„Keine Perspektiven“: Hoteliers laufen Sturm. „Bitte warten“ statt Tourismus-Testregion: In denheimischen Thermen herrscht Frust. Sogar mit Klage wird gedroht.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 04. März 2021 (05:33)
Dieses Mal einer Meinung. WK-Präsident Peter Nemeth und Landeschef Hans Peter Doskozil (v.l.) sind für „einen gangbaren Weg“ in der Krise.
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Als österreichweite „Testregion“ für den Tourismus wollte das Burgenland mit seinen Thermenhotels noch im März durchstarten – das Angebot verhallte aber im Bund. Nachdem nun die schrittweise Öffnung ab Ende März in Aussicht gestellt wurde – Kultur und Sportveranstaltungen müssen noch länger warten –, wurden Proteste laut.

Von den Vorgaben enttäuscht und in der Sache einig zeigten sich dabei Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Wirtschaftskammer-Präsident Peter Nemeth. Doskozil wie Nemeth vermissen Planbarkeit, beide betonen, das Virus würde uns „noch länger begleiten“, daher brauche es eine Öffnungs-Strategie und Test-Konzepte.

„Hilfe reicht bald nicht mehr aus“

Ins selbe Horn stoßen Gastronomie und Kulturveranstalter, die einzelne Events schon wackeln sehen. Besonders kritisch äußern sich die Thermenbetreiber, die allesamt auf bereits erprobte Sicherheitskonzepte verweisen.

Im Bund heißt es, diese Konzepte würden auch anerkannt, das Problem sei aber die Mobilität, die durch die Beherbergung ausgelöst werde, weshalb man noch warten müsse. „Dass mit der Auslastung im Tourismus auch die der Krankenbetten steigt, ist praktisch ausgeschlossen. Im professionellen Bereich sind Eintrittstests und Abstandsregeln Teil des Konzepts“, sagt hingegen Klaus Hofmann, Vizepräsident der Hoteliers-Vereinigung und Geschäftsführer der St. Martins Therme & Lodge.

„Es wird immer deutlicher, dass jede Woche Lockdown die Wirtschaft noch härter trifft und die bisherigen Hilfsmaßnahmen bald nicht mehr ausreichen. Verschärfend kommt hinzu, dass die Hilfen nur stockend fließen“, befürchtet Hofmann die Schließung vieler Betriebe bei ausbleibender Liquidität.

Scharfe Kritik an Bund und Wirtschaftskammer äußert der Stegersbacher Hotelier Johann Haberl, der sich sogar vorstellen könnte, „den Staat wegen Ungleichbehandlung zu klagen“.

„Kurhäuser können öffnen, wir nicht? Das ist unerhört“, so Haberl. „Die Ansteckungen finden nicht in den Hotels statt, sondern im Privaten. Außerdem muss man auch an die Produzenten denken, denen die Abnehmer fehlen“, so Haberl. Zu einem Rundumschlag holt auch Hotelier Karl Reiter aus: „

Wir sind enttäuscht von der Politik und auch von den Behörden, denn offensichtlich waren die niemals Willens, dass etwas in Richtung Öffnung passiert.“

Die Hoteliers sind aus Reiters Sicht die Leidtragenden: „Unseren Mitarbeitern geht es gut, sie sind durch die Kurzarbeit abgesichert, aber wir haben keine Perspektive. Wir zahlen einen Löwenanteil der Gehälter und das politische Hick-Hack interessiert niemanden von uns. Ich habe es satt, ständig die Karotte vor die Nase gehalten zu bekommen. Im Grunde wissen wir nicht, wie es weitergehen soll.“

Wo bleiben die „echten Gäste“? Das AVITA Bad Tatzmannsdorf mit witziger Social-Media-Aktion zum Ernst der Lage.
AVITA, Vicky Baum

Ähnlich gefrustet zeigt sich Peter Prisching vom AVITA-Resort in Bad Tatzmannsdorf: „Ich habe viel Verständnis, aber mittlerweile bin ich frustriert und sauer. Wir versuchen seit Monaten über alle Kanäle, Vorschläge zu liefern, aber werden nicht gehört.“ Ein Problem sieht er in der „langsamen“ Impfstrategie: „Im Fußball spricht man von Zeit schinden, das lässt sich genauso gut auf die Impfungen umwälzen“, ärgert sich Prisching, der aber nicht aufgeben möchte: „Wir gehen einmal von einem Öffnungsdatum am 30. April aus. Wir werden weiterhin kämpfen.“ Der nunmehrigen Testregion Vorarlberg, wo schon Mitte März Öffnungsschritte erfolgen dürfen, wünscht Sonnentherme-Geschäftsführer Werner Cerutti „bei der sicher schwierigen Aufgabe“ alles Gute.

„Das Burgenland hatte schon fix und fertige Konzepte, die innerhalb von 24 Stunden umgesetzt hätten werden können“, so Cerutti. Die Idee der Testregion sei aus dem Burgenland gekommen, „somit fühlen wir uns in unserer Vorgehensweise bestätigt“.