Raika-Könighofer: 90 Jahre und „gesund wie noch nie“. Generaldirektor Rudolf Könighofer über den Zustand von Raiffeisen Burgenland im Jubiläumsjahr, Krisenbewältigung und warum eigentlich Kunden Filialen zusperren.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 03. Oktober 2018 (08:00)
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Rudolf Könighofer
Generaldirektor Rudolf Könighofer kann dank ausgezeichnter Bilanzen im aktuellen Interview mit der BVZ gelassen das 90-Jahr-Jubiläum genießen. 
Sorger

BVZ: 90 Jahre Raiffeisen Burgenland. Wie ist der Gesundheitszustand Ihrer Bank?
Könighofer: Erstaunlich gut, so kräftig wie noch nie, so gesund wie noch nie. Wir haben 23 Prozent hartes Kernkapital und 25 Prozent Eigenmittel. Wir haben doppelt so viel Kapital, als die strenge Gesetzgebung uns das vorschreibt. Das ist ein Zeichen für Gesundheit und Vitalität und: Wir schreiben Gewinne.

Was macht dann Raiffeisen Burgenland besser als die anderen Banken im Land?
Besser möchte ich gar nicht sagen, die Mitbewerber machen die Sache durchaus auch gut. Wir haben ganz einfach mehr Bankstellen, mehr Möglichkeiten für den Kunden, mit uns Geschäfte zu machen, mehr Mitarbeiter. Wir wollen am Land sein, in den Dörfern und Orten, wir sind der finanzielle Nahversorger und trotz Digitalisierung werden wir das auch in großem Umfang bleiben.

 
 

Es ist fast ein Lob für Raiffeisen, wenn es immer wieder Aufregung bei Filialschließungen gibt. Wie schaut der langfristige Filialenplan im Burgenland aus?
Das klingt jetzt sehr unprofessionell, ist es aber nicht und erklärt sich aus unserer Struktur: Wir haben keinen langfristigen Plan. Wir haben einen Plan, Bankstellen so lange als möglich zu erhalten. Wir haben 22 selbstständige Raiffeisenbanken und die Landesbank, die gemeinsam 110 Bankstellen führen. Nicht wir, sondern die Kunden sperren zu. Wenn eine Klein- und Kleinstbankstelle im ländlichen Bereich nicht mehr frequentiert wird, weil die Kunden das nicht mehr brauchen, müssen wir aus betriebswirtschaftlicher Sicht zusperren. Aber das ist nicht unser Ziel, wir haben keinen Schließungsplan.

Rudolf Könighofer
Generaldirektor Rudolf Könighofer kann dank ausgezeichnter Bilanzen im aktuellen Interview mit der BVZ gelassen das 90-Jahr-Jubiläum genießen. 
Sorger

Die Stichwörter Nähe, Sicherheit und Vertrauen sind gerade bei Raiffeisen sehr groß geschrieben. Wie wird das in der Praxis gelebt?
Wenn man bei Raiffeisen ist, gerade am Land, dann ist man ja nie außer Dienst, sondern man ist am Abend auch im Gasthaus oder beim Fußballverein. Da redet man dann nicht „keilerisch“, sondern automatisch als Betreuer auch über das Geschäft. Die Nähe zum Bankgeschäft ist aber nicht mehr durch die Filiale allein definiert, sondern auch durch die Digitalisierung und das Internet. Da ist die Bank jederzeit und überall am Handy verfügbar.

Was bedeutet die Digitalisierung konkret für Ihre Bank?
Wir haben gerade „mein ELBA Neu“ für den Kunden gelauncht. Ich persönlich glaube nicht, dass die nächsten Jahre Roboter-Advisory und digitaler Verkauf nur über diese Schiene die Zukunft sind. Es ist ein Informationskanal, ein Transaktionskanal und ein Kanal, wo man gut in Kontakt bleibt, wo Kunden fragen können, viele Informationen sammeln können. Am Ende des Tages wollen dann die Menschen aber doch einen Betreuer vor Ort, der alles nochmals im Detail erklärt. Vor allem, wenn es dann um eine Wohnbaufinanzierung oder die Vorsorge geht. Das ist ein wichtiger Teil unseres Konzeptes.

Die Finanzkrise 2008 hat Europa erschüttert. Manche Experten sprechen jetzt wieder von sogenannten gefährlichen Blasen. Rechnen Sie mit einer Finanzkrise in naher Zukunft?
Krisen kommen sehr schnell und im Nachhinein gibt’s dann immer irgendwelche Quellen, die es schon gewusst haben wollen. Fest steht: Nach der Krise ist vor der Krise. Es kommen Krisen. Wann, wissen wir nicht, das hängt auch von politischen Entscheidungen ab. Krisensicherheit bedeutet für uns hohes Eigenkapital, Vertrauen der Kunden und keine Eigentümer, die gierig Quartalszahlen verlangen und ständig hohe Ausschüttungen, sondern die unsere Gewinne, wenn sie weniger werden, in der Bank als Kapital lassen.

In Europa rechnet man, dass die Zinsen irgendwann wieder steigen. Wann rechnen Sie damit?
Ich weiß es nicht. Ganz ehrlich, wenn ich das wüsste, würde ich von einer sehr schönen Karibikinsel aus meine Dispositionen treffen und würde, so gern ich hier arbeite, trotzdem mir den Knochenjob eines Retail-Bankers nicht mehr antun müssen. Wer weiß, wann die Zinsen steigen, kann auch zaubern.

Wie geht es Raiffeisen am Personalmarkt?
Schwierig! Banken sind nicht mehr so attraktiv für die „Young Potentials“, da sind neue Medien und internationale Unternehmen attraktiver. Also wenn schon Bank, dann wollen junge Menschen eher zur Raiffeisen Bank International, mit Auslandsaufenthalt und internationalem Netzwerk. Filialbanker im Burgenland zu werden, steht da nicht so hoch im Kurs.

Warum soll ein junger Mensch bei Raiffeisen anfangen?
Er soll bei einer Raiffeisenbank anfangen. Wenn er möchte, dann kann er bei der Raiffeisen Bank International eine internationale Karriere anstreben. Und wenn er mit 35 wieder zurück ins Burgenland und sesshaft werden möchte, dann gibt’s immer gute Jobs bei uns in Eisenstadt. Interview: M. Stefanitsch