Masseverwalter knöpft sich Sparbuch-Erstattungen vor. Der Masseverwalter der nach einem Betrugsskandal pleitegegangenen Commerzialbank Mattersburg wird jetzt penibel überprüfen, ob eine Auszahlung der Einlagensicherung von mehr als 100 Millionen Euro zu Recht erfolgte. Die Summe bekamen laut "Standard" Inhaber von rund 13.000 Überbringersparbüchern, die bis zur Geltendmachung der Ansprüche andere legitimierte Eigentümer gehabt hätten.

. Erstellt am 29. Oktober 2020 (13:46)
Symbolbild
APA/ROBERT JAEGER

Man wolle herausfinden, ob die Legitimierungserklärungen gegenüber der Einlagensicherung wahrheitsgetreu waren. Die Kanzlei des Masseverwalters, Kosch & Partner, werde nun alle Beteiligten persönlich vorladen, auch jene, die früher als Eigentümer der Sparbücher legitimiert waren.

Bei den Überbringersparbüchern ortet Masseverwalter Michael Lentsch "ein gewisses Missbrauchspotenzial", so die Zeitung. Zwar habe die Einlagensicherung ihre gesetzliche Aufgabe, unverzüglich auszuzahlen, gut erfüllt, aber man habe vermutlich den administrativen Aufwand unterschätzt, der sich aus der Überprüfung der Angaben - vermeintlicher - Kunden ergebe.

Wie der "Standard" in seiner Donnerstagausgabe weiter berichtet, hatte die Finanzmarktaufsicht (FMA) im Jahr 2015 - nach einer Vor-Ort-Prüfung, die zahlreiche Mängel zutage brachte - ein Verfahren eingeleitet. Die Aufsicht hatte im Rahmen der Prüfung Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Eisenstadt erstattet. Anlass war eine kreditfinanzierte Aufbringung von Eigenkapital. Im Zuge dieses Ermittlungsverfahrens habe die FMA im November 2015 ein sogenanntes Geschäftsleiterqualifikationsverfahren gegen den damaligen Commerzialbank-Vorstand (Martin Pucher und zwei Kolleginnen) eingeleitet. Erweist sich eine Bankleitung als nicht (mehr) qualifiziert, wird sie abberufen. Das Verfahren gegen Pucher & Co sei aber im Sand verlaufen, die Bank und ihre Abschlussprüfer hätten sich per Gutachter bescheinigen lassen, dass ihr Vorgehen rechtskonform gewesen sei. Bei der Behebung der vielen Mängel soll sich der Vorstand den Aufsehern gegenüber kooperativ verhalten haben. Als dann auch noch die Staatsanwaltschaft auf Ermittlungen verzichtete, habe die Aufsicht das Verfahren gegen die drei Bankchefs nicht mehr weiter geführt.