Corona: Stegersbacher Hotelier kritisiert Lockdown. Zu den Kritikern des neuerlichen Lockdown für die gesamte Hotellerie und Gastronomie zählt im Burgenland der Hotelier Johann Haberl. Eine solche Maßnahme sei eine "Fehlentscheidung", so der Inhaber des Hotel Larimar in Stegersbach.

Von APA / BVZ.at. Erstellt am 02. November 2020 (10:34)
Johann Haberl Hotel Larimar Stegersbach Symbolbild
Johann Haberl vor seinem Stegersbacher Hotel Larimar
Fenz

Der Lockdown in der Hotellerie treffe nämlich diejenigen, die nachweislich zur Eindämmung des Virus beigetragen hätten.

Weder bei den Hotelgästen noch bei Mitarbeitern habe es seit Ausbruch der Pandemie einen Coronafall gegeben, betonte Haberl. Auch die Gäste würden sich "äußerst diszipliniert" an die Vorgaben und Regeln halten. Die Branche, die sich seit fünf Monaten vorbildlichst an alle Sicherheits- und Hygienemaßnahmen halte und insbesondere bei Hotelgästen eine kontrollierende Funktion erfülle, werde nun in einen neuen Lockdown verbannt.

Für das Wellness- und Gesundheitshotel der Kategorie ****S habe man ein professionelles Hygiene- & Sicherheitskonzept erarbeitet. Dieses sei seit der Wiedereröffnung der Hotellerie am 29. Mai erfolgreich im Einsatz, stellte Haberl fest. Im Hotel würden sich ausschließlich registrierte Hotelgäste aufhalten. Externe Besucher hätten keinen Zutritt. "Die von uns vorgegebenen Sicherheitsvorkehrungen wie Maskenpflicht, Handschuhe am Buffet, Abstände, Bildung von Personengruppen etc. werden von uns strengstens kontrolliert."

"Durch eine erneute Schließung der Hotellerie passiert nichts anderes, als das man die Menschen noch mehr in die privaten Räume drängt und dort Treffen stattfinden werden - ohne Kontrolle, ohne Regeln und ohne Sperrstunde," argumentierte der Hotelier, dessen Betrieb auch am Programm "Sichere Gastfreundschaft" teilnimmt. Dabei werden die Mitarbeiter wöchentlich getestet. Das alleine genüge jedoch nicht: "Es geht um das Prinzip Eigenverantwortung und unsere Mitarbeiter haben verstanden, dass alles damit steht und fällt, wie sie sich in ihrer Freizeit verhalten."

Wenn Schließungen erforderlich seien, dann sollten sie nur dort passieren, wo nachweislich eine hohe Infektionsquote vorliege, plädierte Haberl für eine selektive Vorgangsweise. Auch ein "Lockdown Light" könne innerhalb kürzester Zeit die Mühen und Anstrengungen vieler Jahre zunichtemachen, gab der Unternehmer zu bedenken.

Dass nun den betroffenen Unternehmern für die Zeit des Lockdown 80 Prozent vom Umsatz im Vergleichsmonat des Vorjahres bis zu einem Höchstbetrag von 800.000 Euro vergütet werden sollen, ändert nichts an der kritischen Haltung des Hoteliers. Selbst wenn die Betriebe einen Kostenersatz bekämen, "der Staat muss sich ja insgesamt verschulden", argumentierte Haberl. Auch dieses Geld müsse irgendwann wieder verdient werden.

Und schließlich müsse man die Folgen einer solchen Lockdown-Entscheidung bedenken: "Ein Hotel hat ja in 50 Branchen Zulieferer" - vom Landwirt mit 60 Milchkühen bis zum Bio-Kartoffelbauern. Ihn hätten Lieferanten angerufen - "die haben geweint", schilderte Haberl.