Tipps von der Rechtsanwaltskammer. Commerzialbank-Geschädigte: Möglichkeiten, um an sein Geld zu kommen

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 03. August 2020 (10:09)
Thomas Schreiner, Präsident der Rechtsanwaltskammer Burgenland
zVg

Von Seiten der Rechtsanwaltskammer gibt es wichtige Infos für Geschädigte und Tipps, wie man zu seinem Geld kommt:

Für manche Einleger der Commerzialbank Mattersburg wird der Verlust ihrer Guthaben existenzielle Folgen haben. Die Einlagensicherung, die bis EUR 100.000,00 greift, wird nur einen kleinen Teil der Schäden auffangen.

Besonders betroffen sind Gemeinden, Verbände und öffentliche Körperschaften, de-ren Einlagesummen EUR 100.000,00 oft stark übersteigt und die überhaupt keine Zahlungen erhalten werden.

Es verbleibt die Möglichkeit, sich an die Schuldigen zu halten: 

Die schuldtragenden Vorstände werden wahrscheinlich nicht über genug Vermögen verfügen, um auch nur annähernd die Schäden abzuzahlen. Ansprüche gegen Wirt-schaftsprüfer, die ihren Aufgaben pflichtwidrig nicht nachgekommen sind, sind aber denkbar. Ebenso ist das Verhalten der Aufsichtsbehörde, der Bankenaufsicht, zu prü-fen. Letztlich ist auch die Genossenschaftsaufsicht, die über den Hauptaktionär der Bank wachen hätte sollen, hinsichtlich ihrer Tätigkeit zu überprüfen. Es wird sinnvoll sein abzuwarten, bis sich die ersten Nebelschwaden gelichtet haben.

Betroffenen ist zu raten, ihren Anwalt zu kontaktieren und nachzusehen, ob eine Rechtsschutzversicherung besteht, die diesen Fall grundsätzlich abdeckt.

Mittlerweile ist ein Konkursverfahren eröffnet und ein Masseverwalter bestellt. Zu sei-nen Aufgaben gehört es, das Vermögen zu sichten und zu verkaufen und nach den gesetzlichen Regeln an die Gläubiger zu verteilen. Bei einer Bankabwicklung gibt es verschiedene Stufen von Gläubigerklassen und damit eine Bevorzugung in der Befrie-digung. Die beste Position haben Einlagen von Privatpersonen und kleinen und mittle-ren Unternehmen (über die EUR 100.000,00, die ohnehin von der Einlagensicherung abgedeckt werden), die nächstbessere Stufe Anleger von Inhaberschuldverschreibun-gen, nicht gedeckte Einlagen über EUR 100.000,00 von Großunternehmen.

Der Masseverwalter muss auch jene Gelder, die Insider und Günstlinge kurz vor Schließung der Bank noch abziehen konnten, verfolgen und zurückfordern und wird wohl auch gegen die Beteiligten Strafanzeige erstatten.