Gedenkmesse für Paul Esterházy

Vor 30 Jahren verstarb Dr. Paul Esterházy. Auf Initiative der Esterhazy Privatstiftung wurde am 24. Mai 2019 um 16 Uhr in der Budapester St. Stephans Basilika ein Gedenkgottesdienst mit anschließendem Konzert gehalten.

Erstellt am 27. Mai 2019 | 12:50
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Esterhazy
Foto: Esterhazy Privatstiftung

In Gedenken an Dr. Paul Esterházy zelebrierte Astrik Várszegi, emeritierter Abt von Pannonhalma, am 24. Mai um 16 Uhr in der St. Stephans Basilika in Budapest einen Gedenkgottesdienst. Daran schloss ein Konzert des Organisten Róbert Kovács unter Mitwirkung eines Streichquartetts, bestehend aus Mitgliedern der Haydn Philharmonie, an.

Fürst mit 19 Jahren

Dr. Paul Esterházy wurde am 23. März 1901 als Sohn von Nikolaus IV. und Margit Esterházy, geb. Gräfin Cziráky et Dénesfalva, in Eisenstadt geboren. Er wuchs in Budapest auf und studierte nach Abschluss seiner Schulausbildung an der Universität Budapest Jura und Staatswissenschaften.

Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters im Jahr 1920 trat er im Alter von 19 Jahren das Majorat an. Damit übernahm er nicht nur die Verantwortung über das Haus Esterházy und seine kulturellen und historischen Schätze, sondern auch über rund 200.000 Hektar Grund, die nach den Friedenschlüssen von St. Germain und Trianon nun in zwei Ländern – Österreich und Ungarn – lagen. Da sich der Großteil des Besitzes in Ungarn befand, entschloss sich der Majoratsherr zum Verbleib in Ungarn.

Fürst, Gefangener, Exilant

 

Während der Zeit des Nationalsozialismus verhielt er sich politisch zurückhaltend. 1946 ehelichte er die aus einer  bürgerlichen Familie stammende Melinda Ottrubay, die zu jener Zeit als Primaballerina assoluta am Zenit ihrer Karriere als Balletttänzerin an der Budapester Oper stand.

Die österreichischen Besitzungen waren zu jenem Zeitpunkt unter sowjetischer Verwaltung, der ungarische Besitz wurde komplett enteignet. Das Paar lebte in Budapest, wo Dr. Paul Esterházy am 2. Dezember 1948 verhaftet wurde. Wegen Hochverrats und Devisenhandels wurde er zu 15 Jahren Haft verurteilt. Im Zuge der Oktoberrevolte im Herbst 1956 konnte er gemeinsam mit seiner Frau Melinda außer Landes gebracht werden. Über Österreich reiste das Paar weiter in die Schweiz, von wo aus Dr. Paul Esterházy bis an sein Lebensende seinen Besitz in Österreich verwaltete.

Er verstarb am 25. Mai 1989 – wenige Monate vor dem Fall des Eisernen Vorhangs – in Zürich. Seine Besitzungen und die damit verbundene Verantw ortung übertrug er testamentarisch seiner Gattin Melinda, die dieses kulturelle und historisch bedeutende Erbe 1994 in drei Privatstiftungen einbrachte.