Der Klimawandel beeinflusst immer stärker unsere Ernte. Unsere Bauern waren immer schon von Wind und Wetter abhängig. Durch den Klimawandel wird diese Abhängigkeit immer größer. So war das Jahr 2018 bereits zu warm und es gab wenig Niederschlag.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 16. Juli 2019 (13:24)
APA (dpa)
Symbolbild

Eine unterdurchschnittliche Getreideernte ist zu erwarten.

Güssing, 16. Juli 2019 – Unsere Bauern waren immer schon von Wind und Wetter abhängig. Durch den Klimawandel wird diese Abhängigkeit immer größer. So war das Jahr 2018 bereits zu warm und es gab wenig Niederschlag. Diese Witterungsverhältnisse haben sich 2019 fortgesetzt. Milderung brachte dann der Mai. Der feuchte und kühle Monat rettete in manchen Regionen die landwirtschaftlichen Kulturen im Burgenland. Die Temperaturen im Juni sind die heißesten seit es Aufzeichnungen gibt. So konnte bereits am 23. Juni mit der Wintergerstenernte begonnen werden. Für 2019 wird eine unterdurchschnittliche Getreideernte erwartet.

Ein Rückblick: Der Klimawandel und die Auswirkung auf die Ernte

Bis dato war 2019 kein leichtes Jahr für burgenländische Bauern. Drahtwurm und Dürre verursachten einen Versorgungsengpass mit heimischen Erdäpfeln. Starke Wetterkapriolen im Mai vernichteten die Hälfte der Erdbeerfelder im Bezirk Mattersburg. Durch eine Kältefront während der Bestäubungszeit und heftige Regenfälle im Mai wurden bis zu 70 Prozent Ernteeinbußen bei Kirschen festgestellt. Der Klimawandel mit seinen unregelmäßigen und heftigen Wettervorkommnissen ist da.

Den größten und dramatischsten Rückgang gab es bei Winterraps (-16 %) und Zuckerrüben (-24 %). Diese Kulturen sind sehr schwierig zu bewirtschaften. Sie sind leicht anfällig auf Schädlinge und Krankheiten, auch fehlen notwendige Pflanzenschutzmittel. Die Getreidefläche ist ebenfalls gegenüber 2018 um zwei Prozent (ca. 1000 Hektar) zurückgegangen. Mais (+3 %) und Soja (+12 %) konnte an Fläche gewinnen.

Der Klimawandel und die Ernte.

„Im Burgenland fällt die Ernte dieses Jahr von Region zu Region unterschiedlich aus. Der Klimawandel stellt unsere Bauern immer wieder vor neue und immer größer werdende Herausforderungen. Er schlägt sich bei Produktionsleistungen nieder. Die Ernte fällt oft niedriger aus. Einerseits kann man das Wetter nicht bestimmen. Andererseits fehlen oft nötige Produktionsmittel, die einen größeren Ernteausfall verhindern könnten. Aufgrund des Klimawandels wird sich daher in den kommenden Jahren die Kulturartenverteilung verschieben. Notwendig ist die Züchtung neuer Sorten, die stresstolerant gegenüber starker Hitze und Trockenheit sind“, so DI Nikolaus Berlakovich, Präsident der Burgenländischen Landwirtschaftskammer.

Herkunft der Produkte wird immer wichtiger.

„Der Klimawandel beeinträchtigt die Produktion, wodurch bei Engpässen oft importiert werden muss, um den Markt mit regionalen Produkten zu versorgen. Um die heimische Produktion zu sichern, ist es umso wichtiger zu wissen, woher die Produkte kommen. Importe aus Drittländern und vor allem das Mercosurabkommen lassen finanzielle Nachteile auf unsere Bauern zukommen. So steigt der finanzielle Druck und wirkt sich negativ auf unsere Familienbetriebe aus. Wir müssen achtsam sein und dürfen nicht zulassen, dass unsere regionale Ware mit hohen Produktionsstandards Konkurrenz von ausländischer Ware erhält, die noch dazu durch weite Transportwege eine höhere CO2-Bilanz aufweisen“, so KR Ök.-Rat Johann Weber, Obmann Raiffeisen-Lagerhaus Südburgenland.

Bioabsatzmaßnahmen

Die gesamte Biofläche (Acker, Grünland, Spezialkulturen) des Burgenlandes liegt laut Mehrfachantrag (MFA) bei 63.000 Hektar. „Im Burgenland gibt es derzeit 36,6 Prozent Bio-Ackerfläche. Das Burgenland hat bereits jetzt den höchsten Bio-Ackerflächenanteil in den Hauptackerbaugebieten von ganz Österreich. Die Ware ist da. Doch ist es jetzt vor allem wichtig, einen Markt für Biolebensmittel zu schaffen. Denn derzeit kann Bio-Umstellungsgetreide nur zu den geringeren konventionellen Preisen vermarkten werden. Fakt ist, das Bio zu konventionellen Preisen, aufgrund der geringeren Erträge auf die Dauer nicht möglich ist. Überzeugungsarbeit bei den Konsumenten ist zu leisten, damit sie wirklich im Regal zu biologischen Produkten greifen und dafür einen höheren Preis zahlen“, so Ing. Werner Falb-Meixner, Vizepräsident der Burgenländischen Landwirtschaftskammer.