldgeschenke), insgesamt war die Befragung durch einen „Deal“ aber teilweise schaumgebremst. Nach einem medizinischen Gutachten zur Vernehmungsfähigkeit des nach zwei Schlaganfällen gezeichneten Pucher, gab es für seine Befragung Bedingungen: Neben der zeitlichen Beschränkung von 45 Minuten (am Ende wurde knapp eine Stunde daraus) gehörte dazu ein schriftlicher Fragenkatalog vorab (siehe unten). Darin blätterte Pucher oft und wirkte nervös, gab aber auch spontane Antworten.

Parteien rätseln über den Pucher-Auftritt

Der Vorhang zu, die Fragen offen, hieß es nach Martin Puchers Befragung. Eine der ersten Fragen: Nimmt man ihm seinen reumütigen Auftritt ab? Roland Fürst (SPÖ): „Es war sicherlich beides: Einerseits ein Missbrauch des U-Ausschusses als Bühne für Puchers Zwecke. Andererseits steht da ein Mann vor den Trümmern seiner Existenz. Den Schmerz darüber nehme ich ihm schon ab.“ Dass die Causa noch Knalleffekte parat hält, glaubt Alexander Petschnig (FP): „Nicht einmal bei der Hypo hat es dieses strukturelle Beschenken von Politikern gegeben. Dafür wird noch jemand geradestehen müssen und Pucher allein wird es nicht sein.“

Konsequenzen für die Geschenke an Politiker will auch Markus Ulram (ÖVP) sehen. Puchers Aussagen dazu seien „einer der bisher größten Erfolge des U-Ausschusses“. Ob sich der Bank-Chef selbst bereichert habe, müssten „am Ende des Tages die Gerichte klären“. Regina Petrik (Grüne) sieht durch den Auftritt bestätigt, was immer wieder zur Sprache kam: Pucher sei grundsätzlich zwar freundlich, „aber er kann sehr, sehr bestimmt sein. Er hat angeschafft. Aber das nimmt niemanden aus der Verantwortung“.