88-Jähriger bedrohte Neffen: Diversion. Ein 88-jähriger Pensionist bedrohte seinen ebenfalls bereits in Pension befindlichen Neffen - Entschuldigung vor Gericht.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 13. Dezember 2018 (05:46)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Symbolbild
Shutterstock.com, Nata-Lia

Mit einer geladenen Pistole kam ein 88-jähriger Pensionist am 1. Juli 2018 auf seinen Neffen zu: „Du wolltest es nicht anders!“, soll er erklärt und durch die Windschutzscheibe auf den im Auto sitzenden Neffen gezielt haben. Mit seiner Drohung wollte der Onkel den Neffen angeblich zur Rückgabe eines Jagdgewehres auffordern.

Vor Richterin Birgit Falb bekannte sich der betagte Angeklagte, der zuvor noch niemals etwas mit dem Gericht zu tun gehabt hatte, reumütig schuldig. Früher habe er sich mit dem Neffen gut verstanden, berichtete der Pensionist, er habe ihm sogar unentgeltlich bei der Weinernte geholfen. Jetzt habe er aber keinen Kontakt mehr zu seinem Verwandten.

Prozess. Richterin Birgit Falb leitet den Prozess.
BVZ, BVZ

Richterin versuchte zu vermitteln

Die Richterin schlug aufgrund des hohen Alters und der Unbescholtenheit des Pensionisten eine Diversion mit Probezeit und Tatausgleich vor. Sie forderte den Angeklagten auf, sich bei seinem Neffen zu entschuldigen. Dieser zeigte daran jedoch kein Interesse: „Ich nehme keine Entschuldigung an!“, wetterte er. „Von einem Mann, der mich erschießen will!“

„Es ist vor Weihnachten!“, versuchte die Richterin den Neffen zum Einlenken zu bewegen.

Immer noch zornig und ohne den Onkel anzuschauen, knurrte dieser: „Gut, ich nehme die Entschuldigung an. Ist in Ordnung!“ Danach verließ der Neffe den Verhandlungsraum. Der angeklagte Pensionist erklärte sich mit der Diversion einverstanden. Nur mit der Tatsache, dass die von der Polizei eingezogene Waffe vernichtet werden soll, war er nicht glücklich, stimmte aber letztlich auch zu.