Nach Aus von Schokofabrik: Kampf um 110 Schicksale. Wie geht es nach dem geplanten Ende des Mars Austria Werks mit den Arbeitern weiter? Und wie sehr schmerzt die Gemeinde der Abgang finanziell? Die BVZ hat nachgefragt.

Von Markus Kaiser. Erstellt am 27. Oktober 2019 (12:22)
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Mars-Betriebsgebäude in Breitenbrunn
Mars Austria

Die Mars Austria Schokoladenfabrik war mehr als nur ein – sehr beliebter – Arbeitgeber, sie war ein Identifikationsfaktor. „Eine ganze Generation ist damit aufgewachsen“, bedauert Breitenbrunns Bürgermeister Helmut Hareter.

Wie die BVZ berichtet hatte, verkündete Mars Austria Schließungs-Pläne für das Werk in Breitenbrunn, in dem 110 Arbeiter vor allem Rollwaffeln hergestellen. Noch ist der Beschluss nicht fixiert, es wird erst der Betriebsrat sowie die Landesregierung konsultiert. Gut stehen die Zeichen aber nicht, wie Hareter der BVZ verrät: „Wir hoffen auf eine Lösung, glauben aber nicht wirklich daran.“

Suche nach Alternativlösungen

Aus dem Büro von Wirtschaftslanderat Alexander Petschnig heißt es, dass jetzt erst einmal die Gespräche mit Mars Austria im Zentrum des Interesses stehen.

„Sobald es Kündigungen offiziell gibt, wollen wir konkrete Lösungen parat haben“, Soziallandesrat Christian Illedits (SPÖ)
LMS/ Sziderics

Im Hintergrund laufen bereits Überlegungen wie eine Firmen-Nachfolge aussehen könnte. So prüft die für Betriebsansiedelungen verantwortliche Wirtschaft Burgenland GmbH derzeit bei Firmen, die ein Interesse an einer Betriebsansiedelung im Burgenland haben, ob ein theoretisches Interesse am Standort Breitenbrunn besteht. Gewissheit soll es nach dem Gespräch mit Mars Austria im Laufe der nächsten Tage geben.

Fachkräftemangel als Hoffnungsschimmer

Aus dem ÖGB heißt es, dass die Lage am Arbeitsmarkt derzeit positiv ist. Die Nachfrage nach ausgebildeten Arbeitskräften, die die vielen Mechaniker und Mechatroniker in Breitenbrunn ja sind, sei hoch.

„Ich pendle selber seit 35 Jahren nach Wien – einen Job in der Heimatgemeinde zu haben ist viel Wert“, Bürgermeister Helmut Hareter.
zVg

Der Weg in die Arbeit wird sich für viele Arbeiter allerdings deutlich verländern, wie Hareter bedauert: „Acht Breitenbrunner sind hier beschäftigt, die konnten bis jetzt immer mit dem Rad in die Arbeit fahren. Das ist Lebensqualität.“

Ein verhältnismäßiger kurzer Weg wäre nach Bruck an der Leitha. Dort hat Mars Austria eine weitere Niederlassung, die von der eventuellen Schließung nicht betroffen sein soll. „Dort arbeiten bereits vier oder fünf ehemalige Kollegen aus dem Breitenbrunner Werk“, weiß Hareter und ergänzt hoffnungsvoll: „Und denen taugts.“

Finanzieller Aderlass auch für Gemeinde

Eine Firmenansiedelung beteutet für die jeweilige Gemeinde auch neue Einnahmen durch Kommunalabgaben. Um diese würde die Gemeinde Breitenbrunn bei einem tatsächlichen Abschied der Schokofabrikanten nun umfallen. „Da geht es um rund 200.000 Euro pro Jahr“, holt Hareter tief Luft, „das tut weh.“ Er habe aber Vertrauen in die Arbeit

„Unsere Erwartungen an das Unternehmen sind klar: Es braucht Zukunftsperspektiven und einen Sozialplan“, Thomas Steiner (ÖVP)
BVZ

der Wirtschaft Burgenland und der Landesregierung und hofft, dass sich nach einem tatsächlichen Abzug von Mars Austria bald eine Nachfolge für den Standort findet: „Die Infrastruktur ist ja da und der Standort gut.“

Dass das ein weiterer finanzieller Schlag nach dem Verlust des Seebades an die Esterhazy-Stiftung sein soll, verneint Hareter aber: „Da wären unumgängliche Investitionen in der Höhe von zehn Millionen Euro auf uns zugekommen. Das hätte die Einnahmen mehrerer Jahre geschluckt.“

„Ich setzte auf die sehr gute Arbeit der Betriebsansiedelungsabteilung“, Wirtschaftslandesrat Alexander Petschnig (FPÖ).
BVZ

Esterhazy hingegeben plane laut Hareter ordentlich zu investieren und bis zu 70 Arbeitsplätze zu schaffen. Beim Seebad ist sich Hareter jedenfalls sicher: „Das wird toll!“