Neues Leben für das Eisenstäder Konvent. Die BVZ sprach mit der geistlichen und weltlichen Leitung des Eisenstädter Krankenhauses über die Zukunft des Spitals.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 17. Juli 2019 (03:14)
M. Wagentristl
Triumvirat. Frater Kornelius Unger, Prior Daniel Katzenschläger und Frater Jakobus Janci.

„Die Pannonische Mischung ist reiner Zufall“, lachen die drei neuen Barmherzige Brüder: Der Prior Daniel Katzenschläger aus Oberösterreich, Frater Kornelius Unger aus Ungarn und Frater Jakobus Janci aus Kroatien folgten einfach nur einer Bitte ihres Ordens und übersiedelten nach Eisenstadt.

Wie haben sich die drei im Burgenland eingelebt? Prior Daniel hat das Burgenland bereits zuvor bei mehreren Fahrradtouren erkundet. „Die Hügerl darf man nicht unterschätzen“, lacht er, an den Wein hatte der gelernte Most-Trinker keine Anpassungsschwierigkeiten.

Frater Jakobus hat in kürzester Zeit Deutsch gelernt. Und das, obwohl er mit seinem Kroatisch hier bestens zurechtkommt, das Burgenland-Kroatisch ist seinem lokalen Dialekt in der Podravina sehr ähnlich.

„Zuhause sage ich immer: Wenn ihr das echte Kroatisch kennenlernen wollt, dann geht ins Burgenland“, schwärmt der gelernte Heilmasseur. Und auch der Dritte im Bunde, Frater Kornelius, kannte als Budapester das Burgenland bereits. Sogar ein Martini-Gansl hatte er hier schon.

Ordensspitäler: Felsen in der Burnout-Brandung

Auch wenn, wie Prior Daniel betont, bereits Johannes von Gott erste Management und Mitarbeiterführungs-Ideen hatte, so funktioniert ein Ordensspital doch anders und, wenn man so will, klassischer als andere Spitäler. Hier sind Patienten und Mitarbeiter Menschen und keine Nummern. Das wird honoriert: „Wir haben hier trotz Ärztemangels sogar wieder Wartelisten. Junge Medizinabsolventen wollen wieder Heim ins Burgenland“, verrät Direktor Robert Maurer stolz.

Die Ethik des Johannes von Gott wird bei den Brüdern nicht nur großgeschrieben, sondern füllt auch gleich ein ganzes Buch. Dieses bekommen die Mitarbeiter. Was bedeutet diese Ethik konkret: Amerikanische Verhältnisse, wo unversicherte Patienten wieder abgewiesen werden, wird es in Häusern der Barmherzigen Brüder niemals geben. Auch kein „Gott spielen“, wie in China, wo ein Baby mit genetisch editierter DNA geboren wurde.

Zeitnehmen sei das wichtigste

Der dritte große Unterschied ist die Seelsorge. „Als Heilmasseur verbringe ich 30 Minuten Zeit mit dem Patienten. Ärzte können sich häufig nicht so viel Zeit nehmen. Dabei erkennen wir hier die heilende Kraft des Gesprächs.“ Frater Jakobus ist nun in Fahrt und gestikuliert mit seinen kräftigen Masseur-Händen: „Gerade in Zeiten des Burnouts ist es wichtig, sich die Zeit zu nehmen.“

Das klingt toll, aber ist das auch wirtschaftlich? Direktor Maurer hat auf diese Frage gewartet. Er lächelt zufrieden: „Eine österreichweite Studie besagt, dass Ordensspitäler wirtschaftlicher Arbeiten als Spitäler im Landeseigentum.“ Ob daher die Gerüchte kommen, dass die Eingemeindung des Spitals in den Landes-Krankenanstalten-Verbund anstehe? Davon wisse man nichts. Auch Ordensleute können diplomatisch sein.