Wahlkampf-Finale: Mehr Auswahl denn je

Erstellt am 29. September 2022 | 05:17
Lesezeit: 4 Min
Es war ein ruhiger Wahlkampf im Bezirk Eisenstadt, der gegen Ende doch noch heiß wurde. Die Teuerung dominierte über lokalpolitische Themen.
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Vor Ende der Legislaturperiode zieht Bürgermeister Thomas Steiner Bilanz ein positives Fazit über die Entwicklung der Stadt: „Das was wir uns vorgenommen haben und noch mehr ist auf Schiene oder bereits umgesetzt.“ Dabei gibt es seit jeher eine Leitlinie, die der Stadt gerade in den vergangenen zwei Krisenjahren besonders zu Gute kam: Sorgsamer, transparenter Umgang mit den Finanzen. Wichtige Projekte, wie die Leichtathletik-Arena, die Sanierung des Hallenbades und der Indoorspielplatz seien vor allem auch dem Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Magistrat und der Gemeinderatsmitglieder zu verdanken, bedankt sich Steiner. Er verweist auch auf die konstruktive Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinweg. Nur acht von 600 Beschlüssen wurden rein mit den Stimmen einer Partei gefasst. Die restlichen Entscheidungen erfolgten großteils sogar einstimmig.

Ganz so einträchtig wurde es am Ende des Wahlkampfes dann aber doch nicht, SPÖ-Spitzenkandidatin Charlotte Toth-Kanyak kritisierte wiederholt Baupläne in der Kleinhöfleiner Mandelallee und wusste damit auch zu punkten, wie sie der BVZ erzählte. Generell sei der Wahlkampf aber weniger von lokalpolitischen Themen dominiert, sondern vom alles bestimmenden Thema Teuerung. SP-Vizebürgermeister Otto Kropf bestätigt das von seinen Erfahrungen bei Infoveranstaltungen. „Kurz vor der Wahl noch Hilfen und Zuckerl von der Bundes- und Stadt-ÖVP angekommen, das Timing ist sehr, sehr glücklich“, so Kropf mit Augenzwinkern.

Diese Erfahrung teilt Matthias Hahnekamp (FPÖ): „Fast jeder Zweite spricht uns beim Bürgerstandl auf der Hauptstraße auf die Teuerung an. Vor allem Ältere mit kleiner Pension haben große Sorgen. Die Wien-Pendler natürlich auch.“ Sein Team und er haben „gut und schwer gearbeitet, Nacht- und Frühschichten beim Plakatieren gemacht und hoffen, dass wir Ergebnis halten oder vielleicht sogar verbessern können. Wir haben alles getan, der Rest liegt am Wähler.“

Von diesen erhoffen sich die Grünen ein zusätzliches Mandat. Anja Haider-Wallner beschreibt den Grünen Wahlkampf positiv: „Besonders gefreut haben mich die vielen positiven Rückmeldungen auf unser Wimmelbild-Plakat. Die Menschen mögen es, wenn man nicht immer nur alles kritisiert, sondern auch Ideen einbringt. Dass die Idee für eine begrünte und verkehrsberuhigte Esterházy-Straße auch die ÖVP inspiriert hat, freut mich besonders“, so Anja Haider-Wallner mit einem Augenzwinkern in Richtung der geplanten Begegnungszone. Sehr oft sei sie bei Hausbesuchen auf die mangelnden Radwege angesprochen worden: „Die städtische Radweg-Offensive kommt bei Menschen anscheinend nicht an.“

Vier kleine Listen hoffen auf Einzug in Gemeinderat

Die NEOS sind zwar eine Parlamentspartei, in Eisenstadt seien ihre Ressourcen aber sparsamer, als die der anderen Parteien, berichtet Spitzenkandidat Nico Prepeluh: „Diese vielen, teuren Postwurfsendungen – ob das wirklich ein sorgsamer Umgang mit Steuermitteln ist?“ Der junge Mann rückt am Montag nach der Wahl zum Bundesherr in Eisenstadt ein, bei Hausbesuchen wurde er – zumindest nach einiger Diskussion – dennoch ernst genommen, berichtet er über seinen ersten Wahlkampf. Rund 300 Stimmen braucht es für einen Einzug. „Das schaffen wir“, ist Prepeluh optimistisch.

Peter Kleinschuster und seine MFG setzten den aktivistischen Schlussakt des Wahlkampfes. Er kritisiert das dem jüngsten Amtsblatt in Kunststoffhülle beigefügte USB-Kabel als „Teil der Propagandakampagne für die Impfung“. Als „deutliches Zeichen“ will die MFG gemeinsam Kuststoffhülle und Kabel zurückgeben, „in der Hoffnung, dass diese einer sinnvollen Verwendung oder einem fachgerechten Recycling zugeführt werden“.

Über viel Zuspruch freut sich auch Zarits, der mit dem „Eisenstädter James Bond“ sowie alteingesessenen Eisenstädtern im Team eine für eine Bürgerliste breite Basis hat.

Günter Kirchknopf („Klartext“) bringt die Hoffnung der kleinen Listen auf den Punkt: „Ich habe gemerkt, dass der Wunsch nach Veränderung da und auch sehr stark ist. Die Menschen merken, dass die Stadt-Parteien oft einer Landes- oder Bundes-Agenda folgen und das gefällt ihnen nicht. Jetzt braucht es nur noch den Mut in der Wahlkabine, die Veränderung auch anzukreuzen.“

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