Handel/Gastronomie: Schon genug von neuen Normen

Die Wirte im Bezirk Eisenstadt wollen endlich wieder öffnen, der Handel hat schon offen, bilanziert aber unterschiedlich.

Erstellt am 26. Februar 2021 | 05:55
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Leere. XXL-Heurigenwirt Stefan Jaitz kann die Rückkehr seiner Gäste kaum erwarten, mahnt aber trotzdem zu Geduld, damit die Öffnung nachhaltig funktionieren kann und kein kurzes Vergnügen bleibt.
Foto: zVg.

Nasenbohren – was vor Corona als schlechtes Benehmen galt, soll nun den Menschen alte Freiheiten wiederbringen. Helmut Tury, Obmann der Freizeitsparte der Wirtschaftskammer Burgenland, fordert, dass mit den sogenannten Nasenbohrer-Tests neben der Gastronomie auch Kultur- und Sportveranstaltungen frei zugänglich sind: „Wir fordern ‚Freiheit für Nasenbohrer‘!“ Ebenso wie die Nasenbohrer-Tests sollen auch die üblichen PCR-Tests und eine Corona-Impfung den Zugang zu allen Bereichen ermöglichen – natürlich mit FFP2-Masken und Abstandhalten, betont Tury.

Wirtschafts-Landesrat Leonhard Schneemann, der für das Burgenland beim Bund über Öffnungen verhandelt, will mit 1. März aufsperren lassen: „Ich glaube, es wäre verantwortbar, wenn man unter Einhaltung unserer strengen Auflagen Betriebe zu öffnen beginnt.“
Die Bundesregierung evaluiert eine Öffnung noch bis Mitte März. Zu lange, für SPÖ-Klubobmann Robert Hergovich: „Viele Betriebe haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sorgsam mit der Situation umgehen und haben ausreichend Sicherheits- und Hygienekonzepte ausgearbeitet. Vielen steht das Wasser bereits bis zum Hals. Ein sicheres Öffnen mit Tests und den Sicherheitsvorkehrungen ist höchst an der Zeit, um die Betriebe vor einer Schließungswelle zu bewahren“, stellt er fest.

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Wirte würden Tests kontrollieren

Das bestätigt auch der Klingenbacher Gasthof Gregorits. Inhaber Paul Gregorits erzählt auf Anfrage der BVZ, dass „die privaten Reserven fast aufgebraucht sind.“ Ein Problem sei auch, dass das Gasthaus in diesem Jahr noch keine finanzielle Unterstützung erhalten habe. „Außerdem wollen wir uns wieder wie Gastgeber fühlen und Gäste empfangen“, erklärt er.

Zwar gab es sowohl ein Abholangebot als auch immer wieder neue Ideen, um die Gäste mit Köstlichkeiten zu begeistern, aber das ersetzt nicht den persönlichen Kontakt. Auch finaziell deckt es kaum die Kosten. „Wir wollen für unsere Gäste präsent bleiben“, so Gregorits. „Wir sind außerdem von großen Catering-Aufträgen abhängig, die seit einem Jahr einfach nicht stattfinden“, erklärt Gregorits.

Selbst Auflagen als Bedingung zum Öffnen würden ihn nicht stören. Schon im November hat er ein Präventionskonzept erstellt. Auf 30 Seiten werden hier Maßnahmen wie regelmäßige Tests, ein betriebliches Einbahnsystem mit eigenen Abstans--Markierungen und Hygienemaßnahmen festgehalten.

„Die privaten Reserven sind fast aufgebraucht“, erzählt Paul Gregorits vom Gasthof Gregorits in Klingenbach.

Die Leithaprodersdorfer Köchin Tamara Blümel findet sich in einer besonders Situation. „Während die Köchin ihre schmackhaften Speisen nur zum Abholen verpacken darf, darf ihr Mann nebenan seit Kurzem wieder als Frisör arbeiten“, erklärt Hergovich.

„Das Restaurant und der Friseurbetrieb befinden sich in ein und demselben Gebäude. Für uns ist es wirklich komisch, dass die eine Eingangstür nun endlich wieder offen ist und die andere Tür nur für das Abholen aufgesperrt werden darf. Ich hoffe daher, dass wir unsere Gäste auch bald wieder persönlich begrüßen und kulinarisch verwöhnen dürfen – nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern weil wir Gastfreundschaft wieder leben wollen“, betont Blümel. Auch sie bietet am Wochenende ein Abholservice an.

