Neue Bauplätze: Widerstand auf Winzerseite. Stadtgemeinde Rust will neue Bauplätze widmen. Örtliche Winzer warnen vor Zersiedelung und Wertverlust der umliegenden Weingärten und planen Kundgebung.

Von Nina Sorger. Erstellt am 25. Januar 2019 (06:35)
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Stein des Anstoßes. Dieses Grundstück hinter dem SeneCura Sozialzentrum soll in Bauland umgewidmet werden. Die Winzer befürchten einen Wertverlust ihrer umliegenden Weingärten und warnen vor Zersiedelung. Die gewachsene Stadtgrenze Rusts ist hier im Hintergrund zu sehen. Foto: zVg

Nach dem Bauprojekt in der Dorffmeisterstraße in Richtung Oggau plant der Gemeinderat, nun eine gemeindeeigene Fläche hinter dem SeneCura Sozialzentrum in Bauland umzuwidmen. Doch dagegen haben mehrere Weinbauern schriftlich Einspruch erhoben.

Winzer Gernot Schreiner, der Weingärten neben dem fraglichen Grundstück bewirtschaftet, erklärt dazu: „Da würden Häuser mitten ins Weinbaugebiet gebaut werden. Da würden sich Anrainer durch das Schießen der Starehüter und nächtlichen Traktorenlärm im Sommer – denn da kann man die Weingärten großteils nur nachts bearbeiten – gestört fühlen. Konflikte sind vorprogrammiert.“

Triebaumer: „Bauplätze bleiben oft unverbaut“

Winzer Herbert Triebaumer erklärt weiters: „Durch angrenzende Gärten würden die nächstgelegenen Weingärten Hausstaren schutzlos ausgeliefert sein. Das sind riesige Weingärten, die hier an Wert verlieren.“ Ein weiterer Punkt, der für ihn gegen Bauplätze in jenem Gebiet spricht: „Durch diesen ,Spinnenfuß‘, der da hinausragt, wirkt Rust total zersiedelt. Schon das SeneCura-Zentrum geht etwa 280 Meter über die gewachsene Grenze hinaus. Mit dem geplanten Baugebiet wären es noch 200 Meter mehr.“

Herbert Triebaumer befürchtet außerdem, dass dies nur der Anfang eines größeren Siedlungsgebietes sein könnte, und sein Vater Ernst Triebaumer ergänzt: „Die Stadtgemeinde Rust bietet für Grundstücke einen Kaufpreis von 35 Euro, dafür darf sich der Verkäufer eigene Bauplätze vom verkauften Grund behalten, die er als Wertanlage aufhebt. So bleibt wieder ein großer Teil des neuen Baulandes unverbaut und in kürzester Zeit sind wieder neue Bauplätze gefordert.“

Grafik: ZVg
Geplant. Das rot unterlegte Gebiet hinter dem SeneCura Sozialzentrum soll in Bauland umgewidmet werden. Die Winzer halten hingegen den „Greiner Spitz“ (gestreift) für geeigneter.

Die Winzer sind nicht grundsätzlich gegen die Schaffung von Bauland, allerdings: „Es gibt weit geeignetere Siedlungserweiterungsflächen“, so Ernst Triebaumer. In seinem Einspruchsschreiben an die Stadtgemeinde schlägt er mehrere Areale, unter anderem den gegenüber dem geplanten Baugebiet gelegenen „Greiner Spitz“, vor.

„Mit Rücksicht auf die bereits bestehende Bebauung ist der ,Greiner Spitz‘ das vorrangige Siedlungsentwicklungsgebiet. Die dortigen Weinbauflächen sind von minderem Wert, der größte Teil der Fläche steht bereits brach und außerdem grenzt der Spitz an zwei von drei Seiten bereits an verbautes städtisches Gebiet. Eine verkehrliche Erschließung besteht bereits“, so Triebaumer.

Kundgebung und anschließender Vortrag am Samstag

Die Winzer sammeln nun Unterschriften und organisieren am Samstag, dem 26. Jänner, um 14 Uhr, eine Kundgebung. „Wir wollen, dass man mit uns redet und unsere Vorschläge ernst nimmt, denn wir wollen mitgestalten. Deshalb haben wir auch den Bürgermeister und alle Gemeinderäte zur Kundgebung und zu dem anschließenden Vortrag eingeladen.“ Denn im Anschluss an die Kundgebung gibt es im Seehof einen Vortrag zum Thema „Kompakte bodenschonende Stadtentwicklung“ von Raumplanerin Gerlind Weber.

Entgegen den Befürchtungen der Winzer soll laut der Stadtgemeinde die Umwidmung allerdings nicht auf der Tagesordnung der nächsten Gemienderatssitzung am 29. Jänner stehen.

Bürgermeister Gerold Stagl (SPÖ) dazu: „Aktionen mit der Brechstange, wie diese Demonstration, sind nicht besonders diplomatisch. Egal, wo man in Rust baut, ist man von Weingärten umgeben.“ Stagl erklärte allerdings, er habe jene Winzer, die Einspruch erhoben hätten, für den 31. Jänner zu einem Gespräch geladen.