Energiepreise: Geht das nicht auch günstiger?

Die Senkung von CO2-Emissionen und ein Streit zwischen Russland und den USA treiben die Strompreise derzeit nach oben.

Erstellt am 02. Dezember 2021 | 05:02
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Strompreis Energiepreis Symbolbild
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Am vergangenen Freitag lud die Energie Burgenland zum Hintergrundgespräch über die Entwicklung der Energiepreise. Dieses Gespräch notwendig gemacht hatte ein „Meteoriten-Einschlag“. Diesen meinte Geschäftsführer Stephan Sharma zwar nur sprichwörtlich, an einem empfindlichen Punkt trifft er die Menschen im Burgenland dennoch – im Geldbörsel.

Woher kommen die hohen Energiepreise?

Sharma ist seit 2001 in der Energiebranche tätig, damals wurde der österreichische Energiemarkt liberalisiert. Bis dahin bestimmte die Preisgestaltung zu 100 Prozent der Staat. Danach waren es nur noch rund 60 Prozent, etwa über Steuern, Gebühren und Netzkosten. Die restlichen 40 Prozent kommen seither auf dem europäischen Energiegroßhandelsmarkt zustande. Wie an der Börse gibt es hier kurzfristige Geschäfte („Spotmarkt“), die noch am gleichen Tag geschlossen werden, oder langfristige Geschäfte („Terminmarkt“), die die Energie Burgenland in der Regel etwa auf zwei Jahre abschließt. Und hier hat der „Meteorit“ eingeschlagen: Die Preise stiegen um das bis zu Vierfache.

Preisentwicklung am Energiemarkt
Teurer statt günstiger. Das Burgenland produziert zwar viel Energie, muss aber dennoch die Hälfte seines Bedarfs importieren. Und das ist derzeit teuer.
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Der mit Abstand wichtigste Gaslieferant für Europa ist Russland, der Preis richtet sich im Wesentlichen an der Gasmenge, die Moskau über seine Pipelines nach Westen schickt. Eine dieser Pipelines ist derzeit leer: Die Deutsche Behörde hat „Nordstream 2“ noch nicht zertifiziert. Es hapere aus deutscher Sicht an Formalfehlern, weiß Sharma. Da wären aber auch noch die USA, die ihr Flüssiggas – das im umweltpolitisch höchst umstrittenen Fracking-Verfahren gewonnen wurde – gerne nach Europa verkaufen würden. „Nordstream 2“ würde einen Strich durch Washingtons lukrative Rechnung machen. Die Folge: Stand der Gaspreis im Oktober 2020 noch bei 14,3 Euro pro Megawatt-Tonne, waren es heuer schon 55,6 Euro.

Umweltschutz kommt Verbraucher teuer zu stehen

Dann wäre da noch das klimapolitische Ziel, die Kohlendioxid-Emissionen bis 2030 zu halbieren. Das treibt die Preise am CO2-Terminmarkt für Energiekonzerne nach oben. Und zwar deutlich: Kostete die Tonne im Oktober 2020 noch 25,2 Euro, sind es ein Jahr später schon 59,5 Euro.

Die beiden Faktoren – Gas- und CO2-Preis – treiben auch den Strompreis nach oben und zwar empfindlich: 42 Euro pro Megawatt-Tonne zahlten Energiekonzerne auf Europas Energiebörsen noch im Oktober 2020, im Oktober 2021 waren 130 – ein Verdreifachung.

Die rein theoretische Energieautarkie

Was kümmert uns jetzt die große Welt, wo wir im Burgenland doch ohnehin die Strommengen, die wir brauchen, selbst produzieren, also „energieautark“ sind? Das seien wir nur in der Theorie, betont Sharma.

Die 14 Terrawatt-Stunden, die das Burgenland jährlich braucht, produzieren wir jährlich auch ungefähr. Allerdings kann der zu Spitzenzeiten (etwa, wenn es besonders windig oder sonnig ist) produzierte Stromüberschuss nicht gespeichert werden. Wenn die Windräder stillstehen, müssen wir importieren. Insgesamt importieren wir die Hälfte unseres Stromes – und von dieser Hälfte kommt fast alles aus Öl- und Gasquellen, drei Prozent von Atomkraftwerken.

Unterm Strich muss die Energie Burgenland sieben Terrawatt-Stunden zukaufen – und das zu einem Preis, der dreifach über dem Vorjahrespreis liegt. Den Endkunden kann man das freilich nicht weitergeben, es wäre Sharmas letzter Tag im Chefsessel. Zehn Prozent muss er davon den Kunden dennoch weitergeben. „Die absolute Schmerzgrenze“, betont er, „ab dann beginnen die roten Zahlen. Und das Land braucht unseren finanziellen Überschuss, um öffentliche Leistungen zu zahlen.“ Konkurrenten würden ihren Kosten deutlicher erhöhen, verweist Sharma auf das Vergleichsportal durchblicker.at , das die Energie Burgenland als günstigsten (Ökostrom-) Anbieter listet.

ÖVP-Landesparteiobmann Christian Sagartz sieht damit eine ÖVP-Forderung bestätigt, er will aber weiterhin Gewinne in Form von Energiegutscheinen an die Kunden der Energie Burgenland ausbezahlen.

Der Preis der echten Energie-Unabhängigkeit

Das ist auch das Stichwort für die Lösung aus dem globalen Strompreis-Dilemma: Das – zwei Milliarden teure – Setzen auf „eigenes Gold“, wie Sharma es nennt. Also Wind und Photovoltaik. Während die Idee an sich kaum Widerspruch findet, hat die Umsetzung für Kritik gesorgt: Insgesamt 1.440 Hektar große Riesen-Solarparks sollen vor allem auf Ackerflächen verbaut werden – diese stehen noch dazu großteils im Besitz von vier Großgrundbesitzern.

Mit PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden käme man nicht annähernd auf die notwendige Leistung, hieß es dazu von der Energie Burgenland. Das ebenfalls vorgeschlagene Anbringen von PV-Anlagen bei Autobahnen sei wegen mangelnder Netz-Anschlüsse nicht möglich. Wenige Kilometer nördlich geht es dann plötzlich, in Bruck/Leitha brachte die Asfinag 900 Paneele an, mit den damit produzierten 370 Megawatt-Stunden Strom kommen 74 Haushalte ein Jahr lang aus.