Großprozess in Eisenstadt: Schlepper geständig

Erstellt am 21. April 2022 | 05:52
Lesezeit: 2 Min
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Vollbesetzt war der Schwurgerichtssaal am Mittwoch dieser Woche. Angeklagte, Justizwachebeamte und Verteidiger nahmen im Saal Platz.
Foto: BVZ
19 Schlepper aus Osteuropa vor Gericht. Sie sollen in drei Monaten 350 Flüchtlinge nach Österreich gebracht haben.
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Nicht weniger als 19 Angeklagte nahmen am Mittwochvormittag im Schwurgerichtssaal im Eisenstädter Landesgericht Platz.

Begleitet wurden sie von einer mindestens ebenso großen Anzahl an Justizwachebeamten. Wir hatten berichtet:

Die Angeklagten im Alter zwischen 20 und 58 Jahren kommen vorwiegend aus der Republik Moldau.

Sie gehörten einer international agierenden Schlepperorganisation an. Gegen weitere Beteiligte wird immer noch ermittelt.

„Wenn Sie heutzutage schnell Geld machen wollen, steigen Sie in die Schlepperei ein“, sagte Staatsanwältin Patricia Lendzian in ihrem Anklagevortrag. Die Schlepperei habe mittlerweile in kriminellen Kreisen dem Drogenhandel den Rang abgelaufen.

Die 19 Schlepper brachten von August bis Oktober 2021 350 Fremde ins Burgenland. Damit verdiente die Gesamtorganisation, so die Staatsanwältin, pro Monat 600.000 Euro.

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In Handschellen wurden die Angeklagten vorgeführt. Bis zum Prozess waren sie in sechs verschiedenen Justizanstalten untergebracht.
Foto: Foto Kirchmeir

Die Schlepper hatten sich durch Jobangebote für Fahrer nach Wien locken lassen. Sie wurden in Hotels und Wohnungen untergebracht und mussten mit Vans oder Kastenwägen meist bis zur ungarisch-serbischen Grenze fahren.

Dort warteten die vorwiegend aus dem arabischen Raum geflohenen Menschen am Grenzzaun.

„Sie wurden in die Schlepperfahrzeuge verladen“, berichtete die Staatsanwältin.

„Verladen“ sei dabei ein freundlicher Ausdruck. „In Wahrheit war es ein Hineinpferchen“, so Lendzian.

Sie zeigte den Schöffen ein A4 Blatt, um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie wenig Fläche in den engen und niedrigen Laderäumen den Flüchtlingen zur Verfügung stand.

Acht bis zehn Stunden mussten die Menschen in dieser Zwangslage ausharren.

Die Schlepper hatten den Auftrag, sich nicht von der Polizei erwischen zu lassen, weshalb es im Burgenland mehrfach zu gefährlichen Verfolgungsfahrten und wilden Fahrmanövern sowie Unfällen kam.

18 der 19 Angeklagten bekannten sich schuldig.

Der Schöffen-Prozess dauerte bei Redaktionsschluss noch an.

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