Auch in Mörbisch verhindern die weiterhin geltenden Maßnahmen den Normalbetrieb für das Café-Restaurant Sommer. Hier schafft man es allerdings, sich durch den Lieferbetrieb über Wasser zu halten.

„Unser Lieferservice funktioniert problemlos und wurde auch ziemlich gut angenommen“, erklärt Wolfgang Gress der BVZ. Auch den Erhalt von Förderungen weiß das Lokal zu schätzen: „Wir haben diesbezüglich fast alles bekommen und bisher auch zeitlich.“ Wolfgang Gress ist der Meinung, dass es zukünftig ohne die Kontrolle von Tests und Impfungen beim Betreten eines Lokals nicht gehen wird.

„Es steuert scheinbar alles darauf hin“, meint Gress. „Doch wenn es notwendig ist, um wieder aufsperren zu können, dann werden wir das sicher machen.“

Als eines der ersten Gasthäuser fiel das griechische Lokal „Siga Siga“ in Oslip der Pandemie zum Opfer. Da man jedes Jahr im November Betriebsurlaub habe und den Monat in Griechenland verbringt, bekam das Restaurant „80 Prozent von null Euro“ als Umsatzersatz vom Staat — also gar nichts. Daraufhin schloss das griechisch-österreichische Betreiber-Duo in Oslip seine Pforten und wanderte nach Niederösterreich ab.

In Hornstein sieht XXL-Heurigenwirt Stefan Jaitz eine zu frühe Öffnung eher skeptisch: „Sie sollen lieber im März noch alles geschlossen lassen und die Maßnahmen verschärfen — haltet sich ja eh keiner dran, scheinbar. Dafür könnten wir dann im April aufsperren. Das wäre besser als zu früh zu öffnen und eine nächste Welle zu riskieren.“ Geduldig sein zahle sich aus, auch wenn es schwer fällt. „Ich freu mich schon so darauf, unsere Gäste wieder im Lokal begrüßen zu dürfen und wieder zusammenrücken zu können“, hört man bei Jaitz die Sehnsucht nach einer Rückkehr zum normalen Wirtshaus-Betrieb klar und deutlich.

Handel: Von Öffnung verschieden profitiert

Im Handel freut man sich über die Öffnung, auch wenn die Kunden „noch vorsichtig sind“, wie Sabine Kummer vom Blumengeschäft „Blumenwerkerei“ in Purbach erzählt. Einen großen Ansturm habe es noch nicht gegeben.

Im Lockdown bot sie an, Gestecke und Sträuße zu liefern oder stellte sie vor die Tür des Geschäftslokals. Kostendeckend war das aber nicht. „Wir wollten für die Kunden da sein und sie weiterhin gut betreuen“, erklärt sie weiter. Die Maßnahmen würden gut angenommen werden. „Alle, ob das Personal oder die Kunden, tragen Maske und halten entsprechend Abstand“, stellt Kummer fest.

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Frühlingsstimmung. Sabine Kummer und ihr Team in der Blumenwerkerei in Purbach freut sich, wieder Kunden im Geschäft begrüßen zu können.
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Im Gegenteil zu unzähligen anderen Handelsbetrieben, hat das „Radlgwölb Artner“ aus St. Margarethen kaum mit den Corona-Maßnahmen und den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Die Nachfrage nach Fahrrädern ist nämlich zurzeit immens. „Der Boom ist bereits seit letztem Jahr spürbar“, bestätigt Franz Artner.

„Der Boom ist bereits seit letztem Jahr spürbar“, spürt Franz Artner vom Radl-gwölb Artner in St. Margarethen, im Gegensatz zu den meisten anderen Branchen, kaum Auswirkungen.

Die derzeitigen Maßnahmen stellen für ihn ebenso kein Problem dar. „Wir haben genug Platz. Daher muss ich selten Kunden vor die Tür schicken“, erklärt der Fahrradhändler.

Dennoch befürchtet Franz Artner, dass er dieses Jahr weniger Umsatz verbuchen wird als zuvor. „In näherer Zukunft wird es kaum neue Ware geben“, meint er. Probleme innerhalb der Lieferketten haben nämlich einen geringen Warenbestand bei Herstellern zur Folge. Deshalb kämpfen Händler mit endlosen Lieferzeiten und unmöglichen Nachbestellungen.

„Die fehlende Ware wird wahrscheinlich zukünftig das größte Problem sein. Ich will aber trotzdem nicht jammern“, ergänzt Artner abschließend.