Freund und Vater verleumdet: 15-Jährige vor Gericht

Eine heute 15-Jährige zeigte ihren ersten Freund und ihren Vater an. Vor Gericht sagte sie: „Ich war verletzt.“ Diversion mit 100 Stunden gemeinnützige Leistungen.

Elisabeth Kirchmeir Erstellt am 26. April 2021 | 04:38
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Foto: Von Zolnierek, Shutterstock.com

Wegen Verleumdung in zwei Fällen musste sich eine 15-jährige Jugendliche vorige Woche vor Richterin Birgit Falb verantworten. Sie hatte im August 2020 ihren ersten Sexualpartner und im Jänner 2021 ihren Vater angezeigt.

Noch als 14-Jährige hatte die Angeklagte im Vorjahr Kontakt zu einem 24-jährigen Mann aufgenommen.

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Sie behauptete ihm gegenüber, eine 20-jährige Polizistin und im sechsten Monat schwanger zu sein.

Im Juli kam es zu einem Treffen und zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr.

Danach habe ihr der 24-Jährige mitgeteilt, „das wird nichts zwischen uns“, berichtete die 15-Jährige.

Jugendliche behauptete: „Wurde vergewaltigt“

Sie habe sich verletzt gefühlt. Am 14. August 2020 erstattete die junge Frau Anzeige bei der Polizei: Der 24-Jährige habe sie vergewaltigt.

„Ich dachte mir, dass ich mich an ihm räche“, gab die Angeklagte zu.

Dem 24-Jährigen kündigte sie an, dieser werde „ins Gefängnis gehen“. Sie habe bereits einen anderen Mann ins Gefängnis gebracht.

„Warum lügen Sie so viel?“, fragte die Richterin. „Ich weiß es nicht“, antwortete die 15-Jährige.

Über ihren Vater behauptete sie bei der Polizei, dieser habe sie seit Juli 2020 wiederholt geschlagen und bedroht.

„Stimmt das, was Sie ihm vorwarfen?“, fragte die Richterin. „Nein“, gab die Jugendliche zu.

Ihr Vater schreie mit ihr und behandle sie streng, aber geschlagen und bedroht habe er sie nicht. „Ich bereute es schon, als ich bei der Polizei saß“, gestand die Angeklagte.

„Da muss man sich in Ihrem Umfeld ja fürchten“, sagte die Richterin. „Wenn Sie einfach zur Polizei gehen und jemanden anzeigen.“ „Keiner muss sich vor mir fürchten. Ich bin ein normaler Teenager“, antwortete die Angeklagte.

Während sie die Anzeige gegen den Vater zurückzuziehen versuchte, hatte sie noch im Februar 2021 bei der Polizei behauptet, die Vergewaltigung durch den 24-Jährigen habe tatsächlich stattgefunden. Erst vor Gericht machte die Jugendliche einen Rückzieher und gab zu: „Es war ein großer Fehler.“

Angesichts des jugendlichen Alters der Angeklagten bot die Richterin eine Diversion an. Wenn die 15-Jährige 100 Stunden gemeinnützige Leistungen absolviert, wird das Verfahren gegen sie eingestellt.