Nach dem Gansl folgt das Fasten

Einmal pro Jahr lädt Karin Hartmann zur Fastenwanderung um den Neusiedler See.

Erstellt am 21. November 2021 | 06:26

Fasten gilt bei immer mehr Menschen als Frühjahrsputz für Körper, Geist und Seele. Eine der bekanntesten Methoden ist das klassische Heilfasten nach der Buchinger-Methode, die auf den deutschen Arzt und Naturheilkundler Otto Buchinger zurückgeht. Auch die Fasten- und Gesundheitstrainerin Karin Hartmann greift ein Mal im Jahr auf diese Methode zurück. Doch damit nicht genug, die Breitenbrunnerin wandert während dieser Zeit mit einer Gruppe um den Neusiedler See.

Im Einklang mit Körper und Geist

„Fasten bedeutet für mich mentale Stärkung, Energie tanken und zurück in meine Mitte zu finden. So wie vollwertiges Essen, trägt auch regelmäßiges Fasten seit vielen Jahren zu meinem Wohlbefinden bei. Fasten ist eine Auszeit für Körper, Geist und Seele, es ist die Quelle der Inspiration und die beste Gesundheitsvorsorge“, erzählt die 50-Jährige.

Anzeige

Karin Hartmann fastet seit dem Jahr 2002 einmal jährlich. Anfangs war sie nur neugierig und wollte ihrem Körper einfach etwas Gutes tun. Was sie allerdings dabei entdeckte, war viel tiefgreifender. Die Gesundheitstrainerin schwärmt: „Durch die Entdeckung meiner inneren Kraft wurde mein Fastenerlebnis mit einem Hochgefühl gekrönt, das ich seither nicht mehr missen möchte.“ Sie rät vor allem zur Fastenmethode nach Otto Buchinger. Hierbei verzehrt man für fünf Tage oder länger nur Gemüsebrühe und verdünnte Säfte, in geringem Umfang auch Milchprodukte. Wasser und Kräutertees sind außerdem wesentlicher Bestandteil der Fastenverpflegung. So erhält der Körper eine minimale Menge an Kalorien, Vitaminen und Mineralien. Dem Heilfasten werden auch vielfältige positive Wirkungen zugeschrieben.

Schon seit Urzeiten ist der menschliche Stoffwechsel auf Fastenzeiten eingestellt: In Phasen des Überflusses aß man früher ungehemmt, in Mangelphasen blieb der Magen dafür einige Stunden oder Tage leer. Der Körper ist in der Lage längere Hungerperioden zu überstehen, indem er in verschiedenen Organen und Geweben Energiereserven speichert und bei Bedarf wieder mobilisiert. Nach einer längeren Zeit ohne Nahrungsaufnahme beginnt er Stoffe auszuschütten, die den Fettabbau aktivieren. Es kommt zu heilsamen biochemischen Veränderungen im Körper, etwa zu einem verbesserten Zucker- und Fettstoffwechsel.

In der Gruppe fällt das Fasten leichter

Das Heilfasten sollte man keineswegs auf die leichte Schulter nehmen. Um diese Fastenmethode ohne ärztliche Begleitung zu praktizieren, muss man vollständig gesund sein. Schwanger sollte man nicht sein und auch für Kinder und Jugendliche ist diese Methode nicht geeignet. „Die meisten Menschen tun sich leichter, wenn sie in der Gruppe und unter Anleitung fasten. In Österreich gibt es zahlreiche Fastenhotels, in denen regelmäßig Fastenwochen stattfinden. Auch ich halte mehrmals jährlich Fastenseminare im Südburgenland und am Katschberg ab“, erklärt Karin Hartmann.

Fasten als Abschied von schlechten Gewohnheiten

Für viele Leute wirkt das Fasten abschreckend, weil sie vermuten, es sei nicht gesund einige Tage nichts zu essen. Auch vor dem Hungergefühl haben viele Angst. Doch dem wirkt die Expertin entgegen: „Ja, mittlerweile ist der positive gesundheitliche Effekt auch wissenschaftlich erwiesen. „Autophagie“ nennt sich das Zellrecycling, das beim Fasten schadhafte Zellen entsorgt. Nicht umsonst wird das Fasten auch als „Jungbrunnen“ bezeichnet.“ Fasten bedeute auch keinesfalls hungern, zumindest wenn man es richtig macht. Nach einer Fastenkur fühle man sich nicht nur wie neu geboren, man sei auch energiegeladen. Aber vor allem wird Fasten empfohlen, wenn man sich von schlechten Gewohnheiten trennen möchte. „Fasten ist ein Neustart und eine Chance, neue Wege für sich zu finden“, so Frau Hartmann.

Auch Bewegung an der frischen Luft ist ein wesentlicher Bestandteil einer Fastenwoche. Durch die Bewegung bleibt der Kreislauf in Schwung, die Muskeln bleiben in Bewegung und das Gehen selbst und die Natur rundherum haben eine heilsame Wirkung. Als geprüfte Wanderführerin gehört auch das Wandern zu Karin Hartmanns Leidenschaft. „Die Idee einer Fastenwanderung vor meiner Haustür, rund um den Neusiedler See, war natürlich naheliegend. 2019 habe ich es mal im Alleingang ausprobiert, ob es wirklich zumutbar ist, im Fastenmodus täglich stundenlang unterwegs zu sein. Es war möglich, und es war wunderbar“, erzählt Karin. Und so kam es dazu, dass Karin Hartmann ein Jahr später erstmals eine Gruppe zu ihrer Wanderung mitgenommen hat und alle waren begeistert. Somit bleibt die Fastenwanderung rund um den Neusiedler See – 120 km in 7 Tagen – ein Fixpunkt in ihrem Jahresplan.