Industriellenvereinigung Burgenland wird 40

Die Industriellenvereinigung Burgenland feiert ihr 40-jähriges Bestehen und blickt Corona, Rohstoff- und Facharbeiter-Mangel zum Trotz optimistisch in die Zukunft.

Erstellt am 19. September 2021 | 06:00
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Manfred Gerger, IV Burgenland Präsident
Foto: Julia Mezgolits

Anlässlich des Jubiläums wird nicht nur gefeiert, Präsident Manfred Gerger will die Jungen von der Qualität der heimischen Unternehmen überzeugen. Von einer Impfpflicht gegen Covid-19 hält er nichts, Anreize für Unentschlossene sind für ihn das Mittel der Wahl, wie er im APA-Interview erklärte.

Die Politik habe derzeit das Ziel, einen drohenden vierten Lockdown unbedingt zu verhindern, mit gestaffelten Maßnahmen, die zum Teil für Verwirrung gesorgt hätten. "Ich beneide niemanden, der in dieser Situation eine Entscheidung treffen muss", meinte Gerger aber. Die Industrie habe auch in den vorangegangenen Lockdowns weiter produziert, wenngleich die Bestimmungen nicht förderlich gewesen seien. "Die Unternehmen kämpfen mit unterbrochenen Lieferketten", vor allem die Bau- und die Kfz-Branche sowie deren Zulieferer hätten dadurch massive Probleme. Europa und Österreich seien abhängig von Elektronik- und Chipherstellern aus Asien und den USA: "Die wiegen ab, wo mehr zu verdienen ist."

Die Ankündigung von Minister Martin Kocher (ÖVP) für eine Arbeitsmarktreform begrüßt der burgenländische IV-Präsident, da alles unternommen werden müsse, um mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen. Wenn man Arbeitslose motivieren kann, für das Geld das sie vom AMS bekommen, einen Job anzunehmen, sei dies ein großer Schritt in die richtige Richtung. "Das Arbeitslosengeld zu erhöhen, um ein Auslangen zu finden, das überzeugt mich nicht. Es sollte motiviert werden, eine Beschäftigung anzunehmen", betonte Gerger.

Im von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) forcierten Mindestlohn in Höhe von 1.700 Euro netto sieht der IV-Präsident keine Lösung, denn dies könne sich die Wirtschaft nicht leisten und das Aushandeln von Löhnen sei Aufgabe der Sozialpartner. Viel eher bräuchte es eine Steuer- und Abgabenreform, um die Unternehmer und Arbeitnehmer zu entlasten, forderte Gerger. Er kritisierte auch, dass die Betriebe die Mitarbeiter gut qualifizieren, diese dann aber von landesnahen Unternehmen abgeworben werden. Die Maßnahme sei daher "nicht förderlich und spaltet die Gesellschaft".

Zurück zu Corona, eine Impfpflicht lehnt Gerger ab: "Schon jetzt gibt es eine Spaltung in der Gesellschaft, man darf nicht verurteilen und die Spaltung vorantreiben." Er spricht sich hingegen für die Motivation der Impf-Skeptiker aus, um die Impfquote zu heben, und begrüßt Maßnahmen wie die vom Land kürzlich vorgestellte Impf-Lotterie. Dadurch würden ein paar weitere Impfwillige gewonnen, der IV-Präsident appelliert aber an die Eigenverantwortung: "Jeder sollte so viel Verantwortungsbewusstsein haben."

Was die Forschungsquote betrifft hingegen, sei das Burgenland seit Jahren "die rote Laterne". Die Kooperation von Forschungseinrichtungen und Industrie müsse forciert werden und es müsse gelingen, junge Menschen im Land zu behalten, sowohl in der Ausbildung als auch dann im Job. Das Burgenland verfüge etwa im Bereich der Lichttechnik und der erneuerbaren Energie über eine große Kompetenz. Vielversprechend sei etwa auch der neue Studiengang Angewandte Elektronik und Photonik in Pinkafeld.

Zum Jubiläum der IV Burgenland zeigte sich Gerger daher optimistisch, zumal es im Burgenland "wunderbare Unternehmen" gebe. Natürlich gebe es Bereiche, "in denen wir den Druck auf die Politik erhöhen müssen", insgesamt sieht er die Entwicklung aber positiv. Gefeiert werden "40 Jahre IV Burgenland" am 29. September in Eisenstadt.