Falsche Strategie: Weiter Kritik an PV-Plan. Dass von Land und Energie Burgenland statt auf bereits verbauten Flächen nun Grünflächen für PV-Anlagen genutzt werden sollen, stößt den Grünen sauer auf.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 27. Mai 2021 (08:38)

Die Landesregierung hat im ganzen Land 19 Eignungszonen für Photovoltaik-Anlagen festgelegt (die BVZ hat berichtet). Im Bezirk ist etwa eine 120 Hektar große Fläche in Hornstein und Wimpassing für die Solar-Offensive vorgesehen – auf Grünflächen, nicht in verbautem Gebiet.

„Keine einzige Zone ist vorbelastet, von der in der Klimastrategie angekündigten Dächeroffensive ist keine Rede mehr und satte 85 Prozent der jetzt geplanten Freiflächen gehören nur vier Eigentümern“, üben die Grünen heftige Kritik an den Plänen von Landesregierung und Energie Burgenland. „Hier wird das Pferd komplett von hinten aufgezäumt. Statt wie versprochen zuerst Dächer und dann versiegelte Flächen zu nutzen, geht die SPÖ gegen ihre eigene Strategie zuerst auf den wertvollen Acker“, ärgert sich der GRÜNE, Landwirtschaftssprecher Wolfgang Spitzmüller.

So wollen Kritiker der Pläne der Energie Burgenland lieber PV-Anlagen verbaut sehen: auf Dächern, wie hier am Bauhof Hornstein.
zVg

Die Argumentation des Landes: Dachflächen alleine würden nicht reichen, um bis 2030 energieautark zu werden. Zudem seien Großanlagen billiger als mehrere kleine Anlagen. Wieso man deswegen gar nicht erst mit der versprochenen Dächeroffensive startet, versteht man bei den Grünen nicht. In der Klimastrategie der SPÖ heißt es: „Dennoch soll der Ausbau von PV vorrangig auf Dächern und versiegelten Flächen erfolgen. Im Bereich der Freiflächen sind jene Flächen, die durch andere Nutzungen (z.B. Deponiestandorte oder Autobahnnähe) vorbelastet sind, als Standorte zu bevorzugen.“

Private und Industriebetriebe erhalten zudem in letzter Zeit von der Energie Burgenland negative Rückmeldungen mit dem Verweis, dass die Netzkapazitäten diese nicht erlauben, schildern PV-Anlagen-Werber der BVZ. Wieso allerdings Großprojekte keine Überlastung für das Stromnetz darstellen, geht aus den Stellungnahmen von Land und Energie Burgenland nicht schlüssig hervor.

Verwundert zeigte sich auch der Leithaprodersdorfer Michael Heinschink. Der Bio-Bauer plant den Bau einer neuen Halle. Im Zuge dessen fragte er auch bei Netz Burgenland an, ob das angebotene Mietmodell bei ihm möglich wäre, er würde seine Dachfläche für eine PV-Anlage an Netz Burgenland vermieten, wie es auch andere im Ort bereits tuen.

„Ein Vertreter von Netz Burgenland war hier und erstellte einen ausführlichen Plan für die mögliche Anlage“, erzählt Heinschink. Auf der Dachfläche von rund 1.400 Quadratmetern wäre eine Anlage mit einer Leistung von rund 300 kVA möglich. „Dann erhielt ich ein Schreiben, laut dem eine maximale Leistung von 20 kVA genehmigt wird, da das Netz erst ausgebaut werden müsse. Dies wäre voraussichtlich 2029“, so Heinschink weiter.

Esterhazy als größter Profiteur

Die Grünen nennen die Profiteure der neuen Photovoltaik-Strategie beim Namen: Großgrundbesitzer, allen voran die Esterhazy-Stiftung, der 34 Prozent der gesamten Eignungszonen landesweit gehören. „Statt Energiegemeinschaften und einer Solar-Revolution von unten soll wieder nur der Landadel zum Vorzug kommen“, kritisiert Spitzmüller.

Ein Geschäft ist die Strategie für die Grundbesitzer allemal, kolportiert werden in Hornstein etwa Preise von 3.000 Euro pro Hektar – zehnmal so viel, wie die durchschnittliche Pacht für Ackerflächen. Apropos Ackerflächen: Diese wären für die Landwirtschaft nicht mehr nutzbar und ein schwerer Schlag für die regionale Lebensmittelproduktion, so Spitzmüller.