Zagiczek „Wichtig ist die Qualität der Arbeitsplätze!“. Der Geschäftsführer der Wirtschaft Burgenland GmbH, Harald Zagiczek, zieht im BVZ-Interview Bilanz über das Jahr 2018. Wir sprechen über die Burgenländischen Thermen, Facharbeitskräfte, die Herausforderungen 2019 und Facebook.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 17. Dezember 2018 (15:08)
WiBuG

BVZ: Welche Bilanz ziehen Sie aus dem Jahr 2018?

Harald Zagiczek: Die gute Konjunktur im Burgenland hält nach wie vor an. Wir gehen von einem neuerlichen Wachstum in diesem Jahr an die 3% aus und sind im Bundesländervergleich Österreichweit sicher wieder vorne dabei. Die Investitionsfreudigkeit der Unternehmen im Land zeigt sich bei der Entwicklung der Wirtschaftsförderungen: Im diesem Jahr hatten wir eine Steigerung des genehmigten Fördervolumens um über 82%. Das gesamte Investitionsvolumen der genehmigten Anträge belief sich in diesem Jahr auf rd. 189 Mio. Euro, in einem starken Vorjahr lag dieser Wert noch bei rd. 102 Mio. Euro.  

Wie profitieren die Burgenländer von öffentlichen Förderungen an die Wirtschaft?

Eine Evaluation ergab, dass ein öffentlicher Förder-Euro sechs Euro Förderungen aus Privatkapital auslöst. Die Wirtschaft wird dadurch massiv angefacht. Unsere Förderpolitik bringt viele positive volkswirtschaftliche Effekte für die Unternehmen das Landes und dadurch respektive auch für deren Mitarbeiter. Wir unterstützen durch unsere Förderungen die Investitionen und das Wachstum heimischer Unternehmen und stärken so den Wirtschaftsstandort Burgenland. Geht es den Betrieben im Land gut profitieren langfristig natürlich auch deren Mitarbeiter.

Konnten dadurch auch Firmen ins Burgenland „gelockt“ werden?

Wir setzen intensive Vermarktungsaktivitäten und versuchen den Wirtschaftsstandort Burgenland für neue Betriebe interessant zu machen. Unser Ziel ist es bestehende Arbeitsplätze durch unsere Förderpolitik im Land zu stärken und neue ins Land zu holen. Als Paradebeispiele können die Betriebsansiedlung des Europazentrallagers der Firma XXXLutz in Zurndorf oder die Errichtung eines neuen Werkes der Firma TS Alcotec in Pinkafeld genannt werden. Diese beiden Projekte sind bereits in der Umsetzungsphase und schaffen rd. 300 neue Arbeitsplätze. Oder im Vorjahr das Riesenprojekt der Firma Schlumberger im Businesspark Müllendorf, wo rd. 65 Mio. Euro investiert werden. In Parndorf wurde vor kurzem ein Cineplexx Kino mit einer neuen Gastromeile eröffnet.

Insgesamt wurden und werden mit den Ansiedlungen in den letzten beiden Jahren rd. 1.300 neue Arbeitsplätze im Burgenland geschaffen.

Wie risikoreich sind die Investitionen der Wirtschaft Burgenland?

Selbstverständlich prüfen wir die Machbarkeit und die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Projekte, die wir fördern bzw. im Land ansiedeln sehr genau. Ein gewisses wirtschaftliches unternehmerisches Risiko ist immer vorhanden. Wenn Sie allerdings auf den klassischen Begriff des Risikokapitals in der Sphäre der WiBuG Bezug nehmen, dann meinen Sie sicher die beiden Risikokapitalfonds, die Athena Burgenland AG und die BRB Burgenländischen Risikokapital Beteiligungen AG. Beide Fonds befinden sich mehrheitlich im Eigentum der Wirtschaft Burgenland und beteiligen sich mit Eigenkapital oder eigenkapitalähnlichen Kapitalien an Burgenländischen Unternehmen, die sich in der Wachstumsphase befinden. Es wurden zahlreiche heimische Technologieunternehmen mit Eigenkapital des Landes entsprechend mitentwickelt. Die Firma Lumitec in Jennersdorf ist hier ein Best Practice Beispiel dafür, aber auch die Mona Naturprodukte in Oberwart, die Neudörfler Büromöbel oder der sehr erfolgreiche Flugsimulator AAA in Neusiedl am See.

Wie ist die Beteiligung an den Thermen?

Im Thermeresort Lutzmannsburg sind wir mit 99,95% defacto Alleineigentümer. An der St. Martins Therme & Lodge in Frauenkirchen halten wir 77% und am AVITA-Resort in Bad Tatzmannsdorf sind wir mit rund 33% der größte Kommanditist.

Konkurrieren sich die Landesthermen dann gegenseitig?

