Verurteilt, geköpft, bestattet. Jene  frühbarocke Steinmadonna, die im Oktober des vergangenen Jahres bei der Restaurierung der Gnadenkapelle im Kloster im Sockel der Altarmensa wurde laut dem Bundesdenkmalamt nach einer Zerstörung während des Zweiten Türkenfeldzuges 1683 offenbar rituell bestattet.

Erstellt am 03. Juli 2017 (17:34)
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Nina Sorger

Nina Sorger

Kirche und Kloster wurden, so Experten des Bundesdenkmalamtes, von kalvinischen Kuruzzen, die die Hauptstreitmacht von Kara Mustafa mit rund 2.000 Mann begleiteten, überfallen. In der Krypta wurden die Särge aufgebrochen und beraubt; in der Kirche zertrümmerte man Altäre, Bilder und Bänke und steckte sie in Brand. Junge kalvinische Adelige sollen die steinerne Statue der Gnadenmutter, die sich auf einer hohen Säule auf dem Platz vor der Kirche befand, herab gehoben haben. Sie klagten sie in einem Tribunal an und verurteilten sie an der Verfolgung der ungarischen Kalviner schuldig zu sein. Die Gottesmutter wurde zum Tod verurteilt und soll, so die Aufzeichnungen, anschließend im Kreis der johlenden Kuruzzen geköpft worden sein. Den Hintergrund dieses grotesken Tribunals bildeten das brennende Kloster und die in Rauch und Flammen gehüllten Kirchtürme von Loretto.

Nina Sorger

Der ungewöhnliche Fund wird derzeit im Bundesdenkmalamt, Abteilung für Konservierung und Restaurierung eingehend untersucht. Den Schriftquellen zufolge ist die Skulptur um 1660/70 entstanden und hat sich ursprünglich auf einer Säule vor der Kirche befunden. Tatsächlich fand sich in der Altarmensa neben dem Rumpf der Madonnenstatue auch der abgetrennte Kopf.

Nach der Restaurierung soll die Skulptur wieder im Altar bestattet werden und durch ein Gitterfenster an der Rückseite des Altartisches sichtbar bleiben.