Bezirk Eisenstadt: Plante Pensionist Bombenanschläge?

Erstellt am 10. April 2022 | 05:46
Lesezeit: 4 Min
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Der Pensionist wurde zu 3,5 Jahren Haft verurteilt. Sein Sohn erhielt zwölf Monate Haft auf Bewährung.
Foto: Kirchmeir
78-jähriger Mann wegen Wiederbetätigung, Verhetzung, Schusswaffenbesitz, Cannabisanbau und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags verurteilt.
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Der Angeklagte sei der älteste Mensch, über den er jemals Untersuchungshaft verhängt habe, sagte Staatsanwalt Roland Koch. Die Liste der Straftaten, die er dem Pensionisten in dem Schwurprozess in der Vorwoche vorhielt, war lang.

Der Pensionist hatte den Nationalsozialismus in Postings auf Facebook verharmlost, Devotionalien aus der Zeit des Nationalsozialismus gesammelt, Asylwerber und Afrikaner in zwei Postings verhetzt. Ganz im Gegensatz zur rechtsradikalen Ideologie, die den Konsum von Drogen eigentlich ablehnt, baute der Pensionist von 2018 bis 2021 in einer Indoorplantage Cannabis an.

Und dann war da noch das Thema Rohrbomben.

Sprengpulver und Schweizerkracher gehortet

Das erste Mal habe er, so der Staatsanwalt, Anklage wegen dieses seltenen Delikts erhoben: Verbrechen der Vorbereitung eines Verbrechens durch Sprengmittel.

Der Pensionist, ein Einzelgänger, der auch Kontakt zu den „Identitären“ pflegte, hatte auf seinem Anwesen Rohre mit Verschlusskappen, drei Kilogramm Sprengpulver und Schweizerkracher aufbewahrt. Daraus fertigte der Angeklagte zumindest eine Rohrbombe an und führte damit in Ungarn auf einem Acker eine Probesprengung durch.

Anleitung zum Waffenbau und Giftanschlag

Auf seinem Computer hatte der 78-Jährige eine Art Handbuch mit dem Titel „Nationale Wehrkraft“ verfasst.

Darin beschrieb er nicht nur, wie man Waffen herstellt, sondern auch, wie man im Handel erhältliches Mineralwasser und Cola manipulieren, durch Injektion mit Gift präparieren und die Flaschen unbemerkt in Supermärkten im Verkaufsregal platzieren könne.

Einem „zweiten Franz Fuchs“ auf der Spur?

„Die Worte fielen, wir sind einem zweiten Franz Fuchs auf der Spur“, berichtete Verteidigerin Astrid Wagner. „Das klingt spektakulär.“ Jedoch könne man ihren Mandanten nicht mit dem Attentäter Franz Fuchs vergleichen. Der bald 80-Jährige sei kein Neonazi.

Sprengen habe er nichts wollen, gab der Angeklagte an. Zu den restlichen ihm vorgeworfenen Straftaten bekannte er sich im Prinzip schuldig, relativierte aber vieles.

Die Andenken an Adolf Hitler und die Zeit des Nationalsozialismus würden aus dem Nachlass seiner Mutter und von einem Nachbarn stammen, einem „eingefleischten Nationalsozialisten“, den er kennengelernt habe, als er in Ungarn lebte, so der Angeklagte.

Gerahmte Bilder von Attentätern

„Ich konnte da nicht nein sagen“, erklärte er. Eines der Geschenke: Ein gerahmtes Bild des Attentäters Franz Fuchs.

Später verstörte er mit der Aussage: „Wie Hitler einmarschiert ist, da wurde er hereingerufen. Mit 99% der Stimmen der Bevölkerung war er willkommen.“

„Bei mir findet man kein Bild von Adolf Hitler, Breivik, Zschäpe“, hielt der Staatsanwalt dem Angeklagten vor. „Das sind Massenmörder“, fügte er hinzu. „Bei mir ist viel Glumpert“, meinte der Angeklagte.

Cannabis geerntet, als die Polizei kam

Den Cannabis-Anbau gab er zu: „Ich war gerade bei der Ernte, als das Haus gestürmt wurde.“

Cannabis habe er konsumiert, um einer neuerlichen Krebserkrankung vorzubeugen, so der Angeklagte. Er habe zuvor an Darmkrebs gelitten.

Neun Kilogramm Cannabis habe er angebaut, sein Sohn sei ihm beim Kauf von Stecklingen behilflich gewesen und habe ihm rund sieben Kilogramm Cannabis um fünf Euro pro Gramm abgekauft.

Der 52-jährige Sohn des Pensionisten saß wegen dieses Beitrags zur Suchtgiftproduktion ebenfalls auf der Anklagebank.

Unter seinem Kopfpolster hatte der Pensionist einen geladenen Revolver versteckt. Außerdem besaß er eine Pumpgun und zwei zu Revolvern umgebaute Signalpistolen.

Die Waffen habe er „zum Selbstschutz“ besessen, sagte der Pensionist. „Man hört immer wieder, dass ältere Leute in der Nacht überfallen werden.“

Dass er eine Rohrbombe gebaut und in Ungarn gezündet hatte, gab der Angeklagte zu. Vor der Polizei hatte er die Wirkung der Bombe als „verheerend“ beschrieben.

Richterin Daniela Berger fragte den Angeklagten, warum er das Handbuch „Nationale Wehrkraft“ verfasst hatte. „Ich schrieb das, weil mir fad war“, sagte der Pensionist.

„Möglicherweise, weil Sie etwas vorhatten?“, fragte die Richterin.

„Ich hatte nichts vor“, erwiderte der Angeklagte.

Das Kapitel „Sprengchemie“ enthielt einen Warnhinweis: „Achtung, dieser Teil ist ausschließlich für geschulte Personen“.

Er habe das alles aus dem Internet abgeschrieben, sagte der Angeklagte.

Die Geschworenen sprachen den Pensionisten in allen Anklagepunkten schuldig. Er wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sein Sohn erhielt wegen der Drogendelikte eine einjährige bedingte Haftstrafe.

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