IV Burgenland blickt positiv nach vorne. Die IV Burgenland durfte beim diesjährigen Neujahrsempfang wieder über 150 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft begrüßen.

Erstellt am 09. Januar 2018 (13:07)

Präsident Manfred Gerger ging in seiner Rede davon aus, dass sich der positive Konjunkturtrend der letzten Monate im Jahr 2018 weiter fortsetzen wird. Der allgemeine internationale Konjunkturaufschwung verspricht ein anhaltendes Wachstum der Österreichischen Exporte. Osteuropa boomt und zeitigt dadurch einen nachhaltigen Aufwärtstrend.

Diese positiven Entwicklungsprognosen steigern die Bereitschaft und den Mut zu Investitionen und Veränderungen, was wiederum die Chance für Beschäftigungspotentiale und die Sicherung unseres Wirtschaftsstandortes in sich birgt. "Wir blicken positiv in die nächsten 12 Monate – sofern zwangsläufige Veränderungen zügig gemeinsam herbeigeführt werden", so  Gerger.

Richtige und mutige Impulse

Im Regierungsprogramm sieht der Präsident wichtige, richtige und mutige Impulse dafür, unseren Wohlstand aufrecht zu erhalten. Wichtige Maßnahmen, wie die vorgesehene Modernisierung der Arbeitszeit, die Senkung der Steuer- und Abgabenquote für Menschen und Unternehmen sowie eine Reihe an Maßnahmen zur Entbürokratisierung für Betriebe und zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren bei Infrastrukturprojekten sind wichtige Rahmenbedingungen.  Für die Industrie äußerst wichtig ist auch das klare Bekenntnis zur EU, zu CETA und zu einer aktiven Handelspolitik.

Zum Thema Standortattraktivität zitierte Gerger Jakob Zirm von der Presse: „Der Staat muss ein gutes Umfeld für Jobs schaffen, nicht die Jobs selbst“. Präsident Gerger pocht auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern, der steuerlichen Entlastung und den Bürokratieabbau. Gleichzeitig bezeichnet er den Beschäftigungsbonus in Zeiten des Konjunkturhochs als unverantwortliche Verschwendung von Steuergeldern, die Aktion 20.000 steuert am Ziel, die Ursachen zu bekämpfen, vorbei.

Als Schlüssel zum Job und zu fitten Mitarbeitern, vor allem im Hinblick auf die digitale Zukunft, sieht Manfred Gerger Aus- und Weiterbildung. Diese sichert den Wohlstand und den Standort Burgenland. "Wir müssen die "Trumpfkarte Humanvermögen" ziehen, so dass sie auch sticht".

Mit dieser "Trumpfkarte Humanvermögen" beschäftigte sich die anschließende Podiumsdiskussion, aufbauend auf Umfragen der IV Burgenland unter Unternehmer, Schüler und Pädagogen. Abgefragt wurden vom Chefökonomen der IV, Christian Helmenstein, die Erwartungen der jeweiligen Stakeholder an die zukünftigen 

Mitarbeiter, den Arbeitgeber, die schulische Ausbildung im Zeitalter der Digitalisierung.

Zwei Prozent Beschäftigungswachstum im Burgenland

Helmenstein geht immerhin von einem Wachstum in diesem Jahr von über drei Prozent aus. Dies bedeute den Beginn des Investitionszyklus und somit einer Zeitenwende, wo der Ressource Humanvermögen eine essentielle Bedeutung zukommt. Für das Burgenland prognostiziert Helmenstein einen Beschäftigungszuwachs von zwei Prozent.

Mehr Vorbereitung auf das Leben

Präsident Manfred Gerger setzt auf die Weiterentwicklung der Lehre in Zusammenarbeit mit den Schulen, um dem Engpass an Fachkräften Herr zu werden. Der Landesschulsprecher der BHS, Sebastian Kopf wünscht sich vom Unterricht mehr Vorbereitung auf das Leben, einen Schwerpunkt auf soziale Kompetenzen und mehr vom learning by doing, wie zum Beispiel bei Juniorfirmen.

Rosemarie Lehner von der Pädagogischen Hochschule Burgenland sieht in den methodisch-didaktischen Lernmethoden noch Luft nach oben wenn es um die Vermittlung von digitalen Kompetenzen geht. Allerdings gäbe es da kein Rezept. "Das Leben lässt sich nicht in Fächer organisieren, die Schule ist aber in Fächern organisiert", so Lehner. 

Reformbedarf bei Digitalisierung

Auch Landeshautmann Hans Niessl sieht Reformbedarf in Sachen Digitalisierung und Schule. "Die Inhalte müssen an die Bedürfnisse der Wirtschaft angepasst werden". Und  er spricht sich auch für Talente- und Werteförderung aus. Aber "das kann nicht gelehrt werden, das muss man Leben". Von der Bundesregierung wünscht sich der Landeshauptmann eine rege Diskussion darüber, wie wir die Qualität des Unterrichtes noch mehr steigern können. Außerdem wünscht er sich mehr finanzielle Mittel, um in Forschung und Entwicklung zu investieren. "Hier haben wir im Burgenland noch einen Aufholbedarf", so der Landeshauptmann.

Wenig Begeisterung löst der Vorschlag von IV Chefökonom Christian Helmenstein beim Landeshauptmann aus, grenzüberschreitende, duale Lehrlingsausbildung anzubieten. "Wir haben im Burgenland 116 Jugendlich ohne Lehrstelle. Die haben für mich Priorität". Allerdings würde er gerne auch andere Modelle diskutieren, wenn es um die Beseitigung des Fachkräftemangels geht!

Fazit der Diskussion war: wir sind auf dem richtigen Weg, müssen aber weiter an einem Strang in die richtige Richtung ziehen - besonders was die Vermittlung von digitalen Kompetenzen angeht!