Bilanzprüfer bleiben unter Beschuss. Im Skandal um die Mattersburg Commerzialbank im Burgenland stehen neben dem Kreditinstitut selbst auch die Bilanzprüfer stark unter Beschuss. Anwälte prüfen Sammelklagen und Rufe nach neuen Regeln für die Bilanzprüfer werden immer lauter. Auch politisch kocht die Suche nach Verantwortlichen weiter hoch, die Opposition im Burgenland forderte heute einen Sonderlandtag zu dem Bilanzskandal.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 28. Juli 2020 (15:41)
Symbolbild
APA/ROBERT JAEGER

Die Prüfer der Bank, die TPA, sehen sich dagegen als Opfer. Am 17. Juli haben die Prüfer der Bank ihr OK für die Bilanz 2018 entzogen, geht aus dem im Wirtschafts-Compass einsehbaren Dokument hervor. Seit vergangener Woche läuft eine Sonderprüfung durch die Abschlussprüferaufsichtsbehörde (APAB) zur Arbeit des Wirtschaftsprüfers TPA an der Bilanz von 2018.

Begründet wird der Widerruf seitens der TPA mit dem Mandatsbescheid der Finanzmarktaufsicht (FMA) vom 14. Juli, aus dem aufgrund der angeführten Malversationen hervorgehe, dass angeführte Bankguthaben bei anderen Banken im Umfang von insgesamt 128,5 Mio. Euro nicht existieren würden.

"Laut Mandatsbescheid wird ausgeführt, dass bereits seit mehreren Jahren keine Geschäftsbeziehungen mit diesen Banken bestanden haben. Daher waren bereits in Vorjahren keine Bankguthaben zumindest bei diesen beiden Banken vorhanden", heißt es in dem Schreiben der TPA.

Für das Geschäftsjahr 2019 erteilte die TPA keinen Bestätigungsvermerk des Jahresabschlusses mehr, weil die Übergabe von prüfungsrelevanten Unterlagen seitens der Bank nur schleppend oder gar nicht erfolgte. Daher habe seit Monaten die aktuelle Prüfungstätigkeit geruht.

Konsumentenschützer Kolba: Prüfer haben "in einer gewissen Weise versagt"

Für Peter Kolba vom Verbraucherschutzverein (VSV) haben die Prüfer "in einer gewissen Weise versagt", sagte der Konsumentenschützer am Dienstag im Ö1-Journal des ORF Radio. Ob es im Falle einer Schadensersatzklage bei der Kanzlei aber viel zu holen gibt, sei unsicher. Die Firma müsse zwar eine Versicherung gegen derartige Schadensfälle haben, "die wird aber auch nicht ausreichen", so Kolba.

Für Geschädigte am aussichtsreichsten sei eine Klage bei der Republik, denn letztlich hätten auch "zwei Staatsanwaltschaften offensichtlich die Zeichen an der Wand nicht erkannt." Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt sowie die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hatten laut Medienrecherchen bereits in den Jahren 2015 und 2016 gegen die Bank kurz ermittelt, die Ermittlungen aber mangels Anfangsverdachts wieder eingestellt.