Sex trotz HIV-Infektion. Ein 51-jähriger HIV-positiver Mann wurde vorige Woche verurteilt, weil er über Jahre hinweg mit drei Frauen ungeschützten Geschlechtsverkehr vollzog.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 01. August 2019 (17:36)
Das Justizzentrum Eisenstadt.
Werner Müllner

„Die Ansteckungsgefahr ist eher gering“, behauptete der Angeklagte, der sich vorige Woche am Landesgericht Eisenstadt vor einem großen Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Doris Halper-Praunias verantworten musste. Er wisse, so der 51-Jährige, seit September 1998 von seiner HIV-Infektion. Im Jahr 2000 war der Mann am Landesgericht St. Pölten bereits einmal verurteilt worden, weil er seine Geschlechtspartnerin durch ungeschützten Geschlechtsverkehr vorsätzlich gefährdet hatte, an Aids zu erkranken. Diese Strafe ist mittlerweile getilgt, weshalb der Angeklagte beim aktuellen Strafverfahren als unbescholten galt. Die Frauen, mit denen er jeweils über Jahre hinweg bis zum Jahr 2018 ins Bett gegangen war, hätten alle von seiner HIV-Infektion gewusst, verteidigte sich der Angeklagte. Bis 2004 hatte er auch die sexuelle Beziehung zu jener Frau fortgesetzt, wegen deren Gefährdung er bereits im Jahr 2000 verurteilt worden war.

„Sie wissen, dass es trotzdem strafbar ist? Auch wenn die Personen es wissen und einwilligen?“, fragte ihn Richterin Doris Halper-Praunias. Da durch den ungeschützten Sexualverkehr eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit eintritt, machen sich Menschen mit sexuell übertragbaren Krankheiten generell strafbar, wenn sie kein Kondom benützen. Der Angeklagte gab an, er habe über das Problem nicht weiter nachgedacht.

 12 Monate Haft auf Bewährung

 „So wird sich die Krankheit nicht eindämmen lassen!“, warf ihm die Richterin vor.
Der Angeklagte wurde wegen der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Hingegen wurde er von einem zweiten Anklagepunkt freigesprochen: Seine Ex-Lebensgefährtin hatte ihn angezeigt, weil er sie am 31. August 2018 nach Einnahme von Psychopharmaka und Schlafmitteln sexuell missbraucht haben soll. Die Frau hatte dabei so tief geschlafen, dass sie von den sexuellen Handlungen nichts mitbekam. Weil der Angeklagte seine Praktiken filmte und fotografierte, und dem mutmaßlichen Opfer am nächsten Tag die Bilder zeigte, erfuhr die Frau von den Vorkommnissen in dieser Nacht. Sie war so entsetzt, dass sie Anzeige erstattete.

 Sex mit schlafender Frau gefilmt und fotografiert

 „Ich weiß nicht, was da in mich gefahren ist“, zeigte sich der Angeklagte wegen dieses Vorfalls vor Gericht zerknirscht. „Am liebsten würde ich diesen Tag auslöschen.“ Er habe aber nichts praktiziert, was er mit seiner Ex-Freundin nicht auch im wachen Zustand gemacht hätte. Zu diesem Vorwurf sei ein Freispruch erfolgt, so die Richterin, weil seitens des Angeklagten kein subjektiver Missbrauchsvorsatz vorgelegen sei. Der Mann sei davon ausgegangen, dass die Frau den sexuellen Handlungen zustimmen würde, wenn sie munter geworden wäre. Der Angeklagte nahm das Urteil an.