VCÖ fordert rasche Sanierung des Verkehrssystems. Nachhaltige Verkehrsplanung muss rasch und stärker gefördert werden, damit die Klimaziele bis 2050 erreicht werden können. Das stellte der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) in seiner neuen Publikation fest, die am Donnerstag in Wien präsentiert wurde. "Das aktuelle Verkehrssystem ist ein Sanierungsfall", sagte Verkehrsexperte Markus Gansterer.

Erstellt am 17. November 2016 (12:32)
Markus Gansterer, VCÖ-Experte
NOEN, VCÖ

Im Jahr 2015 verbrannte der Verkehr in Österreich 7,7 Millionen Tonnen Erdöl, für 99 Prozent davon war der Kfz-Verkehr verantwortlich. Das Klimaabkommen von Paris sieht hingegen vor, dass bis zum Jahr 2050 der Verkehr ohne Erdöl funktionieren muss. Dem fossil betriebenen Verkehr in Österreich werde jedoch nach wie vor freie Bahn geboten.

Unmittelbare Auswirkungen seien Gesundheitsbelastungen durch Feinstaub und die zu langsam sinkende Zahl der Verkehrsopfer. "Das Grundproblem hierzulande ist die starke Ausrichtung auf den Kfz-Verkehr", betonte Gansterer, "dabei sollte man den Menschen zum Maßstab machen."

Als dringend umzusetzende Maßnahmen für die nächsten Jahrzehnte sieht der VCÖ nicht nur eine Neuaufstellung der Straßenverkehrsordnung, sondern auch den Ausbau der Elektromobilität. Die Zahl der E-Autos in Österreich habe sich seit dem Vorjahr zwar verdreifacht, Verbesserungen der Infrastruktur seien aber nötig. Vor allem müsse erst einmal das Bewusstsein geschaffen werden, Gesundheit höher zu bewerten als die Flüssigkeit des Verkehrs.

Druck der öffentlichen Hand und Industrie nötig

In Österreich wird vermehrt das Thema Parkraumbewirtschaftung diskutiert. Auch Begegnungszonen, etwa in Melk, Bregenz oder Wolfurt wurden laut VCÖ erfolgreich umgesetzt. Zahlreiche Beispiele für nachhaltige Verkehrsplanung gibt es bereits auf internationaler Ebene, so wurden in Städten wie Seoul oder Portland Stadtautobahnen zurückgebaut. "Die Straßen der Vergangenheit werden abgerissen und der Platz wird den Menschen zurückgegeben", sieht Gansterer diese Entwicklungen positiv.

Zur Umsetzung solcher Projekte brauche es in Österreich zukünftig stärkeren Druck sowohl der öffentlichen Hand als auch der Autoindustrie.