Covid-positiv mit Eisenstädterinnen auf Reisen: Freispruch für Pfarrer

Erstellt am 12. Dezember 2022 | 04:58
Lesezeit: 3 Min
Gericht Eisenstadt Justizzentrum Eisenstadt Burgenland Prozess Urteil Symbolbild
Das Justizzentrum Eisenstadt.
Foto: Werner Müllner
Geistlicher war trotz positivem PCR-Test mit zwei Eisenstädterinnen im Auto nach Frankreich gefahren.
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Vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten wurde dem niederösterreichischen Pfarrer von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt vorgeworfen.

Der Geistliche war am 1. Juli dieses Jahres positiv auf das Corona-Virus getestet worden und sollte eigentlich zuhause bleiben.

Dennoch trat er am 4. Juli eine Reise nach Frankreich an. Er holte zwei Eisenstädterinnen ab und fuhr dann mit den Frauen im Auto nach Frankreich.

Die Fahrt soll zwölf Stunden lang gedauert haben.

„Bekennen Sie sich schuldig?“, fragte Richterin Karin Knöchl den Pfarrer beim Strafprozess am vergangenen Freitag.

„Die Schuldfrage ist ein ganz großes Problem, wenn man gesund ist“, blieb der Angeklagte eine klare Antwort schuldig.

„Sie haben studiert! Bekennen Sie sich schuldig, nicht schuldig, teilweise schuldig?“, hakte die Richterin nach.

„Nicht schuldig“, erklärte der Pfarrer.

Ende Juni habe er „leichte Symptome“ verspürt.

Als er erfuhr, dass das Mitglied einer Busreise, an der auch er teilgenommen hatte, an Corona erkrankt war, führte der Pfarrer einen Antigen-Test durch, dessen Ergebnis positiv war.

Ein danach durchgeführter PCR-Test war ebenfalls positiv. Der CT-Wert, der über die Ansteckungsgefahr Auskunft gibt, lag bei 29,2. Ein CT-Wert ab 30 gilt als Hinweis auf eine niedrige Virenkonzentration.

Bereits am 1. Juli habe er keine Symptome mehr verspürt, sagte der Pfarrer vor Gericht aus. „Höchstens Mattigkeit. Die Schluckbeschwerden waren weg“, erinnerte er sich.

Pfarrer sagte Trauung und Sonntagsmessen ab

Dennoch habe er an diesem Wochenende wegen des Verdachts einer ansteckenden Krankheit eine für Samstag angesetzte Trauung und zwei Sonntagsmessen nicht durchgeführt.

Am 4. Juli habe er dann die beiden Damen in Eisenstadt abgeholt und sei mit ihnen nach Frankreich gefahren. Bei der Autofahrt wurden keine FFP-2-Masken benützt.

„Als wir im Hotel ankamen, machte ich im Beisein der Zeuginnen einen Antigen-Test“, gab der Angeklagte vor Gericht bekannt. „Das Ergebnis ist aber nirgends gespeichert“, hielt ihm die Richterin vor.

Sie befragte die beiden Eisenstädterinnen, die angaben, bei dem Pfarrer während der Reise keine Krankheitssymptome wahrgenommen zu haben.

„Ich war dabei, als er in Frankreich den Test machte“, sagte eine der Frauen. „Das kann ich unter Wahrheitspflicht bezeugen“, betonte sie.

Auch die andere Mitreisende bestätigte, dass der Pfarrer in Frankreich einen Antigentest durchgeführt hatte, der ein negatives Ergebnis hatte.

„Die richtige Vorgangsweise wäre gewesen, vorher zu testen“, ermahnte die Richterin den Pfarrer.

Danach sprach sie ihn vom Vorwurf der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch ansteckende Krankheiten frei. Es sei nicht nachweisbar, dass bei dem Pfarrer während der Fahrt nach Frankreich noch eine entsprechend hohe Infektiosität vorlag.

Jedoch habe der Pfarrer gegen verwaltungsbehördliche Vorgaben verstoßen, worüber sie, so die Richterin, die zuständige Bezirkshauptmannschaft informieren werde.

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