Also ich denke hier gibt es eine gute und gesunde Differenzierung. Wie bei den Businessparks ist auch die Positionierung der drei Thermen inhaltlich anders aufgestellt. Lutzmannsburg ist ein Paradies für Familien mit Babies und Kleinkindern, die Sankt Martins Therme & Lodge hat sehr viel für den Genussmenschen und die Naturentdecker am Randes des Nationalparks Neusiedlersee Seewinkel zu bieten, und das AVITA Resort in Bad Tatzmannsdorf bringt auf höchstem Wellness Niveau das südburgenländische Flair dazu.

Soll Lutzmannsburg noch verkauft werden?

Dieses Thema ist vom Tisch. Wir haben im Resort und in der gesamten Destination eine hervorragende Auslastung und konnten im heurigen Jahr rd. 430.000 Thermengäste begrüßen. So viele wie kaum zuvor. Wir sehen uns als für die Region sehr wichtigen Leitbetrieb. Und diese Rolle wollen wir langfristig einnehmen und leben.

Wie performt das jüngste „Thermenkind“ in Frauenkirchen?

Jung ist relativ, denn dieses wunderbare Projekt feiert im nächsten Jahr bereits seinen zehnten Geburtstag. Ich denke, eine Ausdehnung des Ganzjahresangebotes im Seewinkel zu schaffen ist hier sehr gut aufgegangen. Das Resort liegt voll auf Plan und die Lodge hat heuer wieder den Top Wert einer 77%igen Auslastung bei immerhin 200 Zimmer über das ganze Jahr erreicht. Dies ist ein Werte der in der oberen Rubrik der Benchmarks liegt. Wir sind sehr stolz auf die Entwicklung und die einzigartige Positionierung die dieses Resorts zu bieten hat. Die Wertschöpfung ist für die Region ohnehin unbezahlbar: Wir sprechen von rd. 285 ganzjährigen Arbeitsplätzen und einem Bekenntnis, dass nahezu 100% der angebotenen Produkte aus der Region kommen.

Und die Arbeitsplätze?

In Summe sprechen wir von rd. 650 Mitarbeitern in den genannten 3 Betrieben. Wir sind auf die Leistungsqualität, das Service und das Niveau, welches diese Mitarbeiter tagtäglich abliefern sehr stolz! Deutlich über 54% der Arbeitnehmer kommen aus dem Burgenland. In Bad Tatzmannsdorf kommen sogar rd. 85 % der Mitarbeiter direkt aus der Region. Wer sich in der Branche auskennt weiß, dass dies sensationelle Werte sind. Ich denke, dass es im Tourismus ein sehr gute Chance gibt eine tolle und interessante Karriere zu haben. Viele junge Menschen sollten auf diesen Zug aufspringen. In den 3 Häusern werden derzeit rd. 35 Lehrlinge ausgebildet.

Abschließend: Was sind die Herausforderungen für das kommende Jahr? Die Wirtschaft plagt allgemein ein Fachkräftemangel.

Generell meine ich und so vermarkten wir unser schönes Land auch: Das Burgenland hat ein sehr hohes Potential an tüchtigen und fleißigen Fachkräfte. Viele pendeln aus, speziell im Südburgenland. Wenn wir es schaffen nachhaltig weitere neue moderne, technologieorientierte Unternehmen ins Land zu bringen gibt es hier ein hohes Potenzial diese zurück zu holen und sehr wertvoll für die Betriebe zu sein. Unsere Programme im Bereich der Aus- und Weiterbildung zielen verstärkt auf die Weiterbildung im hochqualitativen Bereich. Wichtig ist die Qualität der Arbeitsplätze

Und die Wirtschaft Burgenland selbst?

Auch wir wollen und müssen uns weiterentwickeln. Wir versuchen uns 2019 digitaler und noch technologieorientierter aufzustellen und die Förderungen auch im Bereich für Forschung und Innovation weiter voranzutreiben. Wir wollen sehr dienstleistungsorientiert den burgenländischen Betrieben fördertechnisch zur Seite stehen und den Wirtschaftsstandort Burgenland vermarkten und interessant für neue Betriebe zu machen. Das ist unser Auftrag unserer Eigentümer und dem targen wir Rechnung. Über einen Marken Relaunch denken wir intensiv nach, ein erste Schritt dazu stellt unser neuer Facebook-Auftritt dar.

Leserservice: Das Wirtschaft Burgenland-Gewinnspiel

Einfach Schnappschuss mit dem schönsten Winter-Foto auf Facebook Seite der Wirtschaft Burgenland posten. Eine Jury bewertet die Fotos und der Gewinner bekommen einen Tagesaufenthalt mit 2 Übernächtigungen für 2 Personen im Avita Ressort. Das Datum ist frei gestaltbar, das Gewinnspiel geht noch bis 18.12.