Helden des Alltags: Zivildiener als Helfer in der Krise

In der Krise reden alle über Zivildiener, aber kaum jemand mit ihnen. Die BVZ sprach mit einem „Zivi“ über seine Arbeit.

Erstellt am 09. April 2020 | 04:05
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Zivildiener. Martin Mixa ist derzeit Sanitäter in Hornstein.
Foto: zVg

Martin Mixa leistet derzeit seinen Heeres-Ersatzdienst, wie der Zivildienst etwas geringschätzig genannt wird, beim Samariterbund in Hornstein. Der junge Neufelder ist dort als Sanitäter im Einsatz, derzeit ist der Beruf besonders wichtig, aber auch anspruchsvoller als sonst. Er ist keiner der „Verlängerten“ oder Wiederberufenen, sondern regulärer „Zivi“. Im Mai wäre er eigentlich fertig, wie es dann weitergeht, weiß er aber noch nicht. Bis dato gibt es keine Information seitens der Zivildienstserviceagentur.

Überhaupt sei derzeit vieles unklar: „Ein Kollege hätte vergangene Woche seinen Zivildienst beendet, jetzt muss er aber bis Ende Juni bleiben“, so Mixa. Die zusätzlichen Zivildiener sind als präventive Maßnahme gedacht, um ein mögliches erhöhtes Einsatzaufkommen und den Ausfall von Sanitäter ausgleichen zu können. „Die Akuteinsatzzahlen sind stabil, aber es gibt weniger Krankentransporte, da die Spitäler alle nicht kritischen Untersuchungen und OPs verschoben haben. Auch Transporte von und zu Ärzten haben stark abgenommen“, schildert der Sanitäter.

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Sinnvolle Maßnahmen, Mängel bei Umsetzung

Transporte von Patienten mit Verdacht auf Corona sind besonders aufwendig: „Da müssen wir mit voller Schutzausrüstung fahren und anschließend den Wagen gründlich desinfizieren“, was natürlich Zeit und Ressourcen kostet. Generell tragen die Sanitäter zum Schutz der Patienten und Helfer bei jedem Einsatz Schutzmaske, Schutzbrille und Handschuhe.

Generell äußert der Zivildiener Verständnis für die Maßnahmen der Regierung, teilweise bringen diese aber große Herausforderungen mit sich. „Die Erste Hilfe Schulungen fallen derzeit weg, nachdem der Mindestabstand dabei nicht vernünftig eingehalten werden kann“, erzählt der Neufelder. Auch bei den neu eingerückten Zivildienern im April gibt es in der Ausbildung massive Änderungen, diese werden erstmals mittels E-Learning und Videokonferenzen auf den einzelnen Stützpunkten ausgebildet.

Auch die Bezahlung von Zivildienern, den „Verlängerten“ und den „außerordentlichen Zivildienern“ ist derzeit für viele nicht durchschaubar: Für die Verlängerung des Zivildienstes bekommt man 190 Euro extra, die außerordentlichen Zivildienstleistenden fast das doppelte Gehalt — für die gleiche Arbeit, bei gleicher Kompetenz. In einigen Fällen sorgt auch die Verlängerung durch die Regierung für Probleme: „Ein Kollege hätte mit April zum Arbeiten begonnen. Nun wurde er verlängert und musste seinem Arbeitgeber absagen. Der Job ist nun weg, sein Gehalt wäre auch höher gewesen“, schildert Mixa.

Im Dienst werde einem dafür derzeit noch mehr Dankbarkeit entgegengebracht als sonst. Ein Vorteil sei auch, dass die Straßen fast leer sind und man bei Transporten und vor allem Notfällen schneller vor Ort sein kann. Ihn ärgert aber, dass derzeit „so viel über Zivildiener geredet wird, aber nicht mit ihnen. Die Maßnahmen werden sehr kurzfristig entschieden, wie etwa die Verlängerung.“ Die Maßnahmen beim Zivildienst sieht Mixa jedenfalls zwiespältig. Sein Resümee: „Gute Idee, aber mit Luft nach oben.“