Streit um Hofläden von Hansagfood. Betreiber der Selbstbedienungs-Container geklagt, Landesregierung sieht Bio-Vermarktungsgesellschaft nicht in Gefahr.

Von Birgit Böhm-Ritter und Markus Kaiser. Erstellt am 22. April 2021 (04:55)
BVZ

Es war ein besonderes Konzept, das bei den Kunden gut ankam: der 24-Stunden-Hofladen von Hansagfood. Neun Selbstbedienungs-Container in denen der Tadtener Landwirt Hans Goldenits in den Bezirken Eisenstadt, Neusiedl und Brucker (NÖ) Bioprodukte regionaler Produzenten verkaufte, entwickelten sich seit 2018 von Geheimtipps zu beliebten Bio-Shops. Vor allem in den Abendstunden und an Sonn- und Feiertagen. Damit ist nun Schluss. Eine Anzeige des Schutzverbandes gegen unlauteren Wettbewerb bedeutet das Aus für den 24-Stunden- sowie Sonn- und Feiertagsbetrieb.

Die bäuerlichen Direktvermarkter sind von der Gewerbeordnung und dem Öffnungszeitengesetz ausgenommen, erklärt der Landwirtschaftskammer-Direktor Otto Prieler. Erlaubt ist sogar der Zukauf von Urprodukten bis zu einer Geringfügigkeitsgrenze, sowie die Zusammenarbeit mit anderen landwirtschaftlichen Betrieben, wobei der Verkauf unter dem Namen und auf Rechnung dieser Kooperationspartner erfolgen muss.

Das sei hier nicht mehr der Fall, resümiert die Wirtschaftskammer, deren Handels-Sparte grundsätzlich das Prinzip der Containershops begrüßt und deren wachsende Bedeutung erkennt. Diese hat auch das Land Burgenland erkannt und plant nun selbst 24-Stunden-Automatenshops mit Bio-Produkten in jedem Bezirk anzubieten. Das ist nicht unähnlich dem Hansagfood-Prinzip, soll aber nicht dessen Schicksal teilen: Da man gänzlich auf Automaten setzen will, komme das Öffnungszeitengesetz nicht zur Geltung, heißt es auf BVZ-Nachfrage. Hans Goldenits habe man von Landesseite aus nicht helfen können, dazu bedürfe es einer Änderung des Bundesgesetzes.