EGW Wohnbau bangt ebenfalls um rund 30 Mio. Euro. Wie Österreichs größter Konzertveranstalter Barracuda mit 34 Mio. Euro und die börsennotierte Wiener Techfirma Frequentis mit 31 Mio. Euro bangt in der Commerzialbank-Mattersburg-Bilanzaffäre ein weiteres Unternehmen um Geld in dieser Höhe. Es geht um die Erste gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Heimstätte GesmbH. (EGW) aus dem Umfeld von Vienna Insurance Group (VIG) und Sozialbau, wie Sozialbau-Vorstand Bernd Rießland sagte.

Von APA / BVZ.at. Update am 17. Juli 2020 (16:33)
Mythos/Shutterstock.com
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Ein weiteres heimisches Unternehmen bangt in der Commerzialbank-Mattersburg-Affäre um 30 Mio. Euro. Es geht um die Erste gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Heimstätte GesmbH. (EGW) aus dem Umfeld von Vienna Insurance Group (VIG) und Sozialbau, wie Sozialbau-Vorstand Bernd Rießland zur APA sagte. Als eigener geschlossener Wirtschaftskreis sei dies für die VIG ökonomisch nicht relevant, betont er.

Die Geschäftsbeziehung der EGW mit der Cb Mattersburg bestehe bereits seit dem Jahr 2005 und sei bisher immer in einer unproblematischen Form gelaufen, so Rießland, der auch im Aufsichtsrat der EGW sitzt. Die Gesellschaft verfüge über mehr als 150 Mio. Euro Eigenkapital. Allenfalls könne man dort Projekte nur noch mit 45 statt Prozent Eigenkapitalquote realisieren. Das sei noch immer das Doppelte der sonst üblichen Eigenkapitalquoten vieler Immo-Finanzierungen. So viel Geld bei der Bank liegen gehabt habe die EGW, um es laufend für Grundstückskäufe und Baufinanzierungen abrufen zu können.

Aufgrund der Bestimmungen des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes (WGG) sei die EGW "ein geschlossener Wirtschaftskreislauf, der zum Eigentümer hin abgeschirmt ist". Insofern sei der mögliche Verlust der Einlage bei der Cb Mattersburg auch für die VIG nicht wirtschaftlich relevant, betonte Rießland am Nachmittag im Gespräch mit der APA. Parallel berichtete auch "Der Standard" über die EGW-Gelder in Mattersburg. Die EGW, die voriges Jahr 18 Mio. Euro Gewinn schrieb, gehört zu fast 68 Prozent der VIG und zu 32 Prozent der Sozialbau, umgekehrt steht die Sozialbau zu 45 Prozent im Eigentum der EGW.

Auch die gemeinnützige Sozialbau-Tochter Neuland hatte laut Rießland bei der Cb Mattersburg Geld liegen, aber viel weniger, nämlich 1,95 Mio. Euro. "Da sind wir glimpflich davongekommen", meinte er. Denn über die Jahre - Neuland steht seit 2017 in Geschäftsbeziehung mit der Commerzialbank - seien dort auch höhere Beträge gelegen, jeweils zwischen 10 Mio. Euro und Null. Das Veranlagungssystem bei der Cb zum Abrufen von Liquidität im Bedarfsfall habe "bisher immer klaglos funktioniert". Auch in den letzten Tagen vor Mitte dieser Woche habe man noch "problemlos Geld abgerufen", so Rießland.

Die Neuland gemeinnützige Wohnbau-GesmbH gehört zu etwas mehr als 50 Prozent der Sozialbau. Der Sozialbau-Gruppe gehören vier Genossenschaften und drei Kapitalgesellschaften an. Gesellschaftsrechtlich sind die Genossenschaften gänzlich unabhängig, auch mit eigener Geschäftsführung, die Obleute rekrutieren sich aus dem Sozialbau-Vorstand. Die Sozialbau ist der größte gemeinnützige Bauträger und der größte private Hausherr im Land. Man verwaltet an die 52.000 Wohnungen.

Durch die Vorkommnisse bei der nun durch die Finanzmarktaufsicht (FMA) geschlossenen Bank sei man "sehr betroffen" und "wirklich überrascht", meinte Rießland. Denn es liege immerhin für das Jahr 2018 eine (im August 2019 hinterlegte) geprüfte Bilanz vor. Freilich seien schon damals die Forderungen der Mattersburger Bank Prüfungsschwerpunkt gewesen, also die angeblichen Einlagen des Instituts bei anderen Banken. "Wir werden in der Causa unsere Rechtsposition zu wahren wissen."