Streik bei Pro Mente Rust: Vogt-Lechner im Interview. Im Zuge der Verhandlungen über Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft legten bundesweit 270 Betriebe die Arbeit nieder. Im Burgenland rief nur Pro Mente zum Warnstreik.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 19. Februar 2020 (04:20)
Warnstreiks. Marina Vogt-Lechner, Betriebsratsvorsitzende im Sonnenpark Rust von Pro Mente.
zVg

Nachdem die Verhandler bestehend aus Gewerkschaft und Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) sich nicht auf einen neuen Kollektivvertrag einigen konnten, fanden vergangene Woche erste Warnstreiks statt. Im Burgenland beteiligten sich die Mitarbeiter des Reha-Zentrums von Pro Mente in Rust am Arbeitskampf. Die BVZ bat Betriebsratsvorsitzende Marina Vogt-Lechner zum Interview.

BVZ: Wie viele Angestellte vertreten Sie und was sindIihre Forderungen an die Gegenseite?

Marina Vogt-Lechner: Bei Pro Mente sind in Rust derzeit 70 Personen beschäftigt, alle fallen unter den SWÖ-Kollektivvertrag. Die Forderungen sind die gleichen wie österreichweit: Wir wollen eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Wochenstunden bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Alle 30 Mitarbeiter, die an diesem Tag Dienst hatten, beteiligten sich am Streik und stehen hinter den Forderungen.

BVZ: Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Job? Wieso braucht es Ihrer Ansicht nach eine Arbeitszeitverkürzung?

Sozialarbeit ist psychische Schwerarbeit. Bei uns sind fast alle Teilzeit-Angestellte. In letzter Zeit haben einige Kollegen zudem ihre Stunden reduziert. Vollzeit zu arbeiten ist in unserem Beruf schwer bis gar nicht möglich, zumindest nicht langfristig.

BVZ: Kam es zu Einschränkungen für die Patienten?

Wir haben uns natürlich bemüht, die Auseinandersetzung nicht auf dem Rücken der etwa einhundert Patienten auszuüben. Aber natürlich hat es auch auf sie Auswirkungen, während des Warnstreiks sind aber nur wenige Therapien entfallen.

BVZ: Hätten Sie sich mehr Beteiligung von Sozialeinrichtungen im Burgenland erwartet?

Selbstverständlich hätte es uns gefreut, wenn mehr Betriebe im Land beim Warnstreik mitgemacht hätten. Österreichweit waren 270 Betriebe beteiligt, im Burgenland waren wir die einzigen. Für Pflege-Einrichtungen ist es komplizierter zu streiken, da sie einen Notfall-Betrieb aufrecht erhalten müssen.

BVZ: Wie geht es nun weiter?

Wenn es keine Einigung gibt, folgen demnächst die weitere Warnstreiks. Nun ist aber die Unternehmensvertretung der SWÖ am Zug.