Covid-positiv mit Öffis gereist

Pensionierter Lehrer aus dem Bezirk Eisenstadt hielt sich nicht an Quarantäne-Vorschriften - Prozess.

Erstellt am 13. Mai 2021 | 03:23
Coronavirus
Symbolbild
Foto: shutterstock.com/Photographynet.co.uk

Wegen eines Harnwegsinfekts suchte ein 86-jähriger pensionierter Lehrer aus dem Bezirk Eisenstadt im November 2020 ein Krankenhaus in Linz auf. Dabei wurde er positiv auf Covid-19 getestet.

Am 16. November 2020 wollte der Pensionist auf eigenen Wunsch aus dem Spital entlassen werden. Der behandelnde Arzt wies ihn darauf hin, dass er sich in Quarantäne befinde und keine öffentlichen Verkehrsmittel benützen dürfe.

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Man bot dem betagten Mann an, ihn mit einem Rettungsauto zu seinem Auto zu bringen.

Das lehnte der Pensionist ab. Er ging in einen Supermarkt einkaufen, benützte eine öffentliche Toiletteanlage, fuhr mit der Straßenbahn nach Traun, wo er sein Auto geparkt hatte, kaufte neuerlich in einem Supermarkt ein und suchte auf der Autofahrt zurück ins Burgenland ein weiteres Mal ein öffentliches WC auf.

Am Montag musste sich der Mann wegen des Vergehens der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten vor Richterin Karin Lückl verantworten.

„Sagte Ihnen der Arzt, dass Sie Covid-positiv sind?“, fragte die Richterin den pensionierten Lehrer.

„Das hat er gesagt, ich habe das aber nicht geglaubt“, erwiderte der Pensionist, der sein Hörgerät im Auto vergessen hatte, weshalb die Richterin ihre Fragen mehrfach laut wiederholen musste.

Er habe, so der Pensionist, von der Weinlese bei kaltem Wetter in seinem Weingarten einen „Reizhusten“ gehabt, sonst aber keine Symptome.

„Sagte dem Arzt, dass ich nicht Covid habe“

Mit Ärzten habe er „schlechte Erfahrungen“ gemacht. „Ich sagte dem Arzt, dass ich nicht Covid habe. Wir hatten dann eine Debatte und bei mir wurde auch Fieber gemessen.“

„Es war bereits November und Sie hätten wissen müssen, dass es auch Erkrankte ohne Covid-Symptome gibt, die trotzdem die Krankheit übertragen können“, ermahnte der Staatsanwalt den Angeklagten.

Die Richterin sprach den betagten Mann schließlich von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen frei.

Es könne nicht nachgewiesen werden, dass der Angeklagte andere Menschen vorsätzlich gefährden wollte.

Außerdem sei vom Krankenhaus nicht der sogenannte CT-Wert bestimmt worden.

Im Zweifel sei daher davon auszugehen, dass die Viruslast bei dem Pensionisten nicht so hoch war, dass er tatsächlich andere hätte infizieren können.

Der Pensionist freute sich: „Danke vielmals, dankeschön